Lau­da­mo­ti­on droht Ver­lust hal­ber Flot­te

Luft­han­sa kün­digt al­le Lea­sing­ver­trä­ge mit Lau­da­mo­ti­on. Rya­nair, die am Don­ners­tag grü­nes Licht für die Über­nah­me der Ös­ter­rei­cher be­kom­men hat, or­tet ge­ziel­te Desta­bi­li­sie­rung.

Der Standard - - UNTERNEHMEN - Aloy­si­us Wid­mann

Lau­da­mo­ti­on ist wohl bald um neun Ma­schi­nen – fast die Hälf­te ih­rer Flot­te – är­mer. Die Luft­han­sa will näm­lich ih­re Flug­zeu­ge zu­rück. Man ha­be sämt­li­che Lea­sing­ver­trä­ge mit der ös­ter­rei­chi­schen Air­line ge­kün­digt, teil­te die deut­sche AUA-Mut­ter am Frei­tag mit. Rya­nair, der zweit­größ­ten Play­er am eu­ro­päi­schen Him­mel, kri­ti­sier­te das Vor­ge­hen des deut­schen Bran­chen­pri­mus scharf. Erst am Don­ners­tag hat­te die iri­sche Bil­lig­flug­li­nie von der EU-Kom­mis­si­on grü­nes Licht für die Über­nah­me von Lau­da­mo­ti­on er­hal­ten.

Bei Rya­nair in­ter­pre­tier­te man das Vor­ge­hen der Deut­schen als ge­ziel­te Desta­bi­li­sie­rung von Lau­da­mo­ti­on – man wol­le der Air­line scha­den. Die Iren wand­ten sich des­halb an die EU-Kom­mis­si­on. Die Wett­be­werbs­be­hör­de mö­ge wei­te­re Ver­su­che der Luft­han­sa un­ter­bin­den, den Wett­be­werb zu be­ein­träch­ti­gen.

Luft­han­sa wies sämt­li­che Vor­wür­fe ent­schie­den zu­rück, Rya­nair ver­brei­te Fal­sch­mel­dun­gen. Dass Lau­da­mo­ti­on in Kür­ze wohl mit neun Flug­zeu­gen we­ni­ger da­steht, ha­be nichts mit un­lau­te­rem Wett­be­werb zu tun. „Lau­da­mo­ti­on ist den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen zu­letzt zum wie­der­hol­ten Ma­le nicht wie ver­ein­bart nach­ge­kom­men“, teil­te der Köl­ner Luft­fahrt­kon­zern mit. Die Ver­trä­ge wur­den be­reits vor rund zwei Wo­chen ge­kün­digt. Man ha­be von dem Kün­di­gungs­recht ge­brauch ge­macht, weil im ei­ge­nen Kon­zern bei der Bil­lig­toch­ter Eu­ro­wings ak­tu­ell Be­darf an Flug­zeu­gen be­ste­he.

Ein Ver­fah­ren ist an­hän­gig

Bei Luft­han­sa wähnt man sich im Recht: Über die Kün­di­gung der Lea­sing­ver­trä­ge ist an ei­nem Ge­richt in London al­ler­dings ein Ver­fah­ren an­hän­gig. So­lan­ge das nicht ge­klärt sei, blie­ben die Flug- zeu­ge bei Lau­da­mo­ti­on, er­klär­te ein Luft­han­sa-Spre­cher. Ein Ver­hand­lungs­ter­min sei für den 20. Ju­li an­ge­setzt, wann ei­ne Ent­schei­dung fal­le, sei of­fen.

Ge­schei­ter­te Über­nah­me

Dass Lau­da­mo­ti­on als Rya­nairToch­ter mit Luf­han­sa-Ma­schi­nen ab­hebt, hat ei­ne lan­ge Vor­ge­schich­te. Als Air Berlin 2017 plei­te­ging, hat die Luft­han­sa zehn Flug­zeu­ge der Air-Berlin-Toch­ter Ni­ki ge­kauft – im Glau­ben, die­se auch zu über­neh­men. Die Wett­be­werbs­hü­ter der EU scho­ben dem ei­nen Rie­gel vor, und letzt­lich konn­te sich Ni­ki Lau­da die Mehr­heit an der ma­ro­den Flug­li­nie si­chern (Rya­nair wird sei­ne Be­tei­li­gung auf 75 Pro­zent auf­sto­cken, Lau­da ein Vier­tel der An­tei­le be­hal­ten). Ei­ne Auf­la­ge der EU hat Luft­han­sa da­zu ver­pflich­tet, im Kauf­ver­trag fest­zu­schrei­ben, dass die Ni­ki-Flug­zeu­ge dem Mehr­heits­eig­ner der Air­line zu Markt- prei­sen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den müs­sen. Das An­ge­bot, die Ma­schi­nen zu kau­fen, hat al­ler­dings Lau­da ab­ge­lehnt. Man zog ein Lea­sing­mo­dell vor. Von Ni­ki Lau­da gab es am Frei­tag­nach­mit­tag kein State­ment da­zu.

Der Streit um die Ma­schi­nen ist auch des­halb bri­sant, weil der Flug­ver­kehr stär­ker wächst als die Flot­ten der Be­wer­ber. Steh­zei­ten und In­stand­hal­tung ver­ur­sa­chen Kos­ten. Des­halb ver­su­chen Air­lines ih­re Ma­schi­nen best­mög­lich aus­zu­las­ten. Al­ler­dings dürf­te Rya­nair als zweit­größ­te eu­ro­päi­sche Flug­li­nie den Ver­lust von neun Ma­schi­nen ver­kraf­ten kön­nen.

Für Flug­gäs­te be­deu­ten ge­rin­ge Res­sour­cen mehr Flug­aus­fäl­le. Zu Per­so­nal­knapp­heit kommt es bei der AUA am 25. Ju­li, für den die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung an­ge­setzt hat. Be­ginn ist um 10.30 Uhr, sie dürf­te meh­re­re St­un­den lang dau­ern und zu Flug­aus­fäl­len füh­ren.

Noch steht Lau­da­mo­ti­on auf die­sem Air­bus A320. Noch …

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.