Jus­tiz­mi­nis­ter wol­len Ver­trau­en wie­der­her­stel­len

Um­fang­rei­che Agen­da für Rats­prä­si­dent­schaft beim Tref­fen in Innsbruck prä­sen­tiert

Der Standard - - INTERNATIONAL -

Innsbruck – Am Frei­tag stand in Innsbruck das in­for­mel­le Tref­fen der EU-Jus­tiz­mi­nis­ter auf dem Pro­gramm. Ös­ter­reich wol­le sei­ne Rats­prä­si­dent­schaft vor al­lem da­zu nut­zen, das Ver­trau­en in die Rechts­staat­lich­keit und da­mit in die Eu­ro­päi­sche Uni­on wie­der­her­zu­stel­len, er­klär­ten die tsche­chi­sche EU-Kom­mis­sa­rin Vě­ra Jou­ro­vá und Jus­tiz­mi­nis­ter Jo­sef Mo­ser (ÖVP), der zu­gleich als Gast­ge­ber fun­gier­te. Denn ge­nau das sei zu­letzt bei vie­len Bür­gern, aber auch un­ter den Mit­glieds­staa­ten selbst, ver­lo­ren­ge­gan­gen.

Ge­wal­ten­tei­lung be­ach­ten

Jou­ro­vá ver­wies in dem Zu­sam­men­hang auf das von der EU ge­gen Po­len ein­ge­lei­te­te Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren. An­ge­sichts der Ent­wick­lun­gen in Po­len, wo die rechts­kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung das Jus­tiz­sys­tem auf be­denk­li­che Wei­se um­baut, sag­te die Kom­mis­sa­rin: „Der po­li­ti­sche Druck wird im­mer grö­ßer. Wir müs­sen da­her der Be­völ­ke­rung er­klä­ren, wie wich­tig die Ge­wal­ten­tei­lung ist.“

Selbst mit gro­ßen Mehr­hei­ten aus­ge­stat­te­te Re­gie­run­gen dür­fen kei­ne Re­for­men un­ter­neh­men, die die Un­ab­hän­gig­keit der Jus­tiz un­ter­wan­dern, sag­te Jou­ro­vá. Das­sel­be Prin­zip gel­te beim The­ma Asyl, merk­te die Kom­mis­sa­rin hin­sicht­lich der gest­ri­gen Dis­kus­sio­nen beim Tref­fen der In­nen­mi­nis­ter an. Denn Eu­ro­pa sei nach wie vor den gel­ten­den Grund­sät­zen der Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on ver­pflich­tet.

„Die Jus­tiz ist ei­ne wich­ti­ge Säu­le zum Schutz Eu­ro­pas. Da­her ha­ben die 28 Mi­nis­ter im Rah­men in­ten­si­ver Be­ra­tun­gen vier Schwer­punk­te her­aus­ge­ar­bei­tet, auf die wir uns nun kon­zen­trie­ren“, fass­te Mo­ser das Er­geb­nis des Inns­bru­cker Tref­fens zu­sam­men. Man wol­le den Zu­sam­men­halt in Eu­ro­pa stär­ken, in­dem die Rechts­staat­lich­keit wei­ter aus­ge­baut wird. Da­zu soll die Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung in­ten­si­viert wer­den. Zu die­sem The­ma sei ein ei­ge­nes Tref­fen ge­plant, und es wer­de bei der West­bal­kan­kon­fe­renz im Ok­to­ber ganz oben auf der Agen­da ste­hen, sag­te Mo­ser.

Um Eu­ro­pa in Zei­ten der Di­gi­ta­li­sie­rung wett­be­werbs­fä­hi­ger zu ma­chen, sei­en au­ßer­dem drin­gend Re­for­men des Ge­sell­schafts­rechts nö­tig. „In Schwie­rig­kei­ten ge­ra­te­nen red­li­chen Un­ter­neh­mern“soll et­wa ei­ne neue Chan­ce er­mög­licht wer­den. Mo­ser ver­wies auf rund 200.000 In­sol­ven­zen pro Jahr in der EU.

Beim The­ma Si­cher­heit will Ös­ter­reich den grenz­über­schrei­ten­den Zu­gang zu Be­weis­mit­teln ver­bes­sern. In­ter­net­an­bie­ter sol­len über Staats­gren­zen hin­weg Te­le­fon­pro­to­kol­le und an­de­re elek­tro­ni­sche Be­weis­mit­tel be­reit­stel­len. Da­von er­war­tet sich Jou­ro­vá ei­ne „schnel­le­re und ef­fi­zi­en­te­re Straf­ver­fol­gung“.

Schließ­lich ist auch ei­ne Re­form der Brüs­se­ler IIa-Ver­ord­nung zu Kin­des­ent­füh­run­gen ge­plant, um die­se Fäl­le zu be­schleu­ni­gen. In Zu­kunft sol­len die Ver­fah­ren höchs­tens 18 Wo­chen dau­ern, und bis zur Voll­stre­ckung des Er­geb­nis­ses in ei­nem an­de­ren Staat dür­fen nur noch ma­xi­mal sechs Wo­chen ver­ge­hen. (ars)

Fo­to: APA / Bar­ba­ra Gindl

Jus­tiz­mi­nis­ter Mo­ser (li.) und Ge­ne­ral­se­kre­tär Pil­nacek.

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