NDR-Iko­ne Car­lo von Tie­de­mann ist 75 Un­fass­bar glück­lich

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Ein Ge­schenk hat Car­lo von Tie­de­mann schon vor sei­nem 75. Ge­burts­tag be­kom­men: „Der NDR hat den Ver­trag mit mir ge­ra­de um zwei wei­te­re Jah­re bis Sep­tem­ber 2020 ver­län­gert.“

Seit 47 Jah­ren ist er beim Nord­deut­schen Rund­funk (NDR), mo­de­rier­te di­ver­se Ra­dio- und Fern­seh­sen­dun­gen und wur­de schon in den 70ern mit der da­mals noch im Ers­ten aus­ge­strahl­ten „Ak­tu­el­len Schau­bu­de“Mil­lio­nen Zu­schau­ern bun­des­weit be­kannt.

Noch im­mer sitzt er un­ter der Wo­che täg­lich hin­term Mi­kro­fon, ist ge­le­gent­lich im TV zu se­hen - und wünsch­te sich zu sei­nem 75.Ge­burts­tag am 20. Ok­to­ber nur, „dass sich nichts än­dert“.

Sei­ne ers­te Ra­dio­re­por­ta­ge für den NDR lie­fer­te er aus dem Frei­bad im Ham­bur­ger Stadt­park - in Ba­de­ho­se und mit Mi­kro­fon im Was­ser. Das war 1971, nach­dem er be­reits als Zei­tungs­re­por­ter ge­ar­bei­tet hat­te und als Süd­ame­ri­ka-Kor­re­spon­dent tä­tig ge­we­sen ist. Auf Tau­sen­de Hör­funk­sen­dun­gen und et­li­che Fern­seh­rei­hen kann Tie­de­mann zu­rück­bli­cken, dar­un­ter die TV- Shows „Deut­scher Mu­sik­la­den“, „Eu­ro­tops“und „Show & Co. mit Car­lo“. Sein Mar­ken­zei­chen sind Stim­me und Schnau­zer - und die stets gu­te Lau­ne. „Er ist ein Typ“, schrieb NDR-In­ten­dant Lutz Mar­mor ein­mal.

Wun­sch­los glück­lich und zu­frie­den sei er so­wohl be­ruf­lich als auch pri­vat, er­zählt der mit sei­ner drit­ten Ehe­frau und zwei Kin­dern in Quick­born bei Ham­burg le­ben­de Mo­de­ra­tor. „Ich brau­che aber auch ganz we­nig. Ich brau­che mei­ne Fa­mi­lie, ein schö­nes Zu­hau­se und Ge­sund­heit. Und ich bin so glück­lich in mei­nem Be­ruf - das ist un­fass­bar.“

Er le­be ge­sund, rau­che nicht, trin­ke kei­nen Al­ko­hol und ver­su­che, je­den Tag 10.000 Schrit­te zu schaf­fen. „Ich war ja ein paar Jah­re lang ne­ben der Spur und ha­be or­dent­lich Gas ge­ge­ben, aber jetzt bin ich kern­ge­sund.“

Da­von war er mal weit ent­fernt. „En­de der 80er Jah­re mit Ko­ka­in und Al­ko­hol für zehn er­wach­se­ne Män­ner“, wie er es mal be­schrieb - da hat sich Tie­de­mann ge­hen las­sen. Mit ei­ner Dro­gen­af­fä­re ge­riet er eben­so in die Schlag­zei­len wie mit Spiel­sucht und Schul­den.

„Ich ha­be fast 700.000 DM ab­be­zahlt und bin seit ei­ni­gen Jah­ren schul­den­frei.“Pri­vat­in­sol­venz an­zu­mel­den sei für ihn nicht in­fra­ge ge­kom­men. „Man muss zu sei­nen Feh­lern ste­hen und sie selbst wie­der aus­bü­geln - das ha­be ich von mei­nem Pa­pa ge­lernt.“Der wur­de üb­ri­gens 101 Jah­re alt.

„Ich ha­be nichts aus­ge­las­sen“, sagt der Mo­de­ra­tor, der auch an zwei Hirn­tu­mo­ren er­krankt war. Stolz sei er, „die har­te Ver­gan­gen­heit“oh­ne Nar­ben hin­ter sich ge­las­sen zu ha­ben. „Oh­ne mei­nen Glau­ben hät­te ich das nicht ge­schafft. Ich bin ein sehr gläu­bi­ger Mensch“, sagt der vier­fa­che Va­ter. Die bei­den Äl­te­ren sind lan­ge er­wach­sen, die bei­den jün­ge­ren wer­den es ge­ra­de. Er sei schlecht im Er­zie­hen („Das über­nimmt mei­ne Frau“) und im Los­las­sen („Ich bin ein furcht­ba­rer Klam­mer­beu­tel“). Opa ist er auch: Toch­ter The­re­sa von Tie­de­mann, eben­falls NDR-Mo­de­ra­to­rin, be­kam 2017 ihr ers­tes Kind.

Zum Rein­fei­ern in den 75. hat der Sen­der sei­nen Mo­de­ra­tor in die „NDR Talk Show“ein­ge­la­den, ex­tra für „den Car­lo“li­ve und 15 Mi­nu­ten län­ger als sonst, Ge­folgt vom ein­stün­di­gen Film „Hap­py Birt­ha­dy, Car­lo!“, des­sen Sen­de­zeit - nachts um 0.15 Uhr - der Ge­fei­er­te al­ler­dings „ein biss­chen scha­de“fin­det. Pri­vat soll es kei­ne gro­ße Par­ty ge­ben, lie­ber ei­nen „Tag der of­fe­nen Tür für Fa­mi­lie und Freun­de“im Hau­se Tie­de­mann. „Das wird al­les sehr über­schau­bar. Für mich ist das ein schö­ner An­lass, ein biss­chen be­tüd­delt zu wer­den.“ „Er ge­hört zum Nord­deut­schen Rund­funk wie der Mi­chel zu Ham­burg“, schreibt der NDR auf sei­ner Home­page über den Mo­de­ra­tor. „Sein Be­kannt­heits­grad im Nor­den reicht höchst­wahr­schein­lich an die 100 Pro­zent her­an.“Kann sich Tie­de­mann vor­stel­len, in zwei Jah­ren, wenn der ak­tu­el­le Ver­trag kurz vor sei­nem 77. Ge­burts­tag aus­läuft, ei­nen Schluss­strich zu zie­hen? „Wenn ich dann auf­hö­re, wä­re ich fast 50 Jah­re beim NDR - das ist doch Wahn­sinn!“Steht der Ab­schied für ihn fest? „Nee!“, sagt er und lacht. 2021 könn­ten Sen­der und Mo­de­ra­tor Gol­de­ne Hoch­zeit fei­ern.

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