Im­mo­bran­che sam­melt für vie­le gu­te Zwe­cke

En­ga­ge­ment für Müt­ter und Flücht­lin­ge

Der Standard - - IMMOBILIENSTANDARD -

Wird um ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung für ein Wohn­ob­jekt an­ge­sucht, weiß die be­tref­fen­de Ge­mein­de, wel­ches Ob­jekt be­wil­ligt wer­den soll – al­so ob Miet- oder Ei­gen­tums­woh­nun­gen ent­ste­hen. Fin­det bei dem Ob­jekt zu ei­nem spä­te­ren Zeit­punkt aber ei­ne Än­de­rung statt – durch ei­ne Pa­ri­fi­zie­rung, al­so die Be­grün­dung von Woh­nungs­ei­gen­tum –, dann er­fährt sie das meis­tens nicht mehr. Das ist nur ei­ner von vie­len Aspek­ten, die die Da­ten­la­ge am ös­ter­rei­chi­schen Woh­nungs­markt äu­ßerst schwie­rig ma­chen.

Ei­ni­ge wei­te­re Aspek­te dis­ku­tier­te kürz­lich ei­ne il­lus­tre Run­de aus Wohn­bau­for­schern, Sta­tis­ti­kern, Po­li­ti­kern und Im­mo­bi­li­en­pro­fis auf Ein­la­dung des Fo­rum Wohn.Bau.Po­li­tik. Ein­lei­tend be­rich­te­te Fo­rums­ob­frau Bar­ba­ra Ruhs­mann von ih­rem vor ei­ni­gen Wo­chen un­ter­nom­me­nen Ver­such, den Woh­nungs­be­stand der vier Lan­des­haupt­städ­te Graz, Linz, Salz­burg und Inns­bruck mög­lichst ge­nau zu re­cher­chie­ren. Ins­be­son­de­re in Graz sei es aber schlicht un­mög­lich ge­we­sen, her­aus­zu­fin­den, wie vie­le Miet­und wie vie­le Ei­gen­tums­woh­nun­gen es gibt, so Ruhs­mann. Dies, ob­wohl die Län­der und Ge­mein­den ge­mäß dem Ge­bäu­de- und Woh­nungs­re­gis­ter-(GWR-)Ge­setz von 2004 „an­ge­hal­ten sind, lau­fend Da­ten zu mel­den“. Nach­satz: „Das pas­siert aber oft nicht.“

War­um das so ist, ließ Ma­nue­la Lenk, Ab­tei­lungs­lei­te­rin bei der Sta­tis­tik Aus­tria, durch­bli­cken. Dort, wo an die Da­ten kon­kre­te Ver­wal­tungs­hand­lun­gen der je­wei­li­gen Ge­mein­de – et­wa Zweit­wohn­sit­zer-Be­schrän­kun­gen – ge­kop­pelt sei­en, funk­tio­nier­ten die Mel­dun­gen durch­aus. An­ders­wo eben nicht be­zie­hungs­wei­se: Bei 2100 Ge­mein­den ge­be es eben auch 2100 Bau­be­hör­den mit teils di­ver­sen Her­an­ge­hens­wei­sen.

Dass es aber auch die Mil­lio­nen­stadt Wi­en vie­le Jah­re lang nicht schaff­te, In­for­ma­tio­nen über bau­be­wil­lig­te An-, Auf- und Um­bau­ten an die Sta­tis­tik zu mel­den, sorg­te in ein­schlä­gi­gen Krei­sen im­mer wie­der für Kopf­schüt­teln.

Wie be­reits be­rich­tet, soll sich dies aber nun än­dern. Die kürz­lich

be­schlos­se­ne Wie­ner Bau­ord­nungs­no­vel­le sieht vor, dass Bau­wer­ber künf­tig da­zu ver­pflich­tet sind, bei Neu- oder Zu­bau­ten ei­ne „elek­tro­ni­sche Ge­bäu­de­be­schrei­bung“nach Vor­ga­ben des GWRGe­set­zes ab­zu­lie­fern. Für die Sta­tis­ti­ke­rin Lenk ist die­ses „elek­tro­ni­sche Ein­pfle­gen“, das nun auch in Nie­der­ös­ter­reich in Über­le­gung ist, ei­ne „wun­der­ba­re“Sa­che, die auch wei­te­ren Bun­des­län­dern als Vor­bild die­nen soll­te – wenn es schon nicht zu ei­ner ein­heit­li­chen Bau­ord­nung kommt. Denn die, so Lenk, wä­re am bes­ten.

Ver­knüp­fung mit Grund­buch

Dass die Ge­mein­den nichts dar­über er­fah­ren, wenn ein Ge­bäu­de pa­ri­fi­ziert wird, ist auch aus ih­rer Sicht nicht zu­frie­den­stel­lend. Was hier ein­deu­tig feh­le, sei ei­ne Ver­schrän­kung des Ge­bäu­de­und Woh­nungs­re­gis­ters mit den Grund­buch­da­ten der Be­zirks­ge­rich­te, be­ton­ten zahl­rei­che Teil­neh­mer der Ge­sprächs­run­de. Dar­an wer­de auch be­reits ge­ar­bei­tet, be­ton­te Lenk. Im Üb­ri­gen kön­ne die Po­li­tik der Sta­tis­tik Aus­tria auch Auf­trä­ge er­tei­len, sag­te sie in Rich­tung der an­we­sen­den Po­li­ti-

ker, dar­un­ter FPÖ-Bau­ten­spre­cher Phil­ipp Schrangl und ÖVPAb­ge­ord­ne­ter An­dre­as Ot­ten­schlä­ger. Letz­te­rer ist im Zi­vil­be­ruf selbst Bau­trä­ger; dass es hier oft zu ei­ner „Be­darfs­er­he­bung nach Bauch­ge­fühl“kommt, weiß er des­halb aus ei­ge­ner Er­fah­rung

San­dra Bau­ern­feind, EHLWoh­nungs­markt­ex­per­tin, be­rich­te­te eben­falls von er­nüch­tern­den Er­fah­run­gen. Da­ten für den ers­ten Gra­zer Woh­nungs­markt­be­richt zu be­kom­men – ins­be­son­de­re In­for­ma­tio­nen über Haupt­wohn­sit­ze nach Rechts­ver­hält­nis­sen und Bau­jahr –, sei „die reins­te Odys­see“ge­we­sen. Aus ih­rer Sicht wä­re es sinn­voll, das GWR auch mit den Mi­kro­zen­sus-Er­he­bun­gen der Sta­tis­tik Aus­tria zu ver­knüp­fen. Denn man ha­be nun nach der 2017 be­schlos­se­nen Ab­schaf­fung der Miet­ver­trags­ge­bühr (bei Woh­nun­gen) über­haupt kei­ne Zah­len mehr dar­über, wie vie­le Miet­ver­trä­ge in Ös­ter­reich ei­gent­lich pro Jahr ab­ge­schlos­sen wer­den.

Hier fühl­te sich der FPÖ-Ab­ge­ord­ne­te Schrangl di­rekt an­ge­spro­chen; schließ­lich war es da­mals sei­ne In­itia­ti­ve, die zur Ab­schaf-

fung führ­te. Von der ÖVP sei er da­mals dar­auf hin­ge­wie­sen wor­den, dass die­se Da­ten feh­len wür­den, sag­te er. Al­ler­dings hät­te man „seit Ma­ria The­re­si­as Zei­ten“(auf die die Miet­ver­trags­ge­bühr zu­rück­geht, Anm.) aus die­sen ge­sam­mel­ten Da­ten „nichts ge­macht“.

Von Ruhs­mann nach ei­nem For­schungs­auf­trag ge­fragt, den er ak­tu­ell ger­ne ver­ge­ben wür­de, sag­te Schrangl, er hät­te ger­ne ein Re­gis­ter dar­über, wel­ches Miet­rechts­re­gime in je­dem ein­zel­nen Wohn­ge­bäu­de an­zu­wen­den ist. Ne­os-Ab­ge­ord­ne­ter Sepp Schell­horn wünsch­te sich fun­dier­te Da­ten dar­über, wel­che Woh­nun­gen auf Platt­for­men für tou­ris­ti­sche Zwe­cke ver­mie­tet wer­den. Und auch Grü­nen-Bun­des­rat Da­vid Stög­mül­ler be­zeich­ne­te In­for­ma­tio­nen über Leer­stän­de und Zweit­wohn­sit­zer-Woh­nun­gen als drin­gend not­wen­dig.

Schrangl und Ot­ten­schlä­ger nah­men die An­re­gun­gen auf und si­gna­li­sier­ten den Wil­len, im Par­la­ment dar­über wei­ter zu dis­ku­tie­ren. Wohn­bau­for­scher Wolf­gang Amann raub­te dem ei­nen oder an­de­ren aber man­che Il­lu­si­on: „Per­fek­te Da­ten gibt es nicht.“ Wi­en – Woh­nen müs­sen wir al­le. Für ei­ne wach­sen­de Grup­pe an Men­schen ist das an­ge­sichts der stei­gen­den Im­mo­bi­li­en­prei­se in Bal­lungs­räu­men aber nicht mehr so ein­fach. Al­lein­er­zie­hen­de Müt­ter bzw. schwan­ge­re Frau­en in Woh­nungs­not lan­den in sol­chen Si­tua­tio­nen bei im­mo-hu­ma­na. Ver­eins­ob­mann Ge­org Sla­wik ist in der Im­mo­bi­li­en­bran­che gut ver­netzt, er ver­sucht, für die Frau­en güns­ti­ge Woh­nun­gen zu fin­den – auch wenn, wie er sagt, am En­de im­mer mehr Woh­nun­gen nö­tig wä­ren, als zur Ver­fü­gung ste­hen.

Zur Weih­nachts­zeit kann bei im­mo-hu­ma­na für zwei An­läs­se ge­spen­det wer­den: Am 19. 12. bringt der Weih­nachts­mann den Kin­dern von Müt­tern, die am Exis­tenz­mi­ni­mum le­ben, Ge­schen­ke zu ei­ner Weih­nachts­hüt­te an der Ma­ria­hil­fer Stra­ße 86.

Au­ßer­dem gibt es wie­der die Ak­ti­on „Wär­me schen­ken“, bei der Müt­tern beim Be­zah­len ih­rer Heiz­kos­ten bzw. bei Re­pa­ra­tu­ren ih­rer Hei­zun­gen un­ter die Ar­me ge­grif­fen wird. „Fast täg­lich“kä­men be­trof­fe­ne Frau­en, sagt Sla­wik. Oft müss­ten sie aber wie­der nach Hau­se ge­schickt wer­den, weil das Geld fehlt. „Die­se Frau­en zah­len Mie­te, Strom und Gas, aber wenn et­was Un­vor­her­ge­se­he­nes da­her­kommt, dann steht die Sa­che.“

Haus für Flücht­lin­ge

Auch das Tra­lalo­be-Haus in der Wie­ner Jo­sef­stadt, das An­fang Jän­ner er­öff­net wird, ist auf Spen­den an­ge­wie­sen. Der Ver­ein Tra­lalo­be zieht in ein Grün­der­zeit­haus im ach­ten Be­zirk, das zu­vor lan­ge leer­stand. Das Haus wur­de re­no­viert, der Ver­ein mie­tet es an und bie­tet ab Jän­ner Platz für 60 Men­schen mit Flucht­hin­ter­grund, die dort ge­schütz­ten Wohn­raum und Be­treu­ung fin­den wer­den. Schon wäh­rend der Flücht­lings­kri­se sei der Kon­takt zum Haus­herrn zu­stan­de ge­kom­men, be­rich­tet An­dre­as Di­en­dor­fer, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­eins: „Das ha­ben wir dann wei­ter­ver­folgt.“

Noch ein so­zia­les Pro­jekt: Mit dem kürz­lich vor­ge­stell­ten „Ca­pe 10“ent­steht beim Wie­ner Haupt­bahn­hof in den kom­men­den Jah­ren ein Ge­bäu­de, das Arzt­pra­xen, gas­tro­no­mi­sche Ein­rich­tun­gen und Kul­tur­räum­lich­kei­ten so­wie ein Ta­ges­zen­trum für ob­dach­lo­se Frau­en und ein Kom­pe­tenz­zen­trum für Kin­der un­ter ei­nem Dach ver­eint. Der von Co­op Him­melb(l)au ent­wor­fe­ne Bau soll 2021 fer­tig wer­den. (red)

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