Teu­rer als Sil­ber: Ex­per­ten hof­fen auf sin­ken­de Va­nil­le­prei­se

In Ma­da­gas­kar schla­fen man­che Bau­ern mit dem Ge­wehr auf den Fel­dern, um ih­re Va­nil­le zu be­schüt­zen. Das Ge­würz er­zielt Re­kord­prei­se. Nun könn­te die süß duf­ten­de Zu­tat für Eis­creme, Ku­chen und Kos­me­ti­ka wie­der et­was bil­li­ger wer­den.

Amerika Woche - - Global -

Kurz vor dem Ein­tref­fen der neu­en Va­nil­le-Ern­te aus Ma­da­gas­kar be­steht nach Ein­schät­zung von Ex­per­ten Aus­sicht auf leicht sin­ken­de Prei­se. Die Scho­ten sei­en vor­aus­sicht­lich auch wie­der von bes­se­rer Qua­li­tät, sag­ten der deut­sche Va­nil­le-Im­por­teur Be­rend Hach­mann und der Chef des Ver­ban­des der Ex­port­un­ter­neh­men in Ma­da­gas­kar, Ge­or­ges Gee­ra­erts.

Zu­letzt hat­te es Kla­gen über Lie­fer­pro­ble­me und ei­ne schlech­te­re Qua­li­tät bei dem be­gehr­ten Ge­würz ge­ge­ben. Ma­da­gas­kar, ein In­sel­staat vor der Süd­ost­küs­te Afri­kas, ist der welt­weit wich­tigs­te Va­nil­le-Pro­du­zent.

Die Va­nil­le­prei­se wa­ren zu­letzt auf Wer­te zwi­schen 500 und 600 US-Dol­lar je Ki­lo­gramm ge­klet­tert - et­was mehr als für ein Ki­lo­gramm Sil­ber, das der­zeit rund 460 Dol­lar kos­ten wür­de.

Die dies­jäh­ri­ge Ern­te darf erst seit dem 15. Ok­to­ber ver­kauft wer­den. Pro­gno­sen gin­gen nun da­von aus, dass sich das Ni­veau zwi­schen 450 Dol­lar und 475 Dol­lar ein­pen­deln könn­te, be­rich­te­te Hach­mann.

Der bis­he­ri­ge Preis sei zu hoch ge­we­sen, pflich­tet Ex­por­teur Gee­ra­erts bei: „Es gibt viel Spe­ku­la­ti­on im Markt. Und es ist klar, dass die­se spe­ku­la­ti­ve Bla­se ir­gend­wann plat­zen wird.“Die Fra­ge sei nur, wann. An­ge­sichts ei­ner an­hal­tend ho­hen Nach­fra­ge nach Top-Va­nil­le er­war­te er aber zu­nächst kei­nen gro­ßen Preis­ver­fall.

Va­nil­le wird aber nicht nur für Pro­duk­te wie Eis­creme, Ku­chen, Kek­se, Jo­ghurt, Bon­bons und Ähn­li­ches ver­wen­det, son­dern auch für Duft­stof­fe, Kör­per­lo­tio­nen, Ba­de­zu­sät­ze oder Sei­fen. In güns­ti­ge­ren Pro­duk­ten kommt vor al­lem künst­li­ches Va­nil­lin zum Ein­satz, doch bei Qua­li­täts­pro­duk­ten führt an Ma­da­gas­kar kein Weg vor­bei.

Die In­sel steht für rund 80 Pro­du­zent der Welt­pro­duk­ti­on. Vor al­lem so­ge­nann­te Bour­bon-Va­nil­le, die aus­schließ­lich aus Ma­da­gas­kar, La Ré­uni­on oder von den Ko­mo­ren stam­men darf, ist bei Im­por­teu­ren be­gehrt.

Da die Scho­ten in die­sem Jahr im Schnitt fast ei­nen Mo­nat län­ger an den Sträu­chern blei­ben muss­ten bis zum 15. Ju­li -, rech­nen Ex­per­ten bei et­wa glei­cher Ern­te­men­ge mit ei­ner bes­se­ren Qua­li­tät. „So­lan­ge das Ern­te­da­tum re­spek­tiert wur­de, soll­ten wir die­ses Jahr rei­fe­re Va­nil­le und da­mit ei­ne bes­se­re Qua­li­tät be­kom­men“, sag­te Gee­ra­erts.

Va­nil­le­scho­ten ent­fal­ten ihr vol­les Aro­ma erst in den letz­ten zwei Mo­na­ten an den Stau­den. In­fol­ge des stei­len Preis­an­stiegs hat­ten Bau­ern die Scho­ten zu­letzt je­doch aus Angst vor Dieb­stäh­len oft viel zu früh ge­ern­tet. Da­durch war der Ge­halt an dem wert­vol­len In­halts­stoff Va­nil­lin ge­sun­ken.

Im Ide­al­fall ent­hal­ten die Scho­ten der Klet­ter­or­chi­dee rund zwei Pro­zent des kost­ba­ren Aro­ma­stoffs. Va­nil­le wur­de zu­erst in Me­xi­ko an­ge­baut, wo das Ge­würz von den Az­te­ken und Ma­ya als De­li­ka­tes­se ge­schätzt wur­de.

In den wich­tigs­ten An­bau­ge­bie­ten in der Pro­vinz Sa­va im Nord­os­ten des ar­men In­sel­staa­tes Ma­da­gas­kar ha­ben sich Bau­ern teils zu Dor fmi­li­zen zu­sam­men­ge­schlos­sen, um ih­re Ern­te zu be­schüt­zen. Vie­le von ih­nen schlie­fen so­gar bis zu sechs Mo­na­te mit Knüp­pel oder Ge­wehr be­waff­net in­mit­ten der Va­nil­lestau­den, er­klär­te Gee­ra­erts.

„Stel­len Sie sich es so vor: Wenn To­ma­ten pro Ki­lo 3000 Eu­ro kos­ten wür­den, dann wür­den die Bau­ern auch plötz­lich mit dem Ge­wehr im Ge­mü­se­gar­ten schla­fen.“Der Staat sor­ge nicht für aus­rei­chend Si­cher­heit.

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