Beel­ze­bub spielt Er­lö­ser: Si­mon May­ers Per­for­mance „Re­qui­em“bei Brut im Ode­on

Der Standard - - KULTUR - Hel­mut Plo­ebst

Wenn ei­ner am An­fang ei­ner Per­for­mance un­ter die Er­de muss, liegt die Ver­mu­tung na­he, dass er sich bald aus sei­nem Gr­ab er­he­ben wird. So pas­siert es auch mit ei­nem ado­nis­haf­ten Kör­per in Si­mon May­ers neu­em Stück Re­qui­em, das so­eben vom Brut-Thea­ter im Ode­on ur­auf­ge­führt wird. Hier er­fährt der nack­te So­lo­dar­stel­ler Mat­teo Haitz­mann so­gar ei­ne dop­pel­te Au­fer­ste­hung.

Aus sei­nem Erd­hü­gel im Zen­trum der Büh­ne, über dem et­li­che Gr­ab­ker­zen schwe­ben, bricht der zum Per­for­mer ge­wan­del­te Mu­si­ker erst ein­mal aus, um ei­ne Lei­dens­ge­schich­te zu durch­le­ben und mit ei­ner himm­li­schen Gei­ge zu tan­zen. Er ver­wan­delt sich in ei­ne dem Gott Pan ähn­li­che Fi­gur, die ein biss­chen Er­lö­sung be­treibt: Sie ver­brennt klei­ne Zet­tel, auf de­nen das Pu­bli­kum zu­vor no­tiert hat­te, was es los­las­sen müs­se, um Mit­men­schen für­der­hin angst­frei be­geg­nen zu kön­nen.

Nach die­ser beel­ze­b­ü­bisch in­sze­nier­ten An­spie­lung auf den christ­li­chen Er­lö­ser lässt sich der Per­for­mer wie­der in die Er­de bet­ten, um dann die zwei­te Au­fer­ste­hung zu ze­le­brie­ren. Haitz­mann tanzt erst als staub­pa­nier­ter se­xy Boy un­ter ei­ne Du­sche und da­nach als Mäd­chen in un­schulds­wei­ßem Kleid. Aus dem Re­qui­em, der To­ten­mes­se, wird das Ju­bi­la­te, ein Lob der Schöp­fung. Die ex­pe­ri­men­tell an­ge­hauch­te Mu­sik, für die Mat­teo Haitz­mann zu­sam­men mit Six­tus Preiss ver­ant­wort­lich zeich­net, sorgt für at­mo­sphä­ri­sche Am­bi­va­lenz.

Re­qui­em ist als Ver­ab­schie­dung der Dis­kri­mi­nie­rung von Ho­mo­se­xu­el­len ge­dacht. Künst­le­risch wä­re trotz der glän­zen­den Pan-Al­le­go­rie ein We­ni­ger an Kli­schees bes­ser ge­we­sen. Im Ver­gleich mit sei­nem Vor­gän­ger­werk Oh Ma­gic bleibt der Ober­ös­ter­rei­cher Si­mon May­er dies­mal eher schlicht in sei­nen Bil­dern. Da­mit liegt er zwar ganz im Trend ei­nes Main­streams der zeit­ge­nös­si­schen Per­for­mance. Aber er ge­rät auch mit­ten in den Sog der Kri­se, die das the­ma­tisch und äs­t­he­tisch aus­dün­nen­de Gen­re ge­ra­de in­ter­na­tio­nal durch­macht. Wie­der am 7. und 8. 12.

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