Horst See­ho­fer und die dro­hen­de Ver­trei­bung aus dem Pa­ra­dies

Amerika Woche - - Meinung -

Der neue See­ho­fer gibt sich als sanf­ter See­ho­fer. Es müs­se im­mer klar sein, was man ver­tre­te, er­klärt der In­nen­mi­nis­ter und CSU-Chef. „Aber man kann rich­ti­ge Po­si­tio­nen auch mil­de“- er kor­ri­giert sich - „mil­der ver­tre­ten“. Sei­ne Mei­nung müs­se man schon noch sa­gen dür­fen.

Zwei Ta­ge nach der CSUWahl­plei­te in Bay­ern ver­sucht Horst See­ho­fer die Mi­se­re in Ber­lin zu er­klä­ren. Die Ar­me hält er im­mer wie­der vor der Brust ver­schränkt, als wol­le er sich auch kör­per­lich zu­sam­men­rei­ßen.

Es soll kei­ner die­ser Auf­trit­te wer­den, die Jour­na­lis­ten in Auf­re­gung und In­ter­net­nut­zer in hel­le Em­pö­rung ver­set­zen. Nicht mal ei­ne Steil­vor­la­ge für ei­nen An­griff auf ei­ne Lieb­lings­geg­ne­rin nimmt er an: „Kei­ne Ant­wort“, sagt er auf die Fra­ge nach ei­ner mög­li­chen Schuld von Kanz­le­rin An-ge­la Mer­kel (CDU) an den CSU-Ver­lus­ten. Für dies­mal ge­lingt es: Der neue See­ho­fer hat den al­ten im Griff.

Der al­te See­ho­fer, das war der, der im Som­mer ei­nen hef­ti­gen Streit über die Asyl­po­li­tik vom Zaun brach, den ei­ge­nen Rück­tritt an­kün­dig­te, die Re­gie­rung aufs Spiel setz­te - und am En­de er­reich­te, dass ein paar Asyl­be­wer­ber im Mo­nat von der baye­ri­schen Gren­ze nach Spa­ni­en oder Grie­chen­land zu­rück­ge­schickt wer­den dür­fen. Da ha­be er in vol­lem Ein­ver­ständ­nis mit Bun­des­tags- und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten und der baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung ge­han­delt, be­tont See­ho­fer.

„Die Sa­che war rich­tig“, sagt er im Rück­blick. Doch dann fügt er, für ihn durch­aus be­mer­kens­wert, hin­zu: Was „Stil, Ton“an­ge­he, da müs­se man als Po­li­ti­ker be­reit sein zu re­den und „ein­zu­räu­men, dass da durch­aus Kri­tik­wür­di­ges da­bei ge­we­sen ist“.

Aber dass der „Spie­gel“ihn in ei­ner Ti­tel­ge­schich­te ei­nen „Ge­fähr­der“nann­te, al­so bit­te. „Das ist ja schon der Ham­mer“, sagt See­ho­fer. „Al­so, ich bin ein po­ten­zi­el­ler Ter­ror­mensch.“Aber so­was müs­se man als Po­li­ti­ker er­tra­gen, er­gänzt er. Er will sich heu­te nicht pro­vo­zie­ren las­sen.

Ei­ner der un­be­lieb­tes­ten Po­li­ti­ker der Bun­des­re­gie­rung will ver­prell­te Wäh­ler zu­rück­ge­win­nen. Lie­fert Er­klä­rungs­ver­su­che da­für, war­um die aus­ge­rech­net der CSU ei­nen Denk­zet­tel ver­passt ha­ben. „Wir sind nicht mehr so tief ver­wur­zelt in der Ge­sell­schaft, in der Be­völ­ke­rung“, sagt See­ho­fer.

Da müs­se man wie­der dich­ter ran. Plu­ra­lis­tisch, auf­ge­klärt, in­for­miert sei die­se Be­völ­ke­rung, „un­heim­lich mu­tig“ma­che sie ih­re Po­si­tio­nen klar. „Bes­te Bi­lanz und schlech­tes Wah­l­er­geb­nis“, bi­lan­ziert er aus CSU-Sicht et­was hilf­los.

Es ist ein be­mer­kens­wer ter Auf­tritt zu ei­nem be­mer­kens­wer­ten Zeit­punkt. Zwei Ta­ge nach dem CSUAb­sturz auf nur noch 37,2 Pro­zent tritt See­ho­fer vor der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz, al­so den ver­sam­mel­ten Haupt­stadt­jour­na­lis­ten, auf und gibt den gro­ßen Er­klä­rer. Weit weg ist See­ho­fer, und das wäh­rend die Par­tei in Bay­ern ge­ra­de an­fängt, die Scher­ben vom ...

wei­ter auf S. 15

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