Auf die Nachwelt ausgerichtet
Mit 80 Werken in die Dunkelheit
Jahresausstellung der Europäischen Kunstakademie Trier
Die traditionell im Sommer präsentierte Jahresausstellung der Europäischen Kunstakademie Trier ist grundsätzlich den künstlerischen Werken der Dozentinnen und Dozenten der Akademie gewidmet. Im vergangenen Jahr gab es dabei ein Jubiläum zum 35. Jahr des Bestehens der Akademie. In diesem Sommer gibt es allerdings ein weiteres kleines Jubiläum, denn die Akademie befindet sich nun seit genau 20 Jahren an ihrem 1993 eingenommenen Standort in dem ehemaligen Schlachthofgebäude in Trier. In früherer Zeit konnten sich die Aussteller der Jahresschau mit beliebigen Werken den Besuchern vorstellen. Seit einigen Jahren hat sich der Inhalt der Jahresausstellung charakteristisch verändert, denn die Ausstellungen werden nach einem besonderen Thema ausgerichtet, worauf sich die beteiligten Künstler einzustellen haben. In diesem Sommer heißt das Ausstellungsthema „Nachtgeschichten“, und es überrascht die zu diesem Motto ausgerichtete Vielfalt der Kunstobjekte, die von 28 Dozentinnen und Dozenten der Akademie vorgestellt wird.
Obwohl die neue Jahresausstellung der Akademie einen besonderen Akzent auf die Sparte des Aquarells setzen will, bietet die Gestaltung der rund 80 zu sehenden Arbeiten eine Darstellungswelt vom Foto bis zur Glasskulptur. Inhaltlich greifen die Künstler auf Erinnerungen von der Antike bis zur europäischen Romantik zurück; natürlich wird die aktuelle zeitgenössische Kunst nicht aus den Augen gelassen. Hier stehen in besonders skurriler Faktur die aus thermoplastischen Kunststoff und Stahl bestehenden Skulpturen von Mathias Lanfer im Mittelpunkt der gesamten Ausstellung in der Ausstellungshalle der Europäischen Auch einfache Streifenmalerei in schwarz-gelber Farbigkeit gibt es als Mixed Media, wenn man sich mit dem Bildtitel „It Happens at Night“zufrieden gibt (Anja Garg).
Vielseitig Künstler nehmen auch das Ausstellungsthema direkt zur Bezeichnung ihrer Arbeiten. Jochen Krüßmann zeigt „Nachtgeschichten“vor Schwimmbadbecken mit Acryl und Bleistift auf einer Leinwand. Christine Henn bietet „Nachtgeschichten“als Fotografie mit Blicken in Wohnbereiche und eingehüllten Sesseln. Natürlich gibt es auch die „Geisterstunde“in Computergrafik, verbunden mit dem „Liebestraum“(Gottfried Heinz), und die „Atempause“in einer Nacht vor einer Häuserwand als Fotografie (Simone Busch) präsentiert die fantasievolle Vielseitigkeit, mit der in dieser Ausstellung ein optisch mögliches Thema zur Gestaltung benutzt wird.
In der Tat lassen sich nicht alle Produkte einer nachtgeschichtlichen Kunstfantasie im Einzelnen auflisten, wie sie jetzt von Dozentinnen und Dozenten aus Italien, Österreich und Deutschland in der Trierer Kunstakademie präsentiert werden. Da muss dann der Betrachter schon selber die Beschauungsinitiative ergreifen, die sich in diesem Ausstellungsfall lohnt. Die „Hell/Dunkel“-Thematik erstreckt sich schließlich von der abstrakten Malerei, etwa bei Ruth Clemens, bis zur „Großen Nachtschicht“von Bodo Korsig oder den Blicken von außen nach innen auf Häuserwänden, wie sie Franziskus Wendels auf Bildern wie „Blind Date“oder „Mantra“ermöglicht hat.
Und dann zeigt auch Markus Tepe, wie man auf einer Reise etwa nach Kreta die Dunkelheiten der Meeresbrandung oder der landschaftlichen Olivenhaine und Olivenbäume in Lithografien künstlerisch gestalten kann. Wie vielseitig können sich „Nachtgeschichten“in künstlerischen Gestaltungen darbieten? Hier erhält man eine erregende Ansicht zum Motiv einer Jahresausstellung. Bis zum 29. August in der Europäischen Kunstakademie Trier, Aachener Straße 63, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.