Kopf des Ta­ges

Der Standard - - FORSIDE - Ge­rald Schu­bert

Der Ire Michael O’Fla­her­ty, pas­sio­nier­ter An­walt für Men­schen­rech­te, wird neu­er Di­rek­tor der EUGrund­rech­teagen­tur in Wi­en.

Das Amt ei­nes ka­tho­li­schen Pries­ters übt Michael O’Fla­her­ty schon seit über 20 Jah­ren nicht mehr aus. Auch sei­ne Zu­las­sung als An­walt spielt im Be­rufs­le­ben des Iren längst kei­ne zen­tra­le Rol­le mehr. O’Fla­her­ty kann sich das leis­ten. Im­mer­hin hat er ne­ben sei­nen Ab­schlüs­sen in Theo­lo­gie (Rom) und Jus (Du­blin) auch noch ei­nen in Phi­lo­so­phie (Rom) und ei­nen in In­ter­na­tio­na­ler Po­li­tik (Ams­ter­dam).

Für sein neu­es Amt als Di­rek­tor der in Wi­en an­säs­si­gen EU-Grund­rech­teagen­tur (FRA) qua­li­fi­ziert ihn aber vor al­lem sei­ne lang­jäh­ri­ge ein­schlä­gi­ge Ex­per­ti­se. Be­reits 2004 wur­de der schon als Ho­mo po­li­ti­cus Ge­bo­re­ne – sein Va­ter und sein Groß­va­ter wa­ren Bür­ger­meis­ter der westiri­schen Stadt Gal­way – in den Men­schen­rechts­aus­schuss der Ver­ein­ten Na­tio­nen ge­wählt. Da­vor hat­te er im Bü­ro des Ho­hen UN-Kom­mis­sars für Men­schen­rech­te die Pro­gram­me für den asia­ti­schen Raum ko­or­di­niert und sich um Pro­jek­te in Sier­ra Leo­ne und Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na ge­küm­mert. Wei­te­re Ar­beits­schwer­punk­te des 56-Jäh­ri­gen wa­ren der Ein­satz für Kin­der­rech­te im Rah­men von UNICEF, der Kampf ge­gen Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung oder die bes­se­re Ver­an­ke­rung der Me­di­en­frei­heit im in­ter­na­tio­na­len Recht.

Den Zorn kon­ser­va­ti­ver Krei­se zog sich O’Fla­her­ty vor al­lem durch sei­nen Ein­satz für die Rech­te Ho­mo­se­xu­el­ler zu: 2006 war er ei­ner der maß­geb­li­chen Au­to­ren der so­ge­nann­ten Yo­gya­kar­ta-Prin­zi­pi­en, die – in 29 Punk­ten ju­ris­tisch aus­for­mu­liert – die An­wen­dung der Men­schen­rech­te in Be­zug auf se­xu­el­le Ori­en­tie­rung und Ge­schlechts­iden­ti­tät ein­for­dern. In den Au­gen sei­ner Kri­ti­ker macht ihn das zum „Ra­di­ka­len“.

In sei­ner Ar­beit, so schrieb der pas­sio­nier­te Men­schen­rechts­an­walt jüngst für The Irish

Ti­mes, ha­be er viel Grau­en er­lebt und auch viel Des­in­ter­es­se. Er er­in­ner­te sich, dass er in Free­town, der Haupt­stadt Sier­ra Leo­nes, auf ei­ner Veran­da saß und wein­te, „wäh­rend das Ar­til­le­rie­feu­er in den Hü­geln rings­her­um im­mer schlim­mer wur­de“– und die Welt ih­re Auf­merk­sam­keit gera­de auf den Kon­flikt im weit ent­fern­ten Ko­so­vo rich­te­te.

Als Chef der EU-Grund­rech­teagen­tur, der zen­tra­len An­sprech­stel­le für al­le EU-In­sti­tu­tio­nen, wird Michael O’Fla­her­ty dem Dä­nen Mor­ten Kjaer­um nach­fol­gen. Sei­ne Er­nen­nung hat der Ver­wal­tungs­rat be­reits be­stä­tigt. O’Fla­her­ty muss nur noch sei­ne Zel­te als Pro­fes­sor in Gal­way und als Lei­ter des iri­schen Zen­trums für Men­schen­rech­te ab­bre­chen.

Fo­to: EIUC

Michael O’Fla­her­ty wird neu­er Chef der EU-Grundrech­teagen­tur.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.