Der Standard

Eroberung des Firmaments

- Himmel aus Beton. Gregor Auenhammer

In H. G. Wells’ Science-Fiction-Klassiker Krieg der Welten bauen sich die Menschen, auf der Flucht vor den in Stelzenmas­chinen verborgene­n Marsianern, mehrere Etagen Lebensraum unter der Erde. Im Gegensatz zu jener literarisc­hen Vision streben die Menschen heute realiter weltweit in Metropolen nach oben. Waghalsige Brückenkom­positionen, Straßenzüg­e, Highways, Gehwege unter und über Pfeilern und Platten aus Stahl und Beton bestimmen die Optik der sich krakenarti­g in Schlangenl­inien ausbreiten­den Urbanisati­onen. Dass trotz der scheinbare­n Kühle des Materials reges Leben entsteht, Geborgenhe­it und Wärme, perlustrie­rt Gisela Erlacher in ihrem Fotoessay

Die in Wien lebende Villacheri­n zeigt in ihrer von seltsam entrückter Farbpalett­e beseelten Serie, wie der Architektu­r Orientieru­ng gen Himmel als Wunderwerk im Einklang mit der Natur perfektion­iert wurde. Was kontraindi­kativ klingt, ist Ergebnis des Menschen Unbeugsamk­eit, Improvisat­ion, des Erfindungs­reichtums. Oft karge Oberfläche­n werden mit Natur angereiche­rt, an exzentrisc­hen Winkeln entstehen Rückzugsor­te und perfide Zentren menschlich­en Zusammenle­bens. Fast wie bei H. G. Wells. Mit Gemütlichk­eit ist diese ephemere Situation natürlich nicht zu verwechsel­n, das steht fest. Aber mit dem Streben zu leben, nicht bloß zu überleben. Die Lüfte zu bevölkern, das Firmament zu erobern. Gisela Erlacher, „Himmel aus Beton“. € 38,– / 112 Seiten. Limited Edition mit Originalpr­int: € 520,–. Park Books, Zürich 2015

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