Ana­tol Vi­touch

Datum - - Editorial - In­ter­view: Ana­tol Vi­touch · Fo­to­gra­fie: Gi­an­ma­ria Ga­va

ist DA­TUM-Text­chef und Sohn der Mo­de­ra­to­rin der le­gen­dä­ren Kin­der­sen­dung ›Am Dam Des‹. Ein gu­ter Grund für ein In­ter­view: In die­sem er­zäh­len Eli­sa­beth Vi­touch und Heinz Zu­ber (Fern­seh­clown En­ri­co), war­um ganz Ös­ter­reich jahr­zehn­te­lang Vor­schul­kin­dern beim Bas­teln zu­schau­te. Und da­von nicht ge­nug be­kam.

Ich ge­he, aber ich kom­me wie­der!‹ ›Ich sag nicht! Ich sin­ge viel, viel lie­ber!‹ Wer bei die­sen Sät­zen nicht an En­ri­co Em­ma­nu­el Theo­bal­dis­si­mus Fil­lis­si Ma­xi­mo denkt, muss 1990 oder spä­ter ge­bo­ren sein. 18 Jah­re lang hat der ORF die Kin­der­sen­dung ›Am Dam Des‹ mit dem Clown En­ri­co und den ›Tan­ten‹, die kei­ne sein woll­ten, wo­chen­tags aus­ge­strahlt, vor 25 Jah­ren wur­de die Sen­dung ab­ge­setzt. Und wirkt doch bis heu­te nach.

Das Kon­zept war ein­fach, aber für die 70er-Jah­re re­vo­lu­tio­när: Ei­ne Fern­seh­sen­dung für Vor­schul­kin­der, in der von Sin­gen und Bas­teln über rich­ti­ge Er­näh­rung und Be­we­gungs­spie­le bis hin zum Er­ler­nen von Jah­res­zei­ten und Uhr­zeit al­les Platz fand, was Kin­dern ent­ging, die kei­nen Kin­der­gar­ten be­such­ten. DA­TUM-Text­chef Ana­tol Vi­touch konn­te an ›Am Dam Des‹ schon rein fa­mi­li­är nicht vor­bei: Sei­ne Mut­ter, Eli­sa­beth Vi­touch, war ei­ne der ers­ten Mo­de­ra­to­rin­nen der Sen­dung. Mit ihr und Heinz Zu­ber, bei Ge­ne­ra­tio­nen von Kin­dern als Fern­seh­clown En­ri­co be­liebt, traf er sich im Ca­fé am He­u­markt, um her­aus­zu­fin­den, was ›Am Dam Des‹ so be­son­ders mach­te.

Clown En­ri­co und Tan­te Eli­sa­beth über John Way­ne und ent­setz­te Kin­der.

Ist das der Ori­gi­nal­hut, den du als En­ri­co im­mer ge­tra­gen hast? heinz zU­ber: Es ist ei­ner der Hü­te, aber nicht der Äl­tes­te. Den hab ich auch noch zu Hau­se, aber der ist nach über 40 Jah­ren nicht mehr vor­zeig­bar.

›Am Dam Des‹ wur­de im ORF von 1975 bis 1993 aus­ge­strahlt, ei­ne wirk­lich lan­ge Zeit für ei­ne Kin­der-Fern­seh­sen­dung. Ab wann wart ihr bei­den da­bei? eli­sA­beTh Vi­ToUch: Ich hab 1975 be­gon­nen. El­ga Wein­ber­ger hat die ers­te Sen­dung mo­de­riert, da­nach bin ich ge­kom­men. Wir woll­ten kei­ne ›Tan­ten‹ sein, aber das hat sich nicht ver­hin­dern las­sen. Weil, wer in Ös­ter­reich ei­ne Grup­pe mit Vor­schul­kin­dern hat, ob im Fern­se­hen oder in Wirk­lich­keit, der ist eben ei­ne ›Tan­te‹. Mein Mann Pe­ter Vi­touch – dein Va­ter – war dann als wis­sen­schaft­li­cher Be­ra­ter auch bald mit im Team und hat das psy­cho­lo­gi­sche Kon­zept für die Sen­dung ge­lie­fert.

zU­ber: Ich bin 1976 als Clown En­ri­co da­zu­ge­sto­ßen. Ich war da­mals am Burg­thea­ter, und der Au­tor von ›Am Dam Des‹, Franz Jo­sef Bar­ta, hat mich an­ge­ru­fen und ge­fragt: ›Wüst an Clown spün?‹ Ich hab ge­sagt: ›Ja.‹ Da­mit war der En­ri­co ge­bo­ren.

Hat­test du vor­her schon ein­mal ei­nen Clown ver­kör­pert? zU­ber: Nicht wirk­lich. Aber mein Va­ter hat­te mir, als ich ein Kind war, ei­nen Ham­pel­mann ge­bas­telt, der auf der ei­nen Sei­te ein deut­scher Hans Wurst und auf der an­de­ren ein ita­lie­ni­scher Ar­lec­chi­no war. Das scheint mich ir­gend­wie ge­prägt zu ha­ben.

Vi­ToUch: Hast du nicht auch schon in den 60er-Jah­ren Pan­to­mi­me beim be­rühm­ten Jac­ques Le­coq in Paris stu­diert?

zU­ber: Na ja, nicht so rich­tig. Aber ich war dort, ja. Von mei­nem 18. bis 23. Le­bens­jahr hab ich in Paris ge­lebt, dann bin ich di­rekt nach Wien zur Auf­nah­me­prü­fung am Max-Rein­hardt-Se­mi­nar und wur­de ge­nom­men. Ab 1969 gab es dann im ORF die Kin­der­sen­dung ›Das klei­ne Haus‹, die Vor­gäng­er­sen­dung von ›Am Dam Des‹, da war ich ei­ner der Mo­de­ra­to­ren. Warst du, Sis­si, beim ›Klei­nen Haus‹ nicht auch da­bei?

Vi­ToUch: Nein, ich hab vor ›Am Dam Des‹ nur ein Bun­des­län­der-Ju­gend­quiz beim ORF ge­macht, das hieß ›Wer weiß mehr?‹ Ich hat­te da­mals gera­de ma­tu­riert und hab mich als Kan­di­da­tin be­wor­ben. Dort wur­de ich dann ge­fragt, ob ich nicht viel­leicht an­statt Kan­di­da­tin die Quiz-As­sis­ten­tin von Pe­ter Rapp sein möch­te.

Pe­ter Rapp hat da­mals schon Fern­seh­sen­dun­gen mo­de­riert? zU­ber: Ja, das war ei­ne Live-Sen­dung, die im­mer aus ei­nem an­de­ren Ort in Ös­ter­reich ge­sen­det wur­de. Ich war sei­ne As­sis­ten­tin und hab da­bei mei­ne ers­ten Fern­se­her­fah­run­gen ge­macht. Nur des­halb hab ich mich spä­ter ge­traut, auf den Auf­ruf in der Kro­nen Zei­tung zu ant­wor­ten.

Was für ein Auf­ruf in der ›Kro­nen Zei­tung‹?

Vi­ToUch: Da stand, dass ei­ne zwei­te Mo­de­ra­to­rin für die neue Kin­der­sen­dung ›Am Dam Des‹ ge­sucht wird. Ei­ne hat­ten sie schon, die El­ga Wein­ber­ger. Die war dun­kel­haa­rig, und als zwei­te woll­ten sie ei­ne Blon­de da­zu. Dar­auf­hin hab ich mich be­wor­ben.

Gab es da­für dann ein Cas­ting mit lau­ter blon­den Mo­de­ra­to­rin­nen?

Vi­ToUch: Nein, die ha­ben gleich ei­ne Pi­lot-Sen­dung mit mir ge­dreht, die mich nicht nur Ner­ven, son­dern

auch drei Ki­lo Ge­wicht ge­kos­tet hat und die sie dann auch wirk­lich so aus­ge­strahlt ha­ben.

zU­ber: Die Sen­dungs­ver­ant­wort­li­che für ›Am Dam Des‹ beim ORF war da­mals ei­ne ge­wis­se Frau Ran­nin­ger. Ich glaub, die war so­fort be­geis­tert von der Sis­si und hat sich ge­dacht: Die wird’s eh, da brau­chen wir kein Cas­ting. Vi­ToUch: Sie war halt gleich über­zeugt von mir … zU­ber: Die Frau Ran­nin­ger war ja mei­ne Fein­din. Ihr Spitz­na­me am Set war ›John Way­ne‹, we­gen ih­res for­schen Gan­ges.

Vi­ToUch: Ich hat­te es auch nicht leicht mit ihr: In dem Mo­ment, wo sie dich ent­deckt und ge­för­dert hat, hat sie be­gon­nen, dich um­zu­krem­peln. Sie hat sich zum Bei­spiel stän­dig in mei­ne Gar­de­ro­be ein­ge­mischt, die man üb­ri­gens sel­ber zur Sen­dung mit­brin­gen muss­te.

Der ORF hat sei­ne Mo­de­ra­to­ren da­mals nicht mit

Ge­wand für die Sen­dun­gen aus­ge­stat­tet?

Vi­ToUch: Aber kei­ne Re­de. Das war al­les mei­ne Pri­vat­klei­dung. Und die Frau Ran­nin­ger woll­te im­mer, dass ich ei­ne Tu­ni­ka mit­brin­ge. Ich woll­te aber kei­ne tail­len-ka­schie­ren­de Klei­dung tra­gen, ich war ja jung und schlank.

zU­ber: Das Ko­s­tüm für den En­ri­co stamm­te vom Lam­bert Ho­fer. Aber das ha­ben sie auch nicht ex­tra für mich an­ge­schafft. Wa­ter­loo, von der Band ›Wa­ter­loo und Ro­bin­son‹, hat das bei ir­gend­ei­ner Fern­seh­show ge­tra­gen. Das ha­ben sie mir dann wei­ter­ge­ge­ben, und so wur­de es zum En­ri­co-Out­fit.

Vi­ToUch: Aber du hast dich im­mer sel­ber ge­schminkt, die Mas­ke war von dir.

zU­ber: Ja, da hat­te ich gro­ße fran­zö­si­sche Vorbil­der: Mar­cel Mar­ceau, den be­rühm­ten trau­ri­gen Clown zum Bei­spiel, der auch ei­nen sol­chen Hut mit Blu­me ge­tra­gen hat.

War­um hat­te En­ri­co ei­gent­lich die­sen süd­län­di­schen Ak­zent? zU­ber: Ich ha­be da­mals mit dem be­rühm­ten ita­lie­ni­schen Re­gis­seur Gior­gio Streh­ler ge­ar­bei­tet, der ’at­te so ges-pro­chen. Da ’abe icke dann auch so ges-pro­chen, das war ganz ein­fach. Nur beim Sin­gen muss­te ich da­mit auf­hö­ren. Denn wenn man mit so ei­nem Ak­zent singt: ›Icke bin der Clown En­ri­co …‹, dann klingt es nach Ju­lio Igle­si­as. Mich fra­gen im­mer wie­der Leu­te, wenn Sie mei­nen Nach­na­men hö­ren: ›Sie sind aber nicht mit der

» Am Dam Des « -Tan­te ver­wandt?‹ Wenn ich dann sa­ge: ›Doch, das ist mei­ne Mut­ter‹, ver­wan­deln sich End­vier­zi­ger in Se­kun­den­schnel­le in Vor­schul­kin­der zu­rück und säu­seln mit feuch­ten Au­gen: ›Mein

Gott, die Eli­sa­beth war mei­ne Lieb­lings­tan­te …‹ zU­ber: Ja, das ist das Er­staun­li­che, dass die Sen­dung im­mer noch so nach­wirkt. Mir pas­siert das auch stän­dig, und dir, Sis­si, mit Si­cher­heit eben­falls.

Vi­ToUch: Ja. Pein­lich wird es nur dann, wenn man ein Paar trifft, bei dem der Mann ein biss­chen äl­ter ist, und er sagt dann: ›Jö, mei­ne Tan­te Eli­sa­beth‹, und sei­ne jün­ge­re Part­ne­rin hat die Sen­dung nie ge­se­hen und denkt sich: ›Was will er mit der Al­ten?‹

zU­ber: Wenn mich frü­her ein Er­wach­se­ner um ein Au­to­gramm ge­be­ten hat, dann hat es zu­meist ge­hei­ßen: ›Das ist für mei­ne Kin­der.‹ Heu­te sa­gen die Leu­te: ›Für mei­ne El­tern.‹ Wenn ich zu­rück­fra­ge: ›Al­so nicht für Sie sel­ber?‹, dann ant­wor­ten sie: ›Nein, da­für bin ich zu jung.‹ Wie rasch hat sich nach dem Start von ›Am Dam

Des‹ ab­ge­zeich­net, dass die Sen­dung so ein Er­folg wird? War das von An­fang an klar? zU­ber: Al­so ich hab am An­fang über­haupt nicht dar­an ge­glaubt. Aber ich be­haup­te ger­ne, dass mit dem En­ri­co der Er­folg kam.

Vi­ToUch: Im ers­ten Jahr der Sen­dung wur­den wir me­di­al pau­sen­los an­ge­fein­det, weil die Leu­te ge­sagt ha­ben: Es ist ein Ver­bre­chen, Kin­der in die­sem Al­ter vor den Fern­se­her zu lo­cken. Um­so mehr, als man da­von aus­ge­gan­gen ist, dass die El­tern die Kin­der vor dem Fern­se­her par­ken und dann weg­ge­hen. Wir ha­ben aber bei der Sen­dung im­mer be­tont: Es muss ein Er­wach­se­ner da­bei sein und mit­schau­en.

Al­lein schon, da­mit die Kin­der sich beim Mit­bas­teln nicht in den Fin­ger schnei­den oder das Haus ab­fa­ckeln.

Vi­ToUch: Zum Bei­spiel. Für die Kin­der in der Sen­dung war die Auf­zeich­nung na­tür­lich im­mer ein biss­chen müh­sam, weil sie mit­ten aus ih­rem Spiel ge­ris­sen wur­den. Sie ha­ben be­gon­nen, et­was zu bas­teln, dann kam die Si­gna­ti­on für den nächs­ten Ab­schnitt, der viel­leicht Tur­nen oder Sin­gen war – und sie muss­ten ih­re Ba­s­te­lei un­ter­bre­chen und die nächs­te Sze­ne dre­hen. Wir ha­ben die Sen­dung ja in ei­nem auf­ge­zeich­net, sonst hät­ten wir kei­ne vier 25-Mi­nü­ter pro Tag ge­schafft.

›Die Kin­der wa­ren völ­lig ent­setzt, dass der En­ri­co ein nor­ma­ler Mensch ist.‹

Ihr habt vier fast halb­stün­di­ge Sen­dun­gen an ei­nem Tag ab­ge­dreht?

Vi­ToUch: Ja, an­ders ging es nicht. Da­nach muss­te in un­ser Stu­dio näm­lich die ›Zeit im Bild‹ hin­ein. Und wenn wir nicht recht­zei­tig fer­tig wa­ren, ha­ben wir kei­ne Chan­ce mehr ge­habt, die vier Sen­dun­gen für die nächs­te Wo­che fer­tig­zu­be­kom­men.

Im Lied ›Psy­cho­ter­ror‹ von Drah­di­wa­berl wird ›Am

Dam Des‹ zu ei­ner Form der me­dia­len Ge­gen­kul­tur im ORF ge­zählt, die die Spieß­bür­ger da­mals wahn­sin­nig auf­ge­regt hat. Ob­wohl ei­ne päd­ago­gi­sche Kin­der­sen­dung, muss ›Am Dam Des‹ al­so auch ir­gend­wie cool ge­we­sen sein. zU­ber: Wir hat­ten je­den­falls rie­si­ge öf­fent­li­che Auf­trit­te: ei­nen am Rat­haus­platz vor tau­sen­den Men­schen, ei­nen in Salz­burg, und ein­mal sind wir mit ei­nem Schiff nach Dürn­stein ge­fah­ren. Wo im­mer wir mit dem Schiff an­ge­legt ha­ben, wa­ren die Lan­de­ste­ge mit Kin­dern und de­ren El­tern über­füllt, die uns be­geis­tert be­grüßt ha­ben.

Vi­ToUch: Da­mals gab es bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen noch kei­ne Se­cu­ri­tys. Wenn wir Au­to­gramm­stun­de hat­ten, ha­ben die Leu­te manch­mal von hin­ten so an­ge­scho­ben, dass es uns den Tisch in die Rip­pen ge­drückt hat, das war gar nicht un­ge­fähr­lich. Wie bei ei­nem Pop­kon­zert. Bist du, Heinz, auch oh­ne Ko­s­tüm auf der Stra­ße er­kannt wor­den? zU­ber: Manch­mal, ja. Bei ei­nem Auf­tritt ha­be ich mir ein­mal ein­ge­bil­det, ich kom­me in Pri­vat­mon­tur und ver­wand­le mich dann vor den Au­gen al­ler in En­ri­co, das konn­te ich näm­lich in­klu­si­ve Schmin­ke in nur drei Mi­nu­ten. Aber das woll­ten die nicht. Die Kin­der wa­ren völ­lig ent­setzt, dass der Clown En­ri­co ein nor­ma­ler Mensch ist.

Vi­ToUch: Als ich 1983 nach ins­ge­samt 800 Sen­dun­gen weg­ge­gan­gen bin, ha­be ich bö­se Brie­fe be­kom­men: ›Sie sind doch ei­ne Be­zugs­per­son für mein Kind. Sie kön­nen doch nicht ein­fach auf­hö­ren!‹ Die Leu­te ha­ben das sehr ernst ge­nom­men. Wahr­schein­lich, weil wir die Kin­der di­rekt in die Ka­me­ra per­sön­lich an­ge­spro­chen ha­ben. Was war das Be­son­de­re an ›Am Dam Des‹? War­um ist die Sen­dung heu­te, 25 Jah­re nach ih­rer letz­ten Aus­strah­lung, im­mer noch so vie­len Men­schen in Er­in­ne­rung?

Vi­ToUch: Ei­ne durch­mo­de­rier­te Sen­dung für Kin­der, wie ›Am Dam Des‹ es war, die ei­nem päd­ago­gisch-psy­cho­lo­gi­schen Kon­zept ge­folgt ist, hat es da­vor nicht ge­ge­ben, auch in­ter­na­tio­nal nicht. Das war ein­zig­ar­tig.

zU­ber: Es war ein­fach ei­ne ge­schei­te Sen­dung, das muss man schon sa­gen. Die Kin­der wa­ren nicht dres­siert … Vi­ToUch: … wa­ren nicht nur Staf­fa­ge … zU­ber: … und dann kam am En­de im­mer noch ei­ner, näm­lich der En­ri­co, der hat den Kin­dern das Ge­fühl ge­ge­ben, dass sie sich nicht ge­nie­ren müs­sen, wenn sie et­was nicht kön­nen oder nicht gleich ver­ste­hen. Denn der En­ri­co hat vie­les nicht ver­stan­den und hat­te im­mer ir­gend­ein Pro­blem, das er nicht al­lei­ne lö­sen konn­te. Ich glau­be, das hat die Kin­der ein biss­chen be­freit.

Vi­ToUch: Au­ßer­dem konn­ten sich die Kin­der zu Hau­se mit de­nen im Stu­dio iden­ti­fi­zie­ren. Auch die ha­ben sich beim Bas­teln ver­schnit­ten oder falsch ge­sun­gen oder wa­ren viel­leicht pat­schert, wenn sie ei­nen Ball fan­gen muss­ten.

Es muss­te nicht al­les per­fekt sein.

Vi­ToUch: Ich glau­be, wir sind nicht ober­ge­scheit oder be­leh­rend her­über­ge­kom­men. Es war auch sehr per­sön­lich, weil wir die Lie­der und die Tex­te und ei­gent­lich al­les für die Sen­dung sel­ber ge­macht ha­ben. Das war ir­gend­wie echt und stim­mig.

Wenn ihr euch im Ver­gleich da­zu das heu­ti­ge Kin­der­pro­gramm an­schaut: Was hat sich seit ›Am

Dam Des‹ ge­än­dert? zU­ber: Ich schau mir kein Kin­der­pro­gramm an. Wirk­lich nicht.

Vi­ToUch: Es ist al­les schnel­ler ge­wor­den. Bei uns war es viel lang­sa­mer, gera­de­zu be­schau­lich.

zU­ber: Das ist heu­te si­cher al­les sehr in­ter­es­sant ge­macht, mit schnel­len Schnit­ten. Aber un­ser Kin­der­pro­gramm hat halt dar­in be­stan­den, dass wir mit­ein­an­der und mit den Kin­dern ge­re­det und ge­spielt ha­ben.

Du hast den En­ri­co 28 Jah­re lang im Fern­se­hen ver­kör­pert, nach dem En­de von ›Am Dam Des‹ noch in der Nach­fol­ge­sen­dung ›Mi­mis Vil­la Schnat­ter­mund‹. Ver­wan­delst du dich heu­te im­mer noch manch­mal in ihn? zU­ber: Nein, En­ri­co ist von mir selbst in den Ru­he­stand ge­schickt wor­den. Ich war ja die gan­ze Zeit über am Burg­thea­ter en­ga­giert, ins­ge­samt 36 Jah­re lang. En­ri­co war lan­ge mei­ne – wenn auch sehr ge­lieb­te – ›Ne­ben­be­schäf­ti­gung‹. Auch da­nach ist mir mit den ver­schie­dens­ten Thea­ter­rol­len ab­so­lut nicht lang­wei­lig ge­wor­den.

Vi­ToUch: Und ich hab nach mei­ner Zeit bei ›Am Dam Des‹ das Fern­seh­ma­ga­zin ›Jol­ly Jo­ker‹ mo­de­riert, im Ka­ba­rett Simpl ge­spielt, dann bin ich zum Ra­dio und hab die Sen­dung ›Au­to­fah­rer un­ter­wegs‹ ge­macht, die sehr po­pu­lär war. Aber es ist schon so: Am meis­ten wer­de ich auch heu­te noch auf ›Am Dam Des‹ an­ge­spro­chen. Das ver­geht nicht.

zU­ber: Ja, Sis­si, das bleibt uns.

Der Au­tor emp­fiehlt, sich auf Youtube den al­ler­ers­ten Fern­seh­auf­tritt von Chris­toph Waltz an­zu­schau­en: Der spä­te­re Os­carGe­win­ner bril­liert in ›Am Dam Des‹ als ›Das neue Jahr 1977‹ – sin­gend und im bun­ten Stram­pel­an­zug.

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