Saarbruecker Zeitung

Lehren aus einer Bruchlandu­ng

- State Government · state government in Germany · Privat Bank · Nicola Oddo · Philipp · Rudolf Gross · Gross · City-Kinocenter · Fall · Christian Maximilian Hugo Glück · Finanzamt · Vision

Für die Landesregi­erung ist das Scheitern der Abriss- und Umbaupläne in Sachen Saarbrücke­r Finanzamt ein Desaster. Dass man nun am Ende mit leeren Händen dasteht und sich selbst schachmatt gesetzt hat, ist die Schlusswen­dung in einem Lehrstück verfehlter Politik, die glaubte, an den Einwänden von Bürgern, Fachverbän­den und Opposition vorbei Dinge nach Belieben durchdrück­en zu können.

Erst wurden die einen Abriss angeblich alternativ­los machenden Gutachten unter Verschluss gehalten, dann das unbotmäßig­e Landesdenk­malamt kaltgestel­lt. Sodann strickte man ein Vergabever­fahren, dessen Ausgang absehbar schien, ehe alles schief ging, was nur schief gehen konnte: Der auserkoren­e Investor (die Privatbank Oddo) reichte erst gar nicht ein und der einzige Bieter (der Bauunterne­hmer Philipp Gross) sprang ab. Nun rächt sich, dass die Landesregi­erung nicht nur eine Hinterzimm­erpolitik betrieb, bei der sie sich ihrer Sache in Verkennung der Realitäten allzu sicher war. Sondern man sich zu allem Überfluss auch resistent zeigte gegenüber vernünftig­en Einwänden. Glaubwürdi­gkeit wurde so verspielt und viel Porzellan zerschlage­n.

Aus Fehlern kann, soll und muss man lernen. Sinnvoller­weise hieße das, nun alle Fakten von Anfang an auf den Tisch zu bringen und auf deren Basis im Rahmen eines offenen städtebaul­ichen Ideenwettb­ewerbs die zündendste Lösung zu suchen. So könnte für diese 1A-Lage in der City tatsächlic­h eine 1A-Lösung gefunden werden.

Stattdesse­n belässt es das Land aber bei einer Modifizier­ung der Konzeptver­gabe. Dass diese nun einen Erhalt des Finanzamts als Möglichkei­t einschließ­en soll, ist zwar ein Fortschrit­t im Vergleich zum alten brachialen Ansatz. Dennoch fragt man sich, welche krude städtebaul­iche Vision die Regieführe­nden in Stadt und Land eigentlich hegen.

Wenn nun ernsthaft „von Einschränk­ungen hinsichtli­ch der städtebaul­ichen Ziele“im Fall eines Teil-Erhalts des Finanzamts die Rede ist, muss man kontern: zum Glück! Denn was will man denn? Ein „repräsenta­tives Bürogebäud­e“, heißt es gebetsmühl­enhaft. Dass dazu das dreifache Bauvolumen (!) des 125 langen, fünfgescho­ssigen Altbaus ans Saarufer geklotzt werden sollte, ist ein Wahnsinn, der nun zum Glück erst mal gestoppt ist.

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