Ins­ze­nie­run­gen für die Ewig­keit

Der Ge­trie­be­ne: Ce­cil Bea­ton fo­to­gra­fier­te Mar­le­ne Dietrich, Tru­man Ca­po­te und die eng­li­sche Kö­nigs­fa­mi­lie. Ei­ne stim­mi­ge Film­do­ku­men­ta­ti­on nä­hert sich nun dem viel­schich­ti­gen Fo­to­gra­fen an.

Der Standard - - SZENARIO - Micha­el Pe­k­ler

Wenn ei­ner der be­rühm­tes­ten Fo­to­gra­fen des 20. Jahr­hun­derts be­haup­tet, er ha­be sich das Fo­to­gra­fie­ren als Be­ruf nicht aus­ge­sucht, klingt das ein we­nig nach Un­der­state­ment. „I star­ted out with very little ta­lent.“

An­de­rer­seits war Ce­cil Bea­ton nicht da­für be­kannt, Le­ben und Ar­beit ei­nem Plan zu un­ter­wer­fen. Bea­ton war, bei al­ler aus­ge­such­ter Kunst­fer­tig­keit sei­ner Bil­der, ein Meis­ter der In­tui­ti­on, der es ver­stand, in die Welt ein­zu­tau­chen – und zwar in ei­ne, die er sich fan­ta­sier­te und dann zu­recht­leg­te.

An­ge­sichts sei­ner be­rühm­ten Ge­sell­schafts­por­träts aus Film, Mo­de und Li­te­ra­tur will man kaum glau­ben, dass es Bea­ton, 1904 in ei­ne Lon­do­ner Kauf­manns­fa­mi­lie ge­bo­ren, zu­nächst ein­fach nur dar­um ging, der Flüch­tig­keit des Le­bens mit der Ka­me­ra et­was ent­ge­gen­zu­set­zen.

Ta­lent und Nar­ziss­mus

Doch viel­leicht hat das ei­ne mehr mit dem an­de­ren zu tun, als man glaubt. Sei­ne Bil­der von Mar­le­ne Dietrich, Ma­ria Cal­las, Ma­ri­lyn Mon­roe, den Rol­ling Sto­nes, Tru­man Ca­po­te oder der eng­li­schen Kö­nigs­fa­mi­lie in­sze­nie­ren Iko­nen des All­tags für die Ewig­keit.

Zu Be­ginn von Lo­ve, Ce­cil sieht man in ei­ner Ar­chiv­auf­nah­me den schon in die Jah­re ge­kom­me­nen, aber selbst­ver­ständ­lich noch im­mer gut aus­se­hen­den Bea­ton beim In­ter­view. Mit Hut und über­schla­ge­nen Bei­nen, mit leicht ho­her Stim­me so nä­selnd, wie man es sich von ei­nem bri­ti­schen Dan­dy er­war­tet. Nicht nur sein Ta­lent, das er nicht ge­habt ha­ben will, mach­te Bea­ton zum Star, son­dern auch sein Nar­ziss­mus.

Lo­ve, Ce­cil wirkt als Film über­ra­schend stim­mig so ge­trie­ben wie Bea­ton selbst. Denn der Fo­to­graf, Mo­de­de­si­gner, Film­aus­stat­ter und Au­tor von meh­re­ren Dut­zend Bü­chern war im Nach­hin­ein über Jahr­zehn­te im­mer dort, wo sich das Jahr­hun­dert ent­zün­de­te: in den Ro­aring Twen­ties, im Swin­ging London, in den Hol­ly­wood­stu­di­os der 50er-Jah­re.

Schat­ten der Lie­be

Re­gis­seu­rin Li­sa Im­mor­di­no Vre­e­land ver­sieht ih­re knapp 100mi­nü­ti­ge Do­ku­men­ta­ti­on denn auch mit al­lem, was das Ki­no in so ei­nem Fall auf­zu­bie­ten hat: Of­fKom­men­tar, In­ter­views, Ar­chiv­ma­te­ri­al, Film­aus­schnit­te. Da­vid Hock­ney er­zählt, wie ihm Bea­ton als Ers­ter ein Bild ab­kauf­te, sein Film­bio­graf Da­vid Bai­ley hat die kon­fron­ta­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit nach Jah­ren über­wun­den, und man sieht die auf­ge­hüb­sch­te Au­drey Hep­burn auf der Pfer­de­renn­bahn im Film My Fair La­dy, für den Bea­ton Ko­s­tü­me und Aus­stat­tung ent­warf und prompt zwei Os­cars be­kam. Ka­the­ri­ne Hep­burn stand Bea­ton nicht so zu Ge­sicht: „She is a dried-up boot.“

Nie über­wun­den hat­te Bea­ton sei­ne un­er­wi­der­te Lie­be zum Kunst­samm­ler und Mä­zen Pe­ter Wat­son, die sich wie ein Schat­ten auch über den Film legt. Sei­ne Lei­den­schaft – et­wa auch je­ne für Gre­ta Gar­bo, die schöns­te Frau, die er je fo­to­gra­fiert ha­ben woll­te – ge­hör­te in­des in ei­ne Welt, die Bea­ton nicht for­men konn­te, son­dern de­ren Trau­ma­ta er wie je­der­mann ak­zep­tie­ren muss­te. Jetzt im Ki­no

Su­che nach der Schön­heit. Ce­cil Bea­ton im Selbst­por­trät (1925).

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.