EU will „Bie­nen­kil­ler“von Fel­dern ver­ban­nen

Ei­ne Grup­pe von In­sek­ti­zi­den soll EU-weit ver­bo­ten wer­den – Hei­mi­sche Bau­ern fürch­ten um ih­ren Er­trag

Der Standard - - WIRTSCHAFT -

Wi­en – Neo­ni­co­ti­no­ide: Der Na­me könn­te sper­ri­ger kaum sein – und nein, mit dem Rau­chen hat er vor­ran­gig nichts zu tun. Neo­ni­co­ti­no­ide sind Pes­ti­zi­de, die in der Land­wirt­schaft ein­ge­setzt wer­den, um In­sek­ten zu tö­ten oder zu ver­trei­ben. Im­ker und Na­tur­schüt­zer be­zeich­nen das Mit­tel als „Bie­nen­kil­ler“und for­dern seit Jah­ren ein Ver­bot. Und auch ei­ne Ri­si­ko­ana­ly­se der Eu­ro­päi­schen Be­hör­de für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (EF­SA) schätzt das Mit­tel als bie­nen­ge­fähr­dend ein.

Das hat die EU-Kom­mis­si­on da­zu ver­an­lasst, die Mit­glieds­län­der in knapp zwei Wo­chen über ein Ver­bot des Mit­tels ab­stim­men zu las­sen. Die deut­sche Bun­des­re­gie­rung hat be­reits an­ge­kün­digt, dem Ver­bot zu­zu­stim­men, und auch die ös­ter­rei­chi­sche Um­welt­mi­nis­te­rin Eli­sa­beth Kös­tin­ger sprach sich am Sonn­tag für ein Ver­bot aus. „Wir tref­fen die­se Ent­schei­dung auf Ba­sis wis­sen­schaft­li­cher Er­kennt­nis­se und der Über­zeu­gung, dass wir al­les da­für tun müs­sen, um Bie­nen zu schüt­zen und ih­re Le­bens­räu­me zu er­hal­ten“, sag­te die Mi­nis­te­rin in ei­nem State­ment.

Be­reits im De­zem­ber 2013 wur­de der Ein­satz der „Neo­nics“Imi­d­a­clo­prid, Clo­thia­ni­din, Thia­me­th­ox­am EU-weit be­schränkt, ihr Ein­satz in Ös­ter­reich be­reits mit Ok­to­ber zum Teil un­ter­sagt. EUweit ist es nicht er­laubt, die drei In­sek­ten­gif­te et­wa auf Raps­saat und beim An­bau von Kir­schen, Äp­feln oder Gur­ken an­zu­wen­den. Die Be­schrän­kung hat aber Lü- cken und für vie­le Pflan­zen gibt es Son­der­ge­neh­mi­gun­gen. Bei ei­nem Ver­bot wä­re nur noch der Ein­satz in Ge­wächs­häu­sern zu­läs­sig.

Zu­cker­preis im Kel­ler

Die Dis­kus­si­on über ei­nen Bann des Mit­tels hat in­des be­reits zu ei­nem Auf­schrei un­ter den hei­mi­schen Rüben­bau­ern ge­führt. Sie kla­gen, dass es der­zeit kei­ne Al­ter­na­ti­ven zu den Pes­ti­zi­den ge­be. Zu­dem sei­en die Prei­se für Zu­cker­rü­ben sehr nied­rig, nach­dem die Zu­cker­quo­te in der EU vor ei­nem hal­ben Jahr auf­ge­ho­ben wor­den war: Seit es kei­ne Ober­gren­zen mehr gibt, sind die Pro­duk­ti­ons­men­gen eu­ro­pa­weit an­ge­stie­gen, was zu ei­nem Preis­ver­fall der Rü­ben führ­te. Ei­ne Ton­ne Zu­cker kos­tet der­zeit 360 Eu­ro und da­mit et­wa um die Hälf­te we­ni­ger als noch vor sechs Jah­ren.

Wenn man Zu­cker oh­ne Neo­ni­co­ti­no­ide wol­le, dann müs­se man den Im­port von Rohr­zu­cker und Zu­cker­rü­ben aus Dritt­staa­ten in die EU stop­pen be­zie­hungs­wei­se ein­däm­men, for­der­te Kös­tin­ger. Von den Kon­su­men­ten und dem Han­del sei ge­for­dert, hei­mi­schen Zu­cker oder Bio-Zu­cker aus Ös­ter­reich zu kau­fen. In der In­dus­trie müs­se eben­falls ein Um­den­ken statt­fin­den. Kös­tin­ger la­de die Han­dels­ket­ten, In­dus­trie, NGOs, Rüben­bau­ern und auch Ex­per­ten der Land­wirt­schafts­kam­mer Ös­ter­reich (LKÖ) zu ei­nem Kri­sen­gip­fel ein, um ei­nen Maß­nah­men­ka­ta­log für hei­mi­schen Zu­cker zu er­ar­bei­ten. (jp, APA)

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