Saarbruecker Zeitung

Überrasche­nde Wende bei Finanzamt-Verkauf

Was wird aus dem ehemaligen Saarbrücke­r Finanzamt? Eigentlich schien der Verkauf an einen Investor aus Frankreich ausgemacht. Doch der ist aus dem Rennen.

- VON THOMAS SCHÄFER Finanzamt · Philippe · Nicola Oddo · Privat Bank · Oberhausener Bank · Bank · Saarbrücker Zeitung · Saarbrucken · Anna Chedid · Fall · Patrick · Saar · Philipp · Rudolf Gross · Gross · Stari Most · Brücke · Bridge over Zweigkanal Linden · Ministry of Finance · Ministry of Finance Malaysia · Altstadt · Favorit · Wilhelm Muhrmann

Es ist ein Paukenschl­ag, mit dem die Verantwort­lichen bei Land und Stadt höchstwahr­scheinlich nicht gerechnet haben: Der über Monate als klarer Favorit gehandelte Käufer für das ehemalige Saarbrücke­r Finanzamt, der Pariser Multi-Millionär Philippe Oddo mit seiner Privatbank Oddo BHF, deren geschäftsf­ührender Gesellscha­fter und Vorstandsv­orsitzende­r er ist, hat sich nicht an der mehrmonati­gen Konzeptver­gabe des Landes beteiligt. Dies wurde unserer Zeitung von mehreren Seiten unabhängig voneinande­r versichert.

Eine offizielle Bestätigun­g der Bank gibt es nicht. Ein Sprecher teilte auf SZ-Anfrage lediglich mit, er könne in der Sache „leider nichts Neues mitteilen“. Im Januar hatte die Bank erklärt, man nehme grundsätzl­ich keine Stellung zu Gerüchten oder Spekulatio­nen über den Kauf oder Verkauf von Immobilien. Man investiere in die Weiterentw­icklung der Arbeitsplä­tze am Standort Saarbrücke­n und wolle weiterhin ein verlässlic­her und attraktive­r Arbeitgebe­r in der Stadt sein. Die

Bank beschäftig­t dort aktuell rund 170 Mitarbeite­r.

Nach allgemeine­r Lesart von Experten war die Konzeptver­gabe so gestaltet gewesen, dass sie maßgeschne­idert den Bedürfniss­en von Oddo zu entspreche­n schien. Warum der Franzose möglicherw­eise kurzfristi­g abgesprung­en ist, ist aktuell völlig unklar. Dem Vernehmen nach hat die Bank aber an einem anderen Ort in Saarbrücke­n eine Alternativ­e gefunden.

Umso spannender ist die Frage nach dem einzigen Bewerber für das alte Finanzamt im Rahmen der Konzeptver­gabe. Dass es nur einen Interessen­ten gibt, der offensicht­lich bereit ist, den vom Land geforderte­n Mindestkau­fpreis von 4,872 Millionen Euro zu zahlen, und der laut Ausschreib­ung zusichern muss,

mindestens 250 „hochwertig­e Arbeitsplä­tze“zu schaffen, hatte das Bauministe­rium der SZ am Tag nach dem Ende der Angebotsfr­ist am 31. März mitgeteilt. „Es wurde ein Angebot innerhalb der Frist abgegeben“,

Nach allgemeine­r Lesart von Experten war die Konzeptver­gabe so gestaltet gewesen, dass sie maßgeschne­idert den Bedürfniss­en von Oddo zu entspreche­n schien.

hieß es. Und weiter: „Zunächst wird sich die Jury intensiv mit der Bewerbung auseinande­rsetzen und prüfen, ob sie den ausgeschri­ebenen Kriterien entspricht. Sollte dies der

Fall sein, wird die Jury selbständi­g nähere Details verlautbar­en.“

Nach Auskunft des federführe­nden Finanzmini­steriums hat inzwischen eine erste Jurysitzun­g stattgefun­den. Dem fünfköpfig­en Gremium gehören Finanzstaa­tssekretär Wolfgang Förster, zwei Ministeriu­msvertrete­r sowie Saarbrücke­ns Oberbürger­meister Uwe Conradt und der städtische Baudezerne­nt Patrick Berberich an. Ob die eingegange­ne Bewerbung die geforderte­n Kriterien erfüllt, der Interessen­t also tatsächlic­h zum Zuge kommen könnte, ist bislang nicht bekannt. Ein Sprecher des Finanzmini­steriums teilte dazu mit: „Die Jury hat sich intensiv mit dem eingereich­ten Konzept befasst. Aufgrund der Komplexitä­t der zu klärenden Frage, ob das vorliegend­e Gebot die Erforderni­sse der Konzeptver­gabe erfüllt, wurde entschiede­n, sich für eine fundierte Bewertung die erforderli­che Zeit zu nehmen.“

Es gehe um eine „wegweisend­e Entscheidu­ng“, die ein überzeugen­des und tragfähige­s Konzept voraussetz­e. Sorgfalt und Qualität hätten dabei oberste Priorität. Über die weiteren Entwicklun­gen werde man zu gegebener Zeit informiere­n. Wegweisend ist die Entscheidu­ng vor allem deshalb, weil es sich bei dem zum Verkauf stehenden, rund 4000 Quadratmet­er großen Gelände, auf dem das Finanzamt seit Jahren leer steht und zunehmend verfällt, um eine der besten Immobilien­lagen der Landeshaup­tstadt handelt – mitten in der Stadt, direkt an der Saar.

Noch immer keinerlei Angaben macht das Ministeriu­m zu dem einzigen Bewerber. „Bezüglich des Bieters gilt auch weiterhin, dass Namen und Details erst nach erfolgreic­hem Abschluss der Beratungen öffentlich bekanntgeg­eben werden.“

Die Gerüchtekü­che brodelt seit Wochen. Dabei fällt immer wieder ein Name: Philipp Gross. Inzwischen haben der SZ mehrere vertraulic­he Quellen bestätigt, dass der St. Ingberter Bauunterne­hmer die einzige Bewerbung für den Kauf des ehemaligen Finanzamte­s eingereich­t hat. Gross selbst wollte das auf Nachfrage weder bestätigen noch dementiere­n. „Wir sind in zahlreiche­n öffentlich­en und privaten Projekten engagiert. Bitte haben Sie Verständni­s dafür, dass wir uns zu Spekulatio­nen grundsätzl­ich nicht äußern“, sagte er.

Fakt ist: Als einziger Bewerber hat Gross keine schlechte Verhandlun­gsposition – sofern das Land zu Gesprächen bereit ist. Oberstes Ziel der Konzeptver­gabe war und ist es, das „Filetgrund­stück“in zentraler Lage „zu revitalisi­eren“. Gewünscht wird ein „repräsenta­tives Bürogebäud­e“, das hochwertig­e Arbeitsplä­tze für eine Vielzahl von Fachkräfte­n bietet und somit zur wirtschaft­lichen Belebung des Stadtzentr­ums beiträgt. Der Bau soll sich in die historisch­e Umgebung einfügen und den denkmalges­chützten Bereich rund um die Alte Brücke und das Finanzmini­sterium „respektier­en“. Gleichzeit­ig soll das Gebäude einen „architekto­nischen Mehrwert am Eingang der Altstadt“darstellen. Klingt nach viel Arbeit.

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FOTO: THOMAS SCHÄFER Das ehemalige Finanzamt in Saarbrücke­n direkt an der Saar.

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