De­sign oh­ne Bein

Selbst­ver­trau­en aus dem 3-D-Dru­cker: Ein jun­ger Mühl­viert­ler Un­ter­neh­mer ver­wan­delt Pro­the­sen in De­si­gn­ob­jek­te, die Be­trof­fe­nen zu ei­nem neu­en Le­bens­ge­fühl ver­hel­fen.

Der Standard - - WIRTSCHAFT - Mar­kus Rohr­ho­fer

Hei­mi­sche Kran­ken­häu­ser in ei­nem Stück zu ver­las­sen ist längst kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit mehr. Die Zahl der Am­pu­ta­tio­nen, ob durch Un­fall oder Krank­heit, steigt ste­tig. Al­lein 2000 Bein­am­pu­ta­tio­nen müs­sen jähr­lich in Ös­ter­reich bei Dia­be­ti­kern auf­grund schwe­rer Ge­fäß­schä­den durch­ge­führt wer­den. In Deutsch­land sind es jähr­lich rund 20.000 Am­pu­ta­tio­nen.

Neu­er be­ruf­li­cher Druck

Die mo­der­ne Or­tho­pä­die­t­ech­nik gibt Be­trof­fe­nen zwar ein ho­hes Maß an Mo­bi­li­tät zu­rück, was bleibt, ist aber zu­meist ein gro­bes De­sign-Man­ko. Doch die Zei­ten der fleisch­far­be­nen Schaum­kos­me­tik schei­nen vor­bei. Ge­schul­det ist dies ei­nem Mühl­viert­ler Jung­un­ter­neh­mer.

Nach 25 Jah­ren als Buch­bin­der, Pro­duk­ti­ons­lei­ter und zu­letzt Be­triebs­lei­ter­stell­ver­tre­ter in ei­ner Lin­zer Dru­cke­rei sah Mar­kus Wa­kol­bin­ger im heu­ri­gen Jahr den Mo­ment der be­ruf­li­chen Neu­ori­en­tie­rung ge­kom­men. Sich selbst als „so­zia­len Ty­pen“ein­schät­zend, wähl­te der 44Jäh­ri­ge zu­nächst den Aus­bil­dungs­weg zum MBA in Ge­sund­heits­ma­nage­ment an der Fach­hoch­schu­le Krems. Doch im Bil­dungs­tem­pel er­wach­te der Un­ter­neh­mer­geist erst so rich­tig. Wa­kol­bin­ger be­sann sich sei­ner Ta­ge in der Dru­cke­rei – und fand das ver­bin­den­de Glied zwi­schen Job­ver­gan­gen­heit und be­ruf­li­cher Zu­kunft. „Es hat sich im­mer mehr her­aus­kris­tal­li­siert, dass die Or­tho­pä­die­t­ech­nik ei­ne ech­te Zu­kunfts­bran- che ist. Da­her ha­be ich be­gon­nen, mich in­ten­siv mit den bran­chen­spe­zi­fi­schen Er­for­der­nis­sen des 3-DD­rucks, et­wa für Pro­the­sen-Co­ver, zu be­schäf­ti­gen“, er­läu­tert Wa­kol­bin­ger im Stan­dard-Ge­spräch.

Klick zum Glück

Mit Un­ter­stüt­zung des Tech­no­lo­gie- und In­no­va­tions-Ma­nage­ments (TIM) der ober­ös­ter­rei­chi­schen Wirt­schafts­kam­mer konn­te der Gra­fik-Tüft­ler dann im Mai mit der WAKO 3D Gm­bH mit Sitz in Kirch­schlag durch­star­ten. Un­ter dem Mar­ken­na­men ce:koon pro­du­ziert Wa­kol­bin­ger in­di­vi­du­el­le Co­ver-Mo­del­le aus bruch­si­che­rem Po­ly­amid, die dann auf die Pro­the­se ge­klickt wer­den kön­nen. Die Kos­ten lie­gen zwi­schen rund 400 und 1000 Eu­ro.

Mög­lich ist al­les: Fürs abend­li­che Fort­ge­hen ein hin­te­res Teil in Schwarz-Me­tal­lic und vorn ei­nes in schwar­zem Le­der, für den aus­gie­bi­gen Stadt­bum­mel ei­ne ex­trem leich­te Po­ly­mer­ver­klei­dung und dann noch ei­ne be­son­ders sta­bi­le Sport­ver­klei­dung. „Ei­ne der ku­rio­ses­ten An­fer­ti­gun­gen war aber bis­lang ein of­fe­ner, blu­ti­ger Fuß mit ei­ner Fe­der statt des Kno­chens“, er­zählt Wa­kol­bin­ger.

Ge­stärkt wer­de vor al­lem aber auch das Selbst­be­wusst­sein der Trä­ger. Wa­kol­bin­ger: „Man wird plötz­lich auf das coo­le Co­ver an­ge­spro­chen – und nicht ge­fragt, was ei­gent­lich pas­siert ist. Ich ha­be Kun­den, die zum ers­ten Mal wie­der ger­ne Rö­cke oder kur­ze Ho­sen tra­gen.“

Die Pro­the­sen­zier­de von Mar­kus Wa­kol­bin­ger ist deut­lich leich­ter und lang­le­bi­ger als her­kömm­li­che Schaum­kos­me­tik.

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