„Ich le­be mit die­sen Vor­wür­fen sehr gut“

Vi­ze­kanz­ler Heinz-Chris­ti­an Stra­che be­zeich­ne­te die Uni­ver­si­tät des jü­di­schen In­ves­tors Ge­or­ge So­ros als „Wan­de­r­uni“– an­ti­se­mi­tisch sei das nicht. Den Ein­fluss des Men­schen auf die Er­der­wär­mung hält er für frag­lich.

Der Standard - - INLAND - Kat­ha­ri­na Mit­tel­sta­edt

Heinz-Chris­ti­an Stra­ches Bü­ro am Mi­no­ri­ten­platz, wun­der­schö­ner In­nen­stadt­alt­bau, zwei­ter Stock. In ei­ner Ecke steht ei­ne blaue Sitz­gar­ni­tur, auf dem Tisch da­vor: ein gro­ßer weiß-gol­de­ner Aschen­be­cher. Wäh­rend des Ge­sprächs zün­det sich nur der Spre­cher des Vi­ze­kanz­lers ei­ne an. Da­nach auch gleich sein Chef. Von drau­ßen sind Pfif­fe zu hö­ren. Ei­ne klei­ne Grup­pe de­mons­triert um die Ecke ge­gen In­nen­mi­nis­ter Her­bert Kickl. Der FPÖ-Ob­mann und sein Mit­ar­bei­ter sind dar­über amü­siert: Kickl ist zu die­ser Zeit näm­lich ge­ra­de in Brüs­sel.

Kürz­lich ist Ih­re Bio­gra­fie „Vom Re­bell zum Staats­mann“er­schie­nen. Ist vom Re­bell heu­te noch et­was üb­rig? Stra­che: Es gibt den schö­nen Spruch, der sinn­ge­mäß lau­tet: Wer in jun­gen Jah­ren kein Re­vo­luz­zer ist, der hat kein Herz, wer im Al­ter noch im­mer re­vol­tiert, der hat kein Hirn. Und so ge­se­hen gibt es im­mer ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung in Le­ben, man wird rei­fer, be­wuss­ter, ru­hi­ger, di­plo­ma­ti­scher. Aber da oder dort ist si­cher noch der Re­bell in mir vor­han­den.

Die Re­gie­rung hat sich dem Feel­good ver­schrie­ben. Wo hat Re­bel­li­on da Platz? Stra­che: Die FPÖ zeigt in­ner­halb der Re­gie­rungs­ar­beit, dass wir mit all un­se­ren In­hal­ten in den 13 Jah­ren in der Op­po­si­ti­on recht be­hal­ten ha­ben. Frü­her ist das als Re­bel­len­tum ab­ge­lehnt wor­den, heu­te brin­gen wir die­se frei­heit­li­chen For­de­run­gen Wo­che für Wo­che zur Um­set­zung.

Bei der Neu­ord­nung der Min­dest­si­che­rung hat Ih­nen die ÖVP nicht ge­gönnt, den Ver­mö­gens­zu­griff ab­zu­schaf­fen. Da muss es hin­ter den Ku­lis­sen doch ge­kracht ha­ben? Stra­che: Wir Frei­heit­li­chen wol­len ge­zielt ge­wis­se Grup­pen wie Be­hin­der­te und Al­lein­er­zie­her bes­ser­stel­len. Mir war wich­tig, das so­zi­al un­fai­re SPÖ-Mo­dell ge­recht zu ma­chen. Und ent­ge­gen al­len Un­wahr­hei­ten, die kol­por­tiert wer­den: Die Not­stands­hil­fe bleibt und wird ins Ar­beits­lo­sen­geld neu in­te­griert. Wir gestal­ten Din­ge ge­mein­sam, da kracht nichts.

Seit Ih­rer Ju­gend sind Sie Mit­glied in der deutsch­na­tio­na­len Schü­ler­ver­bin­dung Van­da­lia. Was be­deu­tet die Bur­schen­schaft heu­te für Sie? Stra­che: Die bur­schen­schaft­li­che Be­we­gung ist ja ei­ne Frei­heits­be­we­gung. Es ist die ur­frei­heit­li­che Wer­te- und Par­tei­en­geschich­te und hat für uns und mich zwei­fels­frei gro­ße Be­deu­tung.

Be­su­chen Sie noch re­gel­mä­ßig Ih­re Bu­de? Stra­che: Ich ha­be nicht mehr die Zeit, wie das frü­her ein­mal der Fall war, aber es gibt im­mer wie­der Ver­an­stal­tun­gen der Van­da­lia, bei de­nen ich zu­ge­gen bin, ich hal- IN­TER­VIEW: te Vor­trä­ge, ich be­su­che auch wei­ter­hin die ein oder an­de­re Kn­ei­pe.

Wenn Sie ge­fragt wer­den, ob Sie ein Deutsch­na­tio­na­ler sind, sa­gen Sie zu­meist, Sie sind ein Pa­tri­ot. Muss man sich für Deutsch­na­tio­na­lis­mus schä­men? Stra­che: Nein, aber als ös­ter­rei­chi­scher Pa­tri­ot bin ich ein Teil der deutsch­spra­chi­gen Kul­tur, das ist ja kein Wi­der­spruch. Wir Ös­ter­rei­cher spre­chen ja nicht zu­fäl­lig Deutsch, das hat ja ei­ne His­to­rie und ei­nen Hin­ter­grund. Und das ist aus all die­sen his­to­ri­schen Ent­wick­lun­gen her­aus ja auch be­gründ­bar und ver­ständ­lich.

Sagt Ih­nen der Be­griff Wan­der­ju­de et­was?

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