Lehren aus einer Bruchlandung
Für die Landesregierung ist das Scheitern der Abriss- und Umbaupläne in Sachen Saarbrücker Finanzamt ein Desaster. Dass man nun am Ende mit leeren Händen dasteht und sich selbst schachmatt gesetzt hat, ist die Schlusswendung in einem Lehrstück verfehlter Politik, die glaubte, an den Einwänden von Bürgern, Fachverbänden und Opposition vorbei Dinge nach Belieben durchdrücken zu können.
Erst wurden die einen Abriss angeblich alternativlos machenden Gutachten unter Verschluss gehalten, dann das unbotmäßige Landesdenkmalamt kaltgestellt. Sodann strickte man ein Vergabeverfahren, dessen Ausgang absehbar schien, ehe alles schief ging, was nur schief gehen konnte: Der auserkorene Investor (die Privatbank Oddo) reichte erst gar nicht ein und der einzige Bieter (der Bauunternehmer Philipp Gross) sprang ab. Nun rächt sich, dass die Landesregierung nicht nur eine Hinterzimmerpolitik betrieb, bei der sie sich ihrer Sache in Verkennung der Realitäten allzu sicher war. Sondern man sich zu allem Überfluss auch resistent zeigte gegenüber vernünftigen Einwänden. Glaubwürdigkeit wurde so verspielt und viel Porzellan zerschlagen.
Aus Fehlern kann, soll und muss man lernen. Sinnvollerweise hieße das, nun alle Fakten von Anfang an auf den Tisch zu bringen und auf deren Basis im Rahmen eines offenen städtebaulichen Ideenwettbewerbs die zündendste Lösung zu suchen. So könnte für diese 1A-Lage in der City tatsächlich eine 1A-Lösung gefunden werden.
Stattdessen belässt es das Land aber bei einer Modifizierung der Konzeptvergabe. Dass diese nun einen Erhalt des Finanzamts als Möglichkeit einschließen soll, ist zwar ein Fortschritt im Vergleich zum alten brachialen Ansatz. Dennoch fragt man sich, welche krude städtebauliche Vision die Regieführenden in Stadt und Land eigentlich hegen.
Wenn nun ernsthaft „von Einschränkungen hinsichtlich der städtebaulichen Ziele“im Fall eines Teil-Erhalts des Finanzamts die Rede ist, muss man kontern: zum Glück! Denn was will man denn? Ein „repräsentatives Bürogebäude“, heißt es gebetsmühlenhaft. Dass dazu das dreifache Bauvolumen (!) des 125 langen, fünfgeschossigen Altbaus ans Saarufer geklotzt werden sollte, ist ein Wahnsinn, der nun zum Glück erst mal gestoppt ist.