„To­s­ca“auf der Burg Gars: Die Auf­klä­rung auf Mes­sers Schnei­de

Der Standard - - SZENARIO -

Gars am Kamp – Es fließt Blut auf der Ba­ben­ber­ger­burg. Viel Blut. Eben wur­de der fins­te­re Po­li­zei­chef Scar­pia (Mi­che­le Kal­man­dy) von To­s­ca (La­da Kys­sy) er­dolcht. „Muo­ri!“– „Stirb!“, sagt die Di­va zum Bö­se­wicht, der sich für den To­des­kampf thea­tra­lisch auf dem Ess­tisch win­det. Es scheint, als be­rei­te Scar­pia noch die­ser letz­te Akt der Ge­walt Lust – ge­hört er doch zu je­nen Män­nern, de­ren the­ra­pie­be­dürf­ti­ge Li­bi­do sich erst an Zu­rück­wei­sung ent­zün­det.

Durch den Mord ist To­s­ca je­ner „ein­ver­nehm­li­chen Ver­ge­wal­ti­gung“ent­gan­gen, die ihr Scar­pia als Preis für die Begna­di­gung ih­res Ge­lieb­ten Ca­va­ra­dos­si (Os­car Ma­rin) ab­zu­pres­sen ver­sucht. Der hat­te sich als Flucht­hel­fer für den po­li­tisch Ver­folg­ten An­ge­lot­ti (Va­si­le Chi­siu) be­tä­tigt. Die bei­den „Vol­tairia­ner“bü­ßen ihr Ein­tre­ten für die Frei­heits­idea­le der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on mit dem Tod.

In all der Ver­derb­nis hat zu­vor ein wehr­haf­ter Er­z­en­gel Micha­el „Lich­ter der Auf­klä­rung“ent­zün­det. Das mag geis­tes­ge­schicht­lich hin­ken, es ist aber ganz im Sin­ne Jo­han­nes Wild­ners, der im fünf­ten Jahr sei­ner In­ten­danz in Gars wei­ter die Auf­klä­rung in den Mit­tel­punkt stel­len will. Gi­a­co­mo Puc­ci­nis To­s­ca, 1900 ur­auf­ge­führt, zei­tigt ge­ra­de heu­te er­staun­li­che Ak­tua­li­tät: Flucht, Macht­miss­brauch, Fa­ke-News, und vor al­lem #MeToo steckt da drin.

Das Re­gie­ge­spann Wolf­gang Grat­schmai­er und Ste­pha­nie Schim­mer hat die Gar­ser To­s­ca den­noch ganz klas­sisch in­sze­niert, und in den De­tails im­mer wie­der selbst­iro­ni­sche Ko­mik ein­ge­fügt. Mu­si­ka­lisch er­leb­te man ei­ne rou­ti­nier­te Kol­lek­tiv­leis­tung. Das Gar­ser Pu­bli­kum dank­te mit freund­li­chem Ap­plaus. (stew)

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