Die 24 St­un­den mit Ilea­na, Vio­ri­ca und den an­de­ren

Der Standard - - AGEDA -

Dies ist der mög­lichst un­sen­ti­men­ta­le, pra­xis­ori­en­tier­te Ver­such, je­ne fünf Jah­re zu be­schrei­ben, die mei­ne Mut­ter bis zu ih­rem Ab­le­ben mit 94 Jah­ren mit ru­mä­ni­schen 24-St­un­den-Be­treue­rin­nen ver­bracht hat. Die Not­wen­dig­keit er­gab sich, als es al­lein in der Woh­nung nicht mehr ging. Ein Heim wur­de er­wo­gen und ver­wor­fen: Die Be­treu­ungs­dich­te wä­re für die ge­for­der­ten Kos­ten viel ge­rin­ger ge­we­sen. Und die Pflege zu Hau­se ist fast im­mer bes­ser. Al­so wur­de ei­ne emp­foh­le­ne klei­ne Agen­tur kon­tak­tiert. Es ka­men je­weils zwei Ru­mä­nin­nen um die 50, die sich je­den Mo­nat ab­lös­ten. Kei­ne aus­ge­bil­de­ten Kran­ken­schwes­tern, son­dern ge­stan­de­ne Frau­en aus dem länd­li­chen Raum, die ei­nen Kurs ge­macht hat­ten. Nur ein­mal mit völ­lig un­ge­nü­gen­den Deutsch­kennt­nis­sen. Ab­so­lu­te Vor­aus­set­zung: ein ei­ge­nes klei­nes Zim­mer.

Die Kos­ten laut Werk­ver­trag (im In­ter­net gibt’s Bei­spiels­rech­ner): rund 1600 Eu­ro pro Mo­nat in­klu­si­ve 150 Eu­ro pro Mo­nat für die Agen­tur plus Trans­port­kos­ten. Und plus So­zi­al­ver­si­che­rung bei der „Ge­werb­li­chen“, da die Frau­en ja Selbst­stän­di­ge sind. Und da gab es ei­gent­lich den meis­ten Är­ger bzw. Klar­stel­lungs­auf­wand, da zum Teil völ­lig über­zo­ge­ne So­zi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge vor­ge­schrie- ben wur­den. Auch sonst er­for­dert die Be­treu­ung der Be­treue­rin­nen ei­ni­gen Auf­wand. Die Agen­tu­ren neh­men ei­nem den Pa­pier­kram nicht ab. Und den Auf­wand für me­di­zi­ni­schen Zu­satz­not­wen­dig­kei­ten (Spe­zi­al­bett, mo­bi­le Kran­ken­schwes­ter bei Be­darf) soll­te man nicht un­ter­schät­zen.

Wur­de mei­ne Mut­ter gut be­treut? Letzt­lich ja, was Ord­nung, Sau­ber­keit, Ge­wis­sen­haf­tig­keit (Me­di­ka­men­te!) be­trifft. Mit man­chen trans­syl­va­ni­schen Ei­gen­hei­ten muss man ler­nen umzugehen. Bei fast je­dem zu Pfle­gen­den gibt es an­fangs Wi­der­stand, dass da je­mand Frem­der die gan­ze Zeit da ist. Das führt manch­mal zu Span­nun­gen, aber die Ein­sicht, dass es an­ders nicht geht, ob­sieg­te zu­min­dest in un­se­rem Fall.

Der Job ist hart, die Be­zah­lung für ru­mä­ni­sche Ver­hält­nis­se gut. Hei­mi­sche an­ge­stell­te Kräf­te wä­ren schlicht un­leist­bar. Der ös­ter­rei­chi­sche So­zi­al­staat funk­tio­nier­te un­bü­ro­kra­tisch. Das Pfle­ge­geld Stu­fe 4 be­trug 660 Eu­ro, der 24-St­un­den-Zu­schuss 550 Eu­ro. Da­mit das klar ge­sagt ist: Oh­ne Ilea­na, Vio­ri­ca und die an­de­ren wä­ren die stark ein­ge­schränk­ten letz­ten Le­bens­jah­re ei­ner Hoch­be­tag­ten sehr viel un­an­ge­neh­mer (und kos­ten­auf­wen­di­ger) ab­ge­lau­fen. Hans Rau­scher

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