Ein Fun­ken Hoff­nung für den Je­men

Mit ei­ner Ei­ni­gung auf ei­nen Ge­fan­ge­nen­aus­tausch be­gan­nen am Don­ners­tag die ers­ten Je­men- Ge­sprä­che seit Au­gust 2016. Von ei­nem Rah­men für po­li­ti­sche Ge­sprä­che ist man je­doch noch weit ent­fernt.

Der Standard - - INTERNATIONAL - Gu­drun Har­rer

DANALYSE: er Auf­takt war er­mu­ti­gend: In Stock­holm tra­fen am Don­ners­tag erst­mals nach mehr als zwei Jah­ren die im Je­men kriegs­füh­ren­den Par­tei­en zu Ge­sprä­chen zu­sam­men – und ei­nig­ten sich noch am Vor­mit­tag auf ei­nen Ge­fan­ge­nen­aus­tausch, der Tau­sen­de wie­der nach Hau­se brin­gen soll. Dass das so rasch ging, zeigt, dass das Tref­fen dies­mal sehr gut vor­be­rei­tet war. Mit der Un­ter­stüt­zung des be­währ­ten Ver­mitt­lers Oman wa­ren be­reits zu­vor ver­letz­te Re­bel­len aus Sa­naa aus­ge­flo­gen wor­den. Der letz­te Ver­hand­lungs­an­lauf An­fang Sep­tem­ber in Genf war ge­schei­tert, weil die Ver­tre­ter der Hut­hiRe­bel­len oder An­sar Al­lah, wie die Grup­pe of­fi­zi­ell heißt, gar nicht ge­kom­men wa­ren – of­fen­bar man­gels Si­cher­heits­ga­ran­ti­en.

Noch ist man aber in Stock­holm weit ent­fernt, über In­hal­te ei­nes po­li­ti­schen Ar­ran­ge­ments zur Be­en­di­gung des Kriegs oder gar ei­ner Neu­ord­nung zu re­den. Das Ziel von Stock­holm sind kon­kre­te Maß­nah­men zur Ver­trau­ens­bil- dung und Ver­bes­se­rung der Le­bens­si­tua­ti­on der Men­schen in den Kriegs­ge­bie­ten, kon­kret die Öff­nung des Flug­ha­fens der Haupt­stadt Sa­naa und ein nach­hal­ti­ger Waf­fen­still­stand für die Ha­fen­stadt Ho­deidah, den ein­zi­gen Ha­fen, über den der Nor­den ver­sorgt wird. Das al­les soll den Rah­men schaf­fen für ech­te po­li­ti­sche Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Huthi-Re­bel­len und der in­ter­na­tio­nal an­er­kann­ten je­me­ni­ti­schen Re­gie­rung von Prä­si­dent Abd Rab­bo Man­sur Ha­di.

Der hu­ma­ni­tä­re Aspekt ist im Fall des Je­men be­son­ders wich­tig: Mehr Men­schen ster­ben an Kriegs­fol­gen als durch Kampf­hand­lun­gen. Ka­ta­stro­pha­le hy­gie­ni­sche Zu­stän­de und ein Zu­sam­men­bruch der Ge­sund­heits­ver­sor­gung ha­ben zu Epi­de­mi­en ge­führt; am schlimms­ten da­von die Cho­le­ra, die Tau­sen­de To­te for­dert. Et­wa 22 Mil­lio­nen Men­schen sind von Hil­fe ab­hän­gig, fast neun akut von Hun­ger be­droht. Dass oft nicht der Man­gel an Le­bens­mit­tel, son­dern ih­re Leist­bar­keit das Pro­blem ist – und dass sich in der je­me­ni­ti­schen Kriegs­wirt­schaft vie­le be­rei­chern –, hat da­zu ge­führt, dass auch Wirt­schafts- und Fi­nanz­fra­gen in Stock­holm auf die Ta­ges­ord­nung ge­setzt wur­den.

Der Huthi-Auf­stand im Je­men, der schon 2004 als lo­ka­ler Kon­flikt be­gann, ist auch des­halb so schwer zu lö­sen, weil die Kriegs­par­tei­en von au­ßen un­ter­stützt wer­den: die An­sar Al­lah, die ei­ner Son­der­form der Schia an­ge­hö­ren, vom Iran; die Re­gie­rung Ha­di von Sau­di-Ara­bi­en und ei­ner brei­ten Ko­ali­ti­on, die im März 2015 in den Krieg ein­trat, als die Hut­his Aden er­ober­ten. All­ge­mein wird an­ge­nom­men, dass Druck von den USA und den eu­ro­päi­schen Waf­fen­lie­fe­ran­ten Sau­di-Ara­bi­ens, aus­ge­löst durch den Mord an Ja­mal Khas­hog­gi, zum Zu­stan­de- kom­men der Ge­sprä­che bei­ge­tra­gen hat. Es ge­hört aber auch die Be­reit­schaft der Hut­his da­zu.

Der 2018 ins Amt ge­kom­me­ne Uno-Ver­mitt­ler, der Bri­te Mar­tin Grif­fiths, er­in­ner­te in ei­nem Gast­kom­men­tar in der New York Ti­mes dar­an, dass „Kon­zes­sio­nen das zen­tra­le Prin­zip von Ver­hand­lun­gen“sind: Das kann man als Hin­weis dar­auf le­sen, dass Uno-Si­cher­heits­rats­re­so­lu­ti­on 2216, die bis­her als ein­zi­ge Grund­la­ge für ei­ne Lö­sung ge­se­hen wur­de, über­holt ist. Die Re­so­lu­ti­on war im April 2015 ein gro­ßer Er­folg für Ha­di und Sau­di-Ara­bi­en, denn sie sah im Grun­de die Ka­pi­tu­la­ti­on der Hut­his und ih­ren völ­li­gen Rück­zug der Hut­his in den Nor­den vor. Drei­ein­halb Jah­re spä­ter ist die Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on noch im­mer von Sa­naa weit ent­fernt, und Ver­hand­lun­gen wer­den um die­se Tat­sa­chen nicht her­um kom­men.

Grif­fiths lob­te in sei­nem Kom­men­tar auch die Na­tio­na­le Dia­log­kon­fe­renz von 2013, in der die un­ter­schied­li­chen je­me­ni­ti­schen Grup­pen nach dem durch Ara­bi­sche-Früh­ling-Pro­tes­te er­reich­ten Rück­tritt von Lang­zeit­prä­si­dent Ab­dul­lah Sal­eh ver­such­ten, ei­ne ge­mein­sa­me Vi­si­on und Grund­la­gen ei­ner Ver­fas­sung zu ent­wi­ckeln. Hut­his, aber auch süd­li­che Se­pa­ra­tis­ten, fühl­ten sich je­doch zu we­nig ein­ge­bun­den.

Im Sü­den ko­chen die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te (VAE) ih­re ei­ge­ne Sup­pe und un­ter­stüt­zen die Se­zes­sio­nis­ten. Die VAE, die im Je­men­krieg auch Söld­nerBo­den­trup­pen un­ter­hält, ist Ha­di ge­gen­über skep­tisch ein­ge­stellt, weil die­ser der Is­lah, ei­ner Mus­lim­brü­der-Par­tei, na­he­steht.

In ei­nem der Au­ßen­be­zir­ke der je­me­ni­ti­schen Ha­fen­stadt Ho­deidah.

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