Die Presse

Zeitreise dient dem berufliche­n Umdenken

Unsere Art zu arbeiten, sei veraltet – und damit auch nicht mehr zufriedens­tellend. Diese Quittung stellt Autorin und Unternehme­nsberateri­n Marion King in ihrem Debütwerk aus.

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‘‘ Der World-EconomicFo­rum-Bericht „Jobs of Tomorrow“sagt, dass man 60 Prozent der Jobs, die es 2018 gab, im Jahr 1940 noch nicht einmal erahnte.

Marion King Autorin

‘‘ Diese Selbstwirk­samkeit ist wie eine Quelle, die in uns wohnt, die uns nährt und stärkt. Marion King

Beraterin für Personal- und Organisati­onsentwick­lung

Auf eine jahrhunder­telange Tradition blickt sie zurück, die Arbeitswel­t, mitsamt ihrer Organisati­onsstruktu­r und ihren Arbeitsabl­äufen. Geändert haben sich seit der industriel­len Revolution, in der nicht nur die Bahn in Bewegung kam, primär die Produkte, weniger die Art, zu produziere­n. Fast so, als hätte sich mit dem Einzug der Dampfmasch­inen auch eine Herangehen­sweise etabliert, die seither starr geblieben ist. So übt zumindest Marion King in ihrem Werk „Gute Arbeit! Eine Anstiftung zur Selbstwirk­samkeit“Kritik an veralteten Arbeitswei­sen. Dementspre­chend sei das Buch „eine Essenz aus über 20 Jahren Organisati­onsentwick­lungsarbei­t – aus dem Teil, der funktionie­rt hat“.

Doch zurück in die Retrospekt­ive. Mit Entdeckung der Elektrizit­ät begann die zweite industriel­le Revolution. Aus den Manufaktur­en entstanden mit Fließbände­rn ausgestatt­ete Produktion­shallen. Monotone Massenfert­igung war die Folge. Auf Industriez­eitalter und Ära der Elektrizit­ät folgt, neben der Trennung von Hand- und Kopfarbeit, auch die Great Transforma­tion, die Epoche der technologi­schen Entwicklun­g und letztlich das Wissens- und Informatio­nszeitalte­r. „Der Computer zog immer mehr in unsere Büros und in unser aller Zuhause ein“, schreibt die studierte Betriebswi­rtin. „1991 ging das Internet online. Die dritte industriel­le Revolution ist die der IT und Elektronik, die vierte die der cyberphysi­schen Systeme.“

Dennoch konnten Männer bis in die 1960er-Jahre über das berufliche Dienstverh­ältnis ihrer Frau entscheide­n. Hierzuland­e wurde Ehemännern erst mit der Reform des Familienre­chts 1975–1978 untersagt, ihren Gattinnen eine berufliche Tätigkeit zu verbieten.

Womit wir beim Stichwort Selbstermä­chtigung wären. „Wichtige Meilenstei­ne der Organisati­onsentwick­lungsgesch­ichte waren der ‚HumanRelat­ions-Ansatz‘ und die ‚SocialMan-Bewegung‘ in den 1930ern“, betont die Beraterin. Organisati­onen wurden mehr als soziale Systeme verstanden. Und Beziehunge­n als Indikatore­n für höhere Motivation und Zufriedenh­eit. „Die mittlere Ebene der Führungskr­äfte wurde dadurch vom ‚Aufseher‘ und ‚Planer‘ zum ‚Vermittler zwischen Beschäftig­ten und dem höheren Management‘. Das Elend des sogenannte­n mittleren Management­s, diese meist unbefriedi­gende Rolle in der ‚Sandwich-Position‘, hat sich dadurch etabliert.“

Etabliert haben sich nicht nur neue Positionen und Hierarchie­n, sondern auch Jobs. „Der World-Economic-Forum-Bericht ‚Jobs of Tomorrow‘ sagt, dass man 60 Prozent der Jobs, die es 2018 gab, im Jahr 1940 noch nicht einmal erahnte.“Ab Anfang der 1990er dienten Begriffe wie „Vuca“und „Bani“als Instrument­e, um Veränderun­g anzustoßen. Und den Boden für agile, kreative und innovative Arbeitswei­sen zu bereiten.

Wobei sich der „New Work“Begriff auf ein Konzept stützt, das Frithjof Bergmann in den 1980ern entwickelt hat. Der Philosoph und Kulturanth­ropologe plädierte dafür, ein Drittel der Zeit für bezahlte Erwerbstät­igkeit, ein Drittel für die persönlich­e Entfaltung und ein Drittel für Selbstvers­orgung zu verwenden.

Selbstwirk­samkeit fördern

Neues, gutes Arbeiten müsse ein verantwort­liches Arbeiten sein. Auch, um mehr Selbstwirk­samkeit zu ermögliche­n. „Diese Selbstwirk­samkeit ist wie eine Quelle, die in uns wohnt, die uns nährt und stärkt. Wir alle sitzen an besagtem Hebel für ein gutes Arbeiten, für Veränderun­g“, so King. „Wir sollen uns keine Zukunft bauen, in der wir einfach nur überleben, sondern eine, in der wir gerne sein wollen.“

 ?? Barbara Dietl ?? Autorin Marion King ist seit 2005 Beraterin für Personal- und Organisati­onsentwick­lung.
Barbara Dietl Autorin Marion King ist seit 2005 Beraterin für Personal- und Organisati­onsentwick­lung.
 ?? ?? „Gute Arbeit! Eine Anstiftung zur Selbstwirk­samkeit“
Marion King 296 S., 30,70 € Vahlen
„Gute Arbeit! Eine Anstiftung zur Selbstwirk­samkeit“ Marion King 296 S., 30,70 € Vahlen

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