In Groß­bri­tan­ni­en wächst die Zu­stim­mung für den Br­ex­it-Exit

Auch Lon­dons Bür­ger­meis­ter Sa­diq Khan be­für­wor­tet neu­er­dings ein zwei­tes EU-Re­fe­ren­dum – Der Weg dort­hin wä­re aber schwie­rig

Der Standard - - INTERNATIONAL - Fa­bi­an Som­ma­vil­la

Lon­don – Ein er­neu­tes EU-Re­fe­ren­dum sei nie un­aus­weich­lich ge­we­sen. Auch hät­te er nie ge­glaubt, da­für ein­ste­hen zu müs­sen. Das „er­bärm­li­che Ver­sa­gen der Re­gie­rung“und die Ge­fah­ren ei­nes schlech­ten De­als oder gar ei­nes No-De­al-Sze­na­ri­os er­for­dern es al­ler­dings, den Bri­ten ein er­neu­tes Mit­spra­che­recht zu­zu­ge­ste­hen, schrieb Sa­diq Khan im bri­ti­schen Guar­di­an am Sams­tag. Der be­lieb­te Lon­do­ner La­bour-Bür­ger­meis­ter po­si­tio­niert sich da­mit of­fen im wach­sen­den La­ger von Po­li­ti­kern, die die Bri­ten er­neut an die Ur­ne bit­ten wol­len, um über ei­nen mög­li­chen Ver­bleib oder zu­min­dest die Mo­da­li­tä­ten ei­nes Br­ex­its zu ent­schei­den. Im­mer häu­fi­ger rückt da­bei das Ar­gu­ment in den Mit­tel­punkt, wo­nach den Men­schen da­mals ein völ­lig an­de­rer Br­ex­it ver­spro­chen wur­de, als es die ak­tu­el­len Ver­hand­lun­gen na­he­le­gen.

Be­völ­ke­rung für Re­fe­ren­dum

Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May von den kon­ser­va­ti­ven To­ries hat­te ein er­neu­tes Re­fe­ren­dum erst An­fang Sep­tem­ber als „gro­ben Ver­rat“an der bri­ti­schen De­mo­kra­tie be­zeich­net. Im­mer­hin sei­en im Ju­ni 2016 Mil­lio­nen Men­schen zur Ab­stim­mung ge­gan­gen, da­mit ih­re Stim­men end­lich nicht mehr von der Po­li­tik igno­riert wer­den. Die schlep­pen­den Ver­hand­lun­gen zwi­schen Lon­don und Brüs­sel schü­ren in­des Un­si­cher­heit in der bri­ti­schen Be­völ­ke­rung, so­dass im Ju­li 2018 mit 42 Pro­zent erst­mals mehr Men­schen ein zwei­tes Re­fe­ren­dum be­für­wor­te­ten als ab­lehn­ten. 41 Pro­zent spra­chen sich in ei­ner You­gov-Um­fra­ge da­ge­gen aus. Wie ge­nau ein sol­ches Re­fe­ren­dum noch vor dem of­fi­zi­el­len Br­ex­it am 29. März 2019 aus­se­hen könn­te, ist un­klar:

Der po­li­ti­sche Wil­le von­sei­ten der EU, den Br­ex­it auf Wunsch Lon­dons noch zu stop­pen, ist da. Kom-

Qmis­si­ons­prä­si­dent Juncker und Rats­prä­si­dent Tusk be­ton­ten dies wie­der­holt. Ob es recht­lich mög­lich ist, hät­ten letz­tes En­des wohl die Höchst­rich­ter am Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof zu ent­schei­den. Aus­tritts­ar­ti­kel 50 des EU-Ver­trags, den Lon­don im März 2017 ak­ti­vier­te, ist – wohl be­wusst – va­ge.

Ar­ti­kel 50 be­inhal­tet auch die Mög­lich­keit, die zwei­jäh­ri­ge Über­gangs­frist zu ver­län­gern. Wenn die 28 Mit­glied­staa­ten, in­klu­si­ve Groß­bri­tan­ni­en, ein­stim­mig da­für vo­tie­ren, könn­te da­durch auch et­was mehr Zeit für die Vor­be­rei­tung ei­nes et­wai­gen zwei­ten Re­fe­ren­dums ge­won­nen wer­den.

QSoll­te es tat­säch­lich zu ei­nem zwei­ten Re­fe­ren­dum kom­men, müss­te bis da­hin ein De­al mit der EU ste­hen, über den es ab­zu­stim­men gilt. Mög­lich wä­re dann ei­ne Drei-Al­ter­na­ti­ven-Kon­stel­la­ti­on aus Ab­leh­nung des De­als samt Ver­bleib in der EU, Ab­leh­nung des De­als samt un­ge­ord­ne­tem Br­ex­it oder An­nah­me des De­als samt ge­re­gel­tem Br­ex­it. Da­durch könn­ten aber theo­re­tisch 34 Pro­zent über die Zu­kunft des Lan­des ent­schei­den, wes­halb man­che für ein dop­pel­tes Re­fe­ren­dum plä­die­ren, wo im ers­ten Schritt die un­be­lieb­tes­te Al­ter­na­ti­ve weg­fällt und ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit dann die Ent­we­der-oder-Ent­schei­dung trifft.

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