In­ter­view mit Ju­bi­lar Eberl: „Eher mit Brat­wurst als Ga­la!“

Ma Eberl lebt in M nchen­glad­bach on­ti­nuit t or. Seit ist er als Spie­ler, ach­wuchs­ko­or­di­na­tor und Sport­di­rek­tor für die Bo­rus­sia ak­ti und hat we­sent­li­chen An­teil am Auf­schwung des ra­di­ti­ons­clubs. etzt fei­er­te er ein op­pel- ubil um.

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Von den ak­tu­el­len Sport­di­rek­to­ren in der Fuß­ball-Bundesliga ist Max Eberl nach Micha­el Zorc von Bo­rus­sia Dort­mund am längs­ten bei ei­nem Club im Amt. Am 19. Ok­to­ber 2008 hat der 45-Jäh­ri­ge sei­nen Job bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach an­ge­tre­ten. Dort ist er seit fast 20 Jah­ren in ver­schie­de­nen Funk­tio­nen tä­tig. Da hat­ten wir doch ein paar Fra­gen an ihn.

Herr Eberl, zehn Jah­re Sport­di­rek­tor und im kom­men­den Jahr 20 Jah­re bei Bo­rus­sia. Wel­ches Da­tum be­deu­tet mehr?

Max Eberl: 20 Jah­re bei ei­nem Ver­ein in un­ter­schied­li­chen Funk­tio­nen - das ist schon was Be­son­de­res, wo­bei zehn Jah­re Sport­di­rek­tor si­cher­lich auch kein ganz nor­ma­les Ju­bi­lä­um ist.

Füh­len Sie sich als ge­bür­ti­ger Bay­er schon als Ur­ge­stein?

Ich bin ein Zu­ge­reis­ter, aber Hän­gen­ge­blie­be­ner. 20 Jah­re sind ei­ne lan­ge Zeit. Ur­ge­stein ist doch eher mit Spie­lern ver­bun­den. Aber dass man mir vor­wer­fen kann, dass ich kein Bo­rus­se bin, hat sich wohl er­le­digt. Das ist hier de­fi­ni­tiv mei­ne zwei­te Hei­mat ge­wor­den. Mein Sohn ist hier ge­bo­ren und muss­te kein ein­zi­ges Mal die Schu­le wech­seln, in dem Ge­schäft un­ge­wöhn­lich. Ich bin jetzt schon län­ger hier als in Mün­chen. Ich ha­be un­glaub­lich net­te Men­schen ken­nen­ge­lernt. Das ist das, was ich brau­che und was ne­ben mei­ner Fa­mi­lie Hei­mat aus­macht.

Vie­les war auf ih­rem Le­bens­weg ge­plant. Auch, dass Sie 20 Jah­re in Glad­bach blei­ben?

Als ich mit 26 Jah­ren 1999 ei­nen Ver­trag über zwei­ein­halb Jah­re ab­schloss, war das si­cher nicht ab­zu­se­hen. Ich war erst­mal froh, für ei­nen sol­chen Club spie­len zu dür­fen. Die ge­ne­rel­len Ge­dan­ken an ei­ne Tä­tig­keit im Management ei­nes Clubs hat­te ich aber schon im Kopf. Dar­um ha­be ich mit 30 Jah­ren auch ent­schie­den, den Job als Nach­wuchs­ko­or­di­na­tor an­zu­neh­men.

Sie sind Fuß­ball­pro­fi ge­wor­den, um spä­ter Ma­na­ger zu wer­den?

Wenn man rein die Leis­tung be­trach­tet, ha­be ich das Ma­xi­ma­le raus­ge­holt und mir ei­ne gu­te Aus­gangs­la­ge ver­schafft. Aber im Ernst: Es scheint al­les per­fekt ge­plant, aber man braucht auch Glück im rich­ti­gen Mo­ment, ei­ne Idee und spä­ter Qua­li­tät. Im Rück­blick ge­se­hen ist es al­so gut ge­lau­fen. Aber wenn da­mals das neue Sta­di­on, der Bo­rus­sia-Park, nicht in Aus­sicht ge­we­sen wä­re, hät­te ich vi­el­leicht ei­ne an­de­re Ent­schei­dung ge­trof­fen und wei­ter­ge­spielt.

Hat Ihr El­tern­haus Sie in die­sen Din­gen un­ter­stützt?

Mei­ne Mut­ter hat im­mer ge­sagt: „Fuß­ball ist okay, aber Abitur ist Pflicht, sonst gibt es ein Pro­blem“. Da hat­te ich al­so den sanf­ten Druck. Dann ha­be ich das Abi ge­macht und konn­te mich auf Fuß­ball kon­zen­trie­ren. Mir wur­de schnell klar, dass mir Fuß­ball­spie­len al­lein nicht reicht. Ich ha­be schon da­mals sehr in­ter­es­siert zu­ge­schaut, wie Uli Ho­en­eß den FC Bay­ern auf­ge­baut hat. Wir wur­den als jun­ge Bay­ern-Spie­ler vom Nach­wuchs­chef Her­mann Ger­land in den Som­mer­fe­ri­en da­zu ver­don­nert, sechs Wo­chen lang je­den Tag im Fan-Shop von mor­gens bis abends Pa­ke­te zu pa­cken. Das war nicht nur pu­re Freu­de. Aber al­les das hat mich fas­zi­niert. Dann ha­be ich dann den Sport­fach­wirt ge­macht, um die­se Vor­aus­set­zung für die Zu­kunft zu ha­ben.

Was reizt Sie an dem Job?

Das Or­ga­ni­sie­ren, das Struk­tu­rie­ren, Dis­kus­sio­nen über ver­schie­de­ne Ide­en. Ich bin kein Sport­di­rek­tor, der Pass­we­sen be­ar­bei­tet, ich ar­bei­te ger­ne kon­zep­tio­nell, stra­te­gisch. Das war der gro­ße Reiz hier in Mön­chen­glad­bach. Die Idee, dem Club ei­ne Phi­lo­so­phie, ba­sie­rend auf sei­ner ei­ge­nen DNA, zu ge­ben, hat­te uns in den ers­ten Jah­ren völ­lig ge­fan­gen. Über Fuß­ball zu spre­chen, zu dis­ku­tie­ren, Ide­en zu ent­wi­ckeln, das macht mir Spaß, we­ni­ger Bü­ro­kra­tie. Da ent­las­ten mich auch mei­ne tol­len Mit­ar­bei­ter.

Sie schau­en ne­ben der Bundesliga Fuß­ball vor al­lem auf der klei­nen Büh­ne und nicht bei ei­ner WM oder EM?

Ja, das stimmt. Ju­nio­ren­spie­le, Tur­nie­re, 2. Li­ga. Wir schau­en na­tür­lich auch Cham­pi­ons Le­ague und Eu­ro­pa Le­ague, weil wir uns mitt­ler­wei­le auch auf die­sem Markt be­we­gen dür­fen, aber wir ver­su­chen im­mer, ir­gend­wo ein Schnäpp­chen zu ma­chen. Ins­ge­samt bin ich nicht der Typ, der auf Fuß­ball-Ga­las geht, son­dern eher hemds­är­me­lig mit der Brat­wurst auf dem Sport­platz steht.

Und der auch un­an­ge­neh­me Din­ge of­fen an­spricht?

Ich glau­be schon, dass ich in all den Jah­ren ei­nen recht kla­ren Blick be­kom­men ha­be. Ich neh­me mir aber raus, ei­ne Mei­nung zu ver­tre­ten, die nicht je­dem lieb ist, ori­en­tie­re mich aber im­mer an Fak­ten.

Ihr Job lässt we­nig Raum für Frei­zeit und Fa­mi­lie. Wol­len Sie das noch 20 Jah­re ma­chen?

Mei­ne Fa­mi­lie hält mir ex­trem den Rü­cken frei. Als Spie­ler hat­ten wir ja noch viel Frei­zeit. Als ich als Ju­gend­ko­or­di­na­tor an­fing, frag­te mich mei­ne Frau nach drei Mo­na­ten ganz vor­sich­tig, ob wir nicht mal nach Düs­sel­dorf zum Kaf­fee trin­ken fah­ren könn­ten. Da wur­de mir be­wusst, dass ich drei Mo­na­te fast durch­ge­ar­bei­tet hat­te. Da­bei hat­te ich ihr ver­spro­chen, dass wir nach mei­ner ak­ti­ven Kar­rie­re mal drei oder vier Wo­chen in Ur­laub fah­ren. Das ha­ben wir bis heu­te nicht ge­macht. Mei­ne Fa­mi­lie ist un­fass­bar ge­dul­dig mit mir, die kennt mich. Als wir doch mal in ei­ner nicht ganz pas­sen­den Zeit weg­ge­fah­ren sind und ich Din­ge von un­ter­wegs er­le­di­gen muss­te, mein­te mei­ne Frau da­nach: „Das ma­chen wir nie wie­der“. Al­so, ich den­ke nicht, dass ich den Job - bei al­ler Freu­de - noch 20 Jah­re ma­che - aber morgen hö­re ich auf kei­nen Fall auf.

Wie ver­ar­bei­ten Sie den Stress?

Ich ver­su­che, mir ein Um­feld zu schaf­fen, dass ich das ei­ni­ger­ma­ßen stress­frei hin­be­kom­men kann. Ich will z.B. kei­ne Trans­fers am letz­ten Tag ma­chen, weil die Sor­ge, dass das nicht funk­tio­niert, viel zu groß wä­re. Für mich ist die Ru­he für ei­ne Ent­schei­dung ganz wich­tig und ein Team um mich zu wis­sen, das mich kennt, mit mei­nen Ma­cken. Die wis­sen, wann sie mich in Ru­he las­sen müs­sen. Die wis­sen aber auch, dass sie von mir al­les be­kom­men um ei­nen gu­ten Job zu ma­chen. Ich muss sa­gen dür­fen, was ich den­ke. Of­fen­heit ist für mich ein ganz wich­ti­ger Aspekt.

Gab es ei­gent­lich ei­nen Al­ter­na­tiv­plan zum Fuß­ball?

Nein, auch nicht für spä­ter. An­de­re Leu­te ha­ben da im­mer Ide­en, aber die Kuh lässt sich auch nicht ger­ne aufs Glatt­eis füh­ren.

In den letz­ten zehn Jah­ren hat sich im Club viel ver­än­dert. Wie be­wer­ten Sie das?

Ich bin sehr froh dar­über, dass wir mit kon­ti­nu­ier­li­cher Leis­tung et­was er­ar­bei­tet ha­ben. Wenn man sich mal dar­an er­in­nert, was wir vor zehn Jah­ren vor­hat­ten, dann ist doch vie­les von dem um­ge­setzt wor­den. Wir ha­ben fast nie et­was ver­spro­chen, was wir nicht um­ge­setzt ha­ben.

Die schwie­rigs­te Pha­se?

Na­tür­lich die ers­ten Mo­na­te, in de­nen man noch nicht so ernst ge­nom­men wird. Da er­wies sich die Zeit als Nach­wuchs­ko­or­di­na­tor bei Bo­rus­sia als bes­te Aus­bil­dung, weil ich in der The­ma­tik war und auch den Über­blick über den Na­chuchs hat­te. Ich muss­te schmun­zeln, dass ich an­fangs als Gre­en­horn galt und ein biss­chen un­ter­schätzt wur­de. Ex­trem an­stren­gend war die Si­tua­ti­on 2011 mit der Re­le­ga­ti­on ge­gen Bochum. Aber ich war trotz­dem dank­bar da­für, weil man aus sol­chen Si­tua­tio­nen auch ler­nen kann. Der Zu­sam­men­halt in die­ser Zeit war die Ba­sis für die Er­fol­ge, die da­nach ka­men. Das hat mich ge­prägt und emo­tio­nal ei­ne Ver­bin­dung zu die­sem Ver­ein auf­ge­baut, die nicht zer­stör­bar ist.

Was wür­den Sie als Ih­ren größ­ten Coup in den zehn Jah­ren be­zeich­nen?

Das ist schwer auf ei­ne Ent­schei­dung zu re­du­zie­ren. Na­tür­lich sa­gen die ei­nen: Lu­ci­en Fav­re. Das war de­fi­ni­tiv ei­ne sehr wich­ti­ge. Aber wie­so nicht Mar­co Reus? Die­ser Trans­fer hat uns den Ein­stieg in an­de­re fi­nan­zi­el­len Sphä­ren er­mög­licht. Oder Marc-An­dré ter Ste­gen, der un­se­re Phi­lo­so­phie noch mal nach oben ge­führt hat und heu­te beim bes­ten Club der Welt spielt. Ins­ge­samt war es si­cher die Sum­me der Ent­schei­dun­gen.

Wel­ches war der schwie­rigs­te Trans­fer?

Das war si­cher­lich schon un­ser Re­kord­trans­fer in die­sem Som­mer mit Alas­sa­ne Pléa von OGC Niz­za. Es ging um viel Geld und Ab­hän­gig­kei­ten von an­de­ren Trans­fers. Und auch der von Mar­co Reus, weil mich Trai­ner Hans Mey­er an­ge­sichts der Ver­pflich­tung ei­nes 60 Ki­lo­gramm schwe­ren Jüng­lings aus Ah­len im­mer wie­der frag­te: Bist du dir si­cher?

Der schöns­te Sieg?

Der 1:0-Hin­spiel­sieg in der Re­le­ga­ti­on ge­gen den VfL Bochum im Mai 2011.

Die größ­te Ent­täu­schung?

Die Nie­der­la­ge im Elf­me­ter­schie­ßen im Po­kal-Halb­fi­na­le ge­gen Frank­furt im April 2017.

Als die Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Wech­sel zum FC Bay­ern auf­ka­men, sag­ten Sie, dass der Weg in Glad­bach noch nicht zu En­de sei. Wann wä­re das?

Nicht an ei­nem Punkt. Ich kann nicht sa­gen, ob ein Po­kal­sieg da­zu füh­ren könn­te, dass ich auf­hö­re. Es gä­be al­ler­dings ei­nen Aspekt: Wenn Leu­te mei­nem Weg nicht mehr ver­trau­en wür­den oder fol­gen wol­len. Dann müss­te ich ei­nen Strich zie­hen. An­sons­ten gibt es nicht die­sen ei­nen Mo­ment.

Lu­ci­en Fav­re war seit sei­nem Rück­tritt nicht mehr im Bo­rus­sia-Park. Am 34. Spiel­tag wird er mit Bo­rus­sia Dort­mund nach Glad­bach zu­rück­keh­ren und vi­el­leicht als Meis­ter ge­fei­ert ...

Dann zwar mit der fal­schen Bo­rus­sia, aber das wür­de ich ihm gön­nen. Und wahr­schein­lich auch vie­le un­se­rer Fans. Lu­ci­en Fav­re hat hier ein ganz ho­hen Stel­len­wert. Das wür­de ein be­son­de­rer emo­tio­na­ler Mo­ment sein. Und das hät­te Lu­ci­en dann auch ver­dient. Aber auch wenn es um nichts mehr geht, wird er hier ei­nen schö­nen Emp­fang er­le­ben. ZUR PER­SON: Max Eberl ist seit Ja­nu­ar 1999 in ver­schie­de­nen Funk­tio­nen bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach tä­tig: bis 2005 als Spie­ler, von 2005 bis 2008 als Nach­wuchs­ko­or­di­na­tor und seit 19. Ok­to­ber 2008 als Sport­di­rek­tor.

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