Französischer Investor für das alte Saarbrücker Finanzamt springt ab
Das einzige Angebot für den Neubau in der Innenstadt stammt nach SZ-Informationen von einem St. Ingberter Bauunternehmer.
(tho/SZ) Der lange Zeit als Investor für das ehemalige Saarbrücker Finanzamt gehandelte Pariser Multi-Millionär Philippe Oddo hat sich nach SZ-Informationen nicht am Vergabeverfahren des Landes beteiligt. Eine offizielle Bestätigung der Privatbank Oddo BHF, deren Vorstandsvorsitzender der 65-Jährige ist, gibt es nicht. Ein Sprecher teilte lediglich mit, man könne in der Sache „leider nichts Neues mitteilen“. Stattdessen liegt dem Land nur ein einziges Angebot für das rund 4,9 Millionen Euro teure Gelände in zentraler Innenstadtlage vor. Laut SZ-Informationen stammt es vom St. Ingberter Bauunternehmer Philipp Gross. Dieser wollte eine mögliche Bewerbung auf SZ-Anfrage weder bestätigen noch dementieren.
Ob das vorgelegte Konzept den Anforderungen entspricht, ist noch offen. Das federführende Finanzministerium verweist auf laufende Prüfungen durch eine fünfköpfige Jury, der auch Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) angehört. Eine Entscheidung wurde den Angaben zufolge aus Gründen der Sorgfalt vertagt. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, man wolle sich „für eine fundierte Bewertung die erforderliche Zeit nehmen“.
Das Bauministerium hatte bereits kurz nach Ablauf der Frist am 31. März bestätigt, dass ein Angebot eingegangen sei. Der Bieter muss unter anderem den geforderten Kaufpreis von 4,872 Millionen Euro zahlen und laut Ausschreibung mindestens 250 hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Ziel des Verfahrens ist es, das rund 4000 Quadratmeter große
Areal mit dem seit Jahren leerstehenden früheren Finanzamt im Zentrum städtebaulich aufzuwerten. Vorgesehen ist ein repräsentativer Neubau, der sich in die denkmalgeschützte Umgebung rund um die Alte Brücke einfügt und zur wirtschaftlichen Belebung des Stadtzentrums beiträgt.
Weil das Bauvorhaben den Abriss des denkmalgeschützten Saarbrücker Finanzamtes voraussetzt, stoßen die Pläne seit Monaten bei Denkmalschützern und Teilen der Opposition auf heftige Gegenwehr. Auch das Landesdenkmalamt mochte dem Abriss des in der „Franzosenzeit“des Saarlandes entstandenen Verwaltungsbaus nicht ohne den Nachweis der Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung zustimmen. Um den Rückbau durchzusetzen, war dem Amt daraufhin die Zuständigkeit entzogen worden.
Laut Konzeptvergabe soll der Abriss des Denkmals bis Mitte 2026 vollzogen und der an dessen Stelle vorgesehene Bürokomplex spätestens 2031 realisiert sein. Eine Umnutzung des Bestandsgebäudes war in der Ausschreibung von Landesseite ausgeschlossen worden.