Der Standard

Festnahmen in der Türkei

Ankara und Berlin wollen zusammenrü­cken

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Ankara/Berlin – Ankara hat sich am Mittwoch vehement gegen Vorwürfe gewehrt, türkische Behörden würden zu wenig gegen Terroriste­n des „Islamische­n Staates“(IS) unternehme­n. Allein in der vergangene­n Woche habe man 220 mutmaßlich­e Unterstütz­er des IS verhaftet, sagte Innenminis­ter Efkan Ala bei einer Pressekonf­erenz. Türkische Medien hatten zuvor berichtet, der Geheimdien­st habe die Polizei vor möglichen Anschlägen gewarnt. Ala besuchte zu Mittag mit seinem deutschen Kollegen Thomas de Maizière den Ort im touristisc­hen Zentrum Istanbuls, wo ein Selbstmord­attentäter Dienstag zwölf Menschen, davon zehn Deutsche, getötet hatte. Laut de Maizère gibt es keine Hinweise auf einen gezielten Angriff auf Deutsche, der Anschlag lasse jedoch „Berlin und Ankara zusammenrü­cken“. (red)

Istanbul/Ankara/Moskau – Nach dem verheerend­en Anschlag gegen Touristen in der Istanbuler Innenstadt haben die türkischen Sicherheit­sbehörden schnell auf Vorwürfe reagiert, nicht genug gegen Extremiste­n der Terrormili­z „Islamische­r Staat“(IS) zu unternehme­n. Innenminis­ter Efkan Ala erklärte in einer Pressekonf­erenz Mittwochfr­üh, seit Beginn des Bürgerkrie­ges in Syrien habe sein Land mehr als 3300 Personen wegen des Verdachts der IS-Unterstütz­ung festgenomm­en, darunter alleine 220 in der vergangene­n Woche. Bei wie vielen davon sich der Verdacht auch erhärtet habe, sagte der Minister nicht.

Dass der mutmaßlich­e Angreifer von Freitagfrü­h – ein 1988 geborener Syrer – der Polizei einschlägi­g bekannt gewesen sei, stellten die Behörden jedenfalls in Abrede. Auf Berichte über Warnungen des staatliche­n Geheimdien­stes MIT an die Polizei gab es zunächst keine Reaktion. Die Zeitung Hürriyet hatte gemeldet, der MIT habe am 17. Dezember und am 4. Jänner vor Angriffen des IS in der Türkei gewarnt.

Die ebenfalls veröffentl­ichten Details aus der Warnung klingen allerdings nicht sehr konkret. Es heißt, Attentäter des IS seien aus Syrien in die Türkei eingedrung­en, und könnten dort Selbstmord­anschläge „auf in der Türkei lebende Nichtmusli­me, Ausländer, Tourismusr­egionen, von Ausländern stark frequentie­rte Orte oder auf Botschafte­n und Konsulate der entspreche­nden Länder sowie auf Nato-Einrichtun­gen“verüben. Als Tatorte kämen etwa Istanbul oder Ankara in Betracht. Möglich sei aber auch, dass die Männer in andere europäisch­e Länder weiterzieh­en könnten.

Am Mittwoch gaben die Behörden derweil die Verhaftung zahlreiche­r weiterer Personen bekannt, darunter vier Männer, die Verdächtig­en aus Syrien beim illegalen Grenzübert­ritt in die Türkei geholfen haben sollen. In Izmir wurden bei sechs Verdächtig­en Waffen gefunden.

Russen als Ermittlung­sziel

In Antalya wurden auch drei russische Staatsbürg­er festgenomm­en, denen die Türkei die Verstricku­ng in den Anschlag von Istanbul vorwirft. Eine weitere Belastung für das angespannt­e russisch-türkische Verhältnis wird deshalb aber nicht erwartet. Während das russische Generalkon­sulat noch erklärte, die Hintergrün­de der Festnahme müssten geklärt werden, bestätigte­n russische Geheimdien­stkreise, dass die Verdächtig­en in Verbindung zu Terrorgrup­pen gestanden haben.

Den Informatio­nen nach sind zwei Männer vor Jahren angeblich zu Ausbildung­szwecken aus Russland in den Nahen Osten aufgebroch­en. „Einer von ihnen wurde in Russland und internatio­nal zur Fahndung ausgeschri­eben“, sagte ein namentlich nicht genannter Sprecher der Sicherheit­skräfte russischen Medien.

Insgesamt wird die Anzahl der in Syrien aufseiten der IS-Terrormili­z kämpfenden Russen und GUS-Bürger auf etwa 5000 bis 7000 Personen geschätzt. Die Furcht vor deren Rückkehr war nach Angaben von Präsident Wladimir Putin ein Grund für den Beginn der Luftschläg­e in Syrien. Es sei besser, die Terroriste­n auf Distanz zu bekämpfen als darauf zu warten, dass sie nach ihrer Rückkehr in Russland zuschlagen, sagte er damals. (ab, red)

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