Gol­de­ner Schuh und Gol­de­ne Ana­nas

Das Spiel um Platz drei ist tra­di­tio­nell ein bes­se­res Schau­lau­fen, das Tor­jä­ger­du­ell zwi­schen Har­ry Ka­ne und Rome­lu Lu­ka­ku ver­leiht dem Spiel um Bron­ze zwi­schen En­g­land und Bel­gi­en am Sams­tag (16 Uhr) in Sankt Pe­ters­burg Wür­ze.

Der Standard - - SPORT -

Es ist ein bö­ser Scherz des Tur­nier­baums, dass sich Bel­gi­en und En­g­land am Sams­tag schon zum zwei­ten Mal bei die­ser WM in ei­nem eher be­deu­tungs­min­de­ren Spiel tref­fen. Ging es En­de Ju­ni noch um den ers­ten Grup­pen­platz und den – schon das war ei­ne Hin­ter­list des Tur­nier­ver­laufs – schwie­ri­ge­ren Weg ins Fi­na­le, spie­len sich die Eu­ro­pä­er nun ei­ne Team­la­dung Bron­ze­me­dail­len aus.

„Um ehr­lich zu sein, es ist nicht das Spiel, das ir­gend­ei­ne Mann­schaft spie­len möch­te“, hat­te En­g­lands Coach Ga­reth Sou­th­ga­te schon nach dem Halb­fi­na­le ge­stan­den. An­ders als vor zwei Wo­chen kann man we­nigs­tens da­von aus­ge­hen, dass bei­de Teams ge­win­nen wol­len. Bel­gi­en hat die Mo­ti­va­ti­on, noch nie bes­ser als Vier­ter bei ei­ner WM ge­we­sen zu sein. „Wir wer­den al­les ge­ben, um Drit­ter zu wer­den“, ver­sprach al­so Ke­vin De Bruy­ne. Thomas Meunier sag­te: „Wir wol­len aufs Po­di­um und un­se­re Ge­schich­te schrei­ben.“

En­g­lands Ki­cker müs­sen für Ge­schich­ten vom WM-Ti­tel 1966 zwar bei ih­ren Groß­el­tern nach­fra­gen, aber den­noch: Platz drei oder Platz vier, der Un­ter­schied in der Wahr­neh­mung der sonst so wan­kel­mü­ti­gen Fans der Th­ree Li­ons dürf­te sich in Gren­zen hal­ten. Trai­ner Sou­th­ga­te wur­de von der Sun schon zum „Mes­si­as“ge­adelt, das Team ist für ein paar Mo­na­te be­liebt.

Auf­ge­wer­tet wird das Fi­na­le der Ver­lie­rer durch den Wett­lauf um den Gol­de­nen Schuh für den bes­ten Tor­schüt­zen. Har­ry Ka­ne pro­biert ihn qua­si schon an, En­g­lands stür­men­der Ka­pi­tän hat bis­her sechs Mal ge­trof­fen. Vor­be­halt­lich Fi­nal­hat­tricks von An­toi­ne Griez­mann oder Ky­li­an Mbap­pé (bis­her je drei To­re) ist der ein­zig ver­blie­be­ne Kon­kur­rent Bel­gi­ens Rome­lu Lu­ka­ku, dem auf Ka­ne nur zwei Go­als feh­len.

Man kann da­mit rech­nen, dass die je­wei­li­gen Of­fen­siv­stars bis zum fuß­bal­le­ri­schen Er­bre­chen mit Vor­la­gen und Her­ein­ga­ben ge­füt­tert wer­den – al­lein von wem, ist ein Fra­ge­zei­chen. Im Spiel um Platz drei kom­men tra­di­tio­nell die bis­her be­schäf­ti­gungs­lo­sen Spie­ler zum Ein­satz. Sou­th­ga­te wird auf an­ge­schla­ge­ne Kräf­te wie Ash­ley Young und Kier­an Trip­pier ver­zich­ten: „Wir wer­den ei­ne Mann­schaft auf­stel­len, die am bes­ten für den Job ge­eig­net ist.“Sein Team wür­de sich selbst und den Fans ei­nen ge­lun­ge­nen Ab­schluss schul­den: „Es geht um ei­ne Me­dail­le, die­se Ge­le­gen­heit be­kommt nicht je­der.“

In der Ver­gan­gen­heit gab es im Spiel um die Gol­de­ne Ana­nas oft se­hens­wer­ten Fuß­ball und vie­le To­re, seit 1978 fie­len stets min­des­tens drei Tref­fer. 1986 ver­lor Bel­gi­en ge­gen Frank­reich 2:4 nach Ver­län­ge­rung, En­g­land kennt Spie­le um Platz drei nur aus dem Fern­se­hen. Bei Eu­ro­pa­meis­ter­schaf­ten wur­de das klei­ne Fi­na­le 1984 ab­ge­schafft, ein 9:8-Elf­me­ter­sieg der Tsche­cho­slo­wa­kei über Ita­li­en war der his­to­ri­sche Schluss­punkt. (schau, APA)

„Her mit der Frucht“– ein letz­tes Mal schwört Rome­lu Lu­ka­ku sei­ne Kol­le­gen ein. Der Bel­gi­er könn­te noch Tor­schüt­zen­kö­nig wer­den.

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