Ärz­te oh­ne Gren­zen stellt Aqua­ri­us-Ein­satz ein

Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on spricht von „ge­ziel­ter Kam­pa­gne“– Schweiz hat­te die­se Wo­che die Flag­ge ver­wei­gert

Der Standard - - INTERNATIONAL - Bi­an­ca Blei

Be­reits seit zwei Mo­na­ten liegt das Hilfs­schiff Aqua­ri­us im Ha­fen von Mar­seil­le. Pa­na­ma hat­te dem Schiff, das von Ärz­te oh­ne Gren­zen und SOS Me­di­ter­ra­née be­trie­ben wird, die Flag­ge und so­mit die Zu­las­sung für ein Aus­lau­fen ent­zo­gen. Nun steht fest: Die Aqua­ri­us wird nicht mehr in die Such- und Ret­tungs­zo­ne vor Li­by­en fah­ren. Ärz­te oh­ne Gren­zen be­stä­tig­te dem

dass der Ein­satz im Mit­tel­meer ein­ge­stellt wird. Erst die­se Wo­che hat­te auch die Schweiz der Aqua­ri­us ver­wei­gert, das Schiff un­ter ih­rer Flag­ge zu re­gis­trie­ren.

„Was wir in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten er­lebt ha­ben, war ei­ne ge­ziel­te Kam­pa­gne ge­gen die Ret­tung von ver­zwei­fel­ten Men­schen auf dem Mit­tel­meer, an­ge­führt von Ita­li­en und un­ter­stützt von an­de­ren EU-Staa­ten wie Ös­ter­reich“, sagt Lau­ra Ley­ser, Ge­schäfts­füh­re­rin der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on in Ös­ter­reich.

Da­mit ge­meint ist un­ter an­de­rem ein Ver­bot Ita­li­ens, dass Flücht­lings­hilfs­schif­fe in sei­ne Hä­fen ein­lau­fen dür­fen und Er­mitt­lun­gen der Staats­an­walt­schaft in der Ha­fen­stadt Ca­ta­nia un­ter an­de­rem ge­gen Cr­ew­mit­glie­der der Aqua­ri­us. Der Vor­wurf: Klei­dungs­stü­cke von ge­ret­te­ten Men­schen sol­len nicht als ge­fähr­li­cher Ab­fall ge­kenn­zeich­net und mit nor­ma­lem Ab­fall ent­sorgt wor­den sein. Ärz­te oh­ne Gren­zen wehrt sich ge­gen den Vor­wurf. Ös­ter­reichs Bun­des­kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz (ÖVP) hat­te die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on zu­vor mit Schlep­pern gleich­ge­setzt.

Laut Ärz­te oh­ne Gren­zen kommt das „er­zwun­ge­ne Ein­satz- en­de zu ei­nem kri­ti­schen Zeit­punkt“. Mehr als 2130 Men­schen sind seit Be­ginn des Jah­res im Mit­tel­meer er­trun­ken. Die meis­ten von ih­nen flie­hen von Li­by­en aus. Durch den Ein­satz der li­by­schen Küs­ten­wa­che wur­den mehr als 14.000 Flie­hen­de ab­ge­fan­gen und wie­der in das Land zu­rück­ge­bracht. In­ter­na­tio­nal gilt Li­by­en nicht als „si­che­rer Ort“, da es nicht die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on ra­ti­fi­ziert hat. Eben solch ei­nen Ort braucht es aber laut See­recht, um ei­ne Ret­tung auf dem Meer ab­schlie­ßen zu kön­nen.

Seit Be­ginn ih­res Ein­sat­zes im Fe­bru­ar 2016 hat die Aqua­ri­us fast 30.000 Men­schen aus See­not ge­ret­tet. Ih­ren letz­ten Ein­satz hat­te sie bis zum 6. Ok­to­ber, bei dem 58 Men­schen aus dem Meer ge­ret­tet wur­den. Nach­dem sich zu­nächst kei­ne eu­ro­päi­sche Ein­satz­stel­le für die Ret­tung zu­stän­dig ge­fühlt hat­te, wur­den die Ge­ret­te­ten schließ­lich doch an Mal­ta über­ge­ben und an­schlie­ßend auf vier EUStaa­ten auf­ge­teilt: Deutsch­land, Spa­ni­en, Por­tu­gal und Frank­reich.

Doch das kom­plet­te En­de des En­ga­ge­ments im Mit­tel­meer­raum will Ärz­te oh­ne Gren­zen noch nicht ver­kün­den: „Wir wei­gern uns, ta­ten­los zu­zu­se­hen, wie Men­schen am Mit­tel­meer ster­ben“, sagt Kar­li­ne Klei­jer, Not­fall­ko­or­di­na­to­rin der NGO: „So­lan­ge die Men­schen wei­ter­hin auf See und in Li­by­en lei­den, wird Ärz­te oh­ne Gren­zen nach Mög­lich­kei­ten su­chen, sie me­di­zi­nisch und hu­ma­ni­tär zu ver­sor­gen.“

Fo­to: AP / Clau­de Pa­ris

Die Aqua­ri­us wird nicht mehr zum Ein­satz kom­men.

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