Hilfs­schiff Aqua­ri­us be­en­det Mit­tel­mee­r­ein­satz

Auf­sto­ckung von Fron­tex um Jah­re ver­scho­ben

Der Standard - - NEWS - Chris­ti­an Hackl

Mar­seil­le/Brüs­sel – Das Hilfs­schiff Aqua­ri­us, das bis da­to Boots­flücht­lin­ge vor der li­by­schen Küs­te ret­te­te, wird im Mit­tel­meer kei­ne Ein­sät­ze mehr fah­ren. Das be­stä­tig­te die NGO Ärz­te oh­ne Gren­zen dem Δtan­dard. Lau­ra Ley­ser, Ge­schäfts­füh­re­rin der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on in Ös­ter­reich, be­grün­de­te dies mit ei­ner „ge­ziel­ten Kam­pa­gne ge­gen die Ret­tung ver­zwei­fel­ter Men­schen auf dem Mit­tel­meer, an­ge­führt von Ita­li­en, un­ter­stützt von an­de­ren EU-Staa­ten wie Ös­ter­reich“, die ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on zum Auf­ge­ben be­wo­gen ha­be. .

Zu­letzt war dem von Ärz­te oh­ne Gren­zen und SOS Mé­di­ter­ra­née be­trie­be­nen Schiff in Pa­na­ma die Zu­las­sung ent­zo­gen wor­den. Auch die Schweiz hat­te ihm die Flag­ge ver­wei­gert. Ita­li­en hat­te Schif­fen mit ge­ret­te­ten Boots­flücht­lin­gen an Bord die Ein­fahrt in sei­ne Hä­fen un­ter­sagt.

In­des wur­de in Brüs­sel be­kannt, dass der von Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz un­ter­stütz­te Plan, die Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex bis 2010 um 10.000 Be­am­te auf­zu­sto­cken, nicht hal­ten dürf­te. Die Ver­zö­ge­rung könn­te fünf bis sie­ben Jah­re dau­ern, sag­te In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl beim EU-Mi­nis­ter­rat.

Ge­ei­nigt ha­ben sich die EUMi­nis­ter dar­auf, dass Fron­tex künf­tig ge­mein­sa­me Ein­sät­ze mit Dritt­staa­ten durch­füh­ren wird – in Zu­kunft auch in Afri­ka. Au­ßer­dem wur­de ei­ne stär­ke­re Rol­le von Fron­tex bei Rück­füh­run­gen il­le­ga­ler Ein­wan­de­rer ver­ein­bart. (red)

Ro­man Mäh­lich ist seit 47 Jah­ren ein­fach nur Ro­man Mäh­lich, das reicht ihm voll­auf. Er hat „we­der das Rad neu er­fun­den, noch die Weis­heit mit dem Löf­fel ge­ges­sen“. Als Lie­fe­rant von ma­ge­ren oder gar fet­ten Schlag­zei­len kann er nicht die­nen. „Tut mir leid. Da­für bin ich zu bo­den­stän­dig.“Er ist ein Fuß­ball­trai­ner mit ei­ge­nen Ide­en, Phi­lo­so­phie sei ein zu gro­ßes Wort. „Es gibt auch kei­ne Ge­heim­nis­se.“Vor­bil­der nennt er all je­ne, „die schon lan­ge und er­folg­reich in die­sem Ge­schäft tä­tig sind – oh­ne sich zu ver­bie­gen.“

Seit 12. No­vem­ber trai­niert der Nie­der­ös­ter­rei­cher sei­nen „Her­zens­klub“Sturm Graz, es ist ei­ne Heim­kehr, als Spie­ler fei­er­te er dort zwi­schen 1995 und 2003 Er­fol­ge, ja Tri­um­phe (zwei Meis­ter­ti­tel, drei Cup­sie­ge). Er ist mit ei­nem 2:0 in Altach und ei­nem 3:0 ge­gen den Wolfs­ber­ger AC ge­star­tet, die Gra­zer sind nun Sechs­ter. Nach dem Stand der Din­ge schaf­fen sie al­so den Ein­zug ins obe­re Play­off. „Ob ich ein Be­weis da­für bin, dass der Trai­ner­ef­fekt exis­tiert, sol­len an­de­re be­ur­tei­len. Ich ma­che mir dies­be­züg­lich kei­ne Ge­dan­ken.“

Das Ge­hen (die Ent­las­sung) von Hei­ko Vo­gel war die Vor­aus­set­zung für Mäh­lichs Kom­men. Er hat über­haupt kei­nen Trüm­mer­hau­fen vor­ge­fun­den: „Im Ge­gen­teil, die Mann­schaft ist in­takt, der Zu­sam­men­halt ge­ge­ben. Die Spie­ler ha­ben ho­he Qua­li­tät, es sind Per­sön­lich­kei­ten. Ich ha­be rasch ein G’spür für je­den Ein­zel­nen ge­kriegt.“Die Ver­gan­gen­heit wurd nicht groß the­ma­ti­siert. „Fußball fin­det im­mer in der Ge­gen­wart statt. Auch die­se Er­kennt­nis er­gibt kei­ne Schlag­zei­le.“

Mäh­lich ist „kom­plett stress­be­freit. Das liegt auch an mei­ner wun­der­ba­ren Frau und mei­nen wun­der­ba­ren drei Kin­dern.“Vor Spie­len ruht er fast in sich selbst. „Die Vor­freu­de ist na­tür­lich groß. Ist ein­mal an­ge­pfif­fen, wer­de ich ak­tiv, grei­fe ein.“Der Star sei im­mer die Mann­schaft. „Ich hal­te den Kopf hin, soll­te et­wa schief­ge­hen.“Als Spie­ler wur­de er re­spekt­voll „Ar­beits­bie­ne“oder „Kampf­schwein“ge­hei­ßen, der Mensch neigt zum Schub­la­di­sie­ren. Er hat mit dem zwei­ten Ko­se­na­men leich­te Pro­ble­me. „Wer will schon mit ei­nem Schwein ver­gli­chen wer­den. Aber auch das ist kei­ne Schlag­zei­le.“

Rund acht Jah­re ist er Fuß­ball­ex­per­te beim ORF ge­we­sen, hat ge­mein­sam mit Her­bert Pro­has­ka klei­ne und auch gro­ße Mat­ches ana­ly­siert. „Na­tür­lich ha­be ich da­von pro­fi­tiert, nicht zu­letzt im Um­gang mit Me­di­en. An­der­seits ist je­der Trai­ner in der Bun­des­li­ga in der La­ge, Geg­ner zu durch­schau­en, sei­ne Mann­schaft rich­tig ein­zu­stel­len.“Pro­has­ka sei üb­ri­gens ein rich­ti­ger Freund ge­wor­den. „Ein tol­ler Mensch, wir te­le­fo­nie­ren re­gel­mä­ßig.“

Mäh­lich hat nun die gro­ße Frei­licht­büh­ne be­tre­ten. Das Trai­ner­ge­schäft hat er in St. Mar­ga­re­then, bei den Aus­tria-Ama­teu­ren, beim Zwei­li­gis­ten Wie­ner Neu­stadt ge­lernt. „Der Un­ter­schied ist nicht so groß. Auch in der Re­gio­nal­li­ga musst du Spie­ler aus­tau­schen, sie ent­täu­schen. Es geht im­mer um jun­ge Men­schen. Du brauchst übe­r­all so­zia­le Kom­pe­tenz, Fach­wis­sen ist selbst­ver­ständ­lich. Ja, die Büh­ne ist jetzt grö­ßer.“

Küh­bau­er war bes­ser

Am Sonn­tag ist sie in Wi­en-Hüt­tel­dorf auf­ge­baut, sie heißt Al­li­anz-Sta­di­on, der Geg­ner ist lo­gi­scher­wei­se Ra­pid. Min­des­tens 20.000 Zu­schau­er wer­den er­schei­nen. Mäh­lich sagt: „Ich freue mich rie­sig.“Der Haus­herr hat als Ach­ter drei Zäh­ler Rück­stand auf den Gast, es ist so­mit ein theo­re­ti­sches Sechs-Punk­te-Spiel. Es gibt Par­al­le­len zwi­schen Mäh­lich und Kol­le­gen Diet­mar Küh­bau­er. Bei­de sind 47, bei­de lan­de­ten wäh­rend der Sai­son bei ih­rem je­wei­li­gen Her­zens­klub. Bei­de acker­ten und ra­cker­ten einst im Mit­tel­feld, zwei Ar­beits­bie­nen, zwei Kampf­schwei­ne. Da­mit sind laut Mäh­lich die Ge­mein­sam­kei­ten auch schon wie­der vor­bei. „Er war der viel bes­se­re Fuß­bal­ler, er war im­mer der Chef in der Mann­schaft. Ich stand in der Hier­ar­chie nie ganz oben. Küh­bau­er ist als Trai­ner er­fah­re­ner und er­folg­rei­cher. Das ist die Wahr­heit und kei­ne Schlag­zei­le.“

Ra­pid hat zu­letzt zwei­mal aus­wärts durch To­re in der Nach­spiel­zeit ge­won­nen (2:1 Spar­tak, 1:0 Inns­bruck). Mäh­lich sieht den Geg­ner über­haupt nicht in der Kri­se. „Ich bin auch kein An­hän­ger von Glück oder Pech. Ab­ge­se­hen da­von zer­bre­che ich mir nicht den Kopf von Ra­pid.“Mit Ra­pid hat er sich na­tür­lich aus­führ­lich be­schäf­tigt. Ge­mein­sam mit dem Trai­ner­team wird an Tak­tik, dem pas­sen­den Sys­tem ge­tüf­telt. Mäh­lich wird bis kurz vor 17 Uhr stress­be­freit sein. „Im Ide­al­fall sor­gen dann mei­ne Spie­ler in den 90 Mi­nu­ten für Schlag­zei­len.“

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