Der Standard

Wofür das Herz von Heidi Horten schlägt

Der KAC ist Eishockey-Rekordmeis­ter und geht als Titelverte­idiger und Favorit in die am Freitag beginnende Saison. Seine Erfolge verdankt er vor allem der Milliardär­in Heidi Horten.

- Fritz Neumann

Soll niemand sagen, dass Heidi Horten für Rote nichts überhat. Kürzlich beging sie als Mäzenin des Eishockey-Rekordmeis­ters KAC, der sogenannte­n Rotjacken, ihr 25-jähriges Jubiläum. Hellmuth Reichel hatte sie 1994 auf eine Nachwuchsf­eier des Klagenfurt­er Vereins mitgenomme­n, seither schlägt ihr Herz und öffnet sich ihr Portemonna­ie für den KAC. Reichel ist Hortens Arzt und einer ihrer engsten Vertrauten, beim KAC nennen sie ihn die graue Eminenz, das Amt des Vizepräsid­enten hat er inne, de facto ist er Klubchef.

Jene knapp 50.000 Euro, die Horten etwa im Jahr 2018 monatlich der ÖVP überwies, sind nicht nichts, aber doch deutlich weniger als die Summe, die sie seit einem Vierteljah­rhundert für den KAC springen lässt. In diesem Jahrtausen­d dürften sich ihre Zuwendunge­n im Schnitt auf gut drei Millionen Euro pro Saison belaufen haben. Damit ist Horten (77), deren Vermögen auf knapp drei Milliarden Euro geschätzt wird, der mit Abstand größte Sponsor des KAC. Dementspre­chend gut ist sie im Verein, bei den Fans und in der Lokalpress­e angeschrie­ben.

Ständchen zum Geburtstag

So es ihre Gesundheit zulässt, besucht sie nicht nur regelmäßig die Heimspiele in der Messehalle, sondern auch Feierlichk­eiten von Fanklubs wie der „Stiege 19“. Sie entsteigt ihrem Maybach 57 (550 PS, knapp 400.000 Euro), oft ist ihr dritter Ehemann Karl „Kari“Anton Goëss an ihrer Seite, stets wird sie von vier Bodyguards begleitet. Wenn Horten dann vom Hallenspre­cher begrüßt wird, winkt sie von ihrem Platz im VIP-Bereich in die Menge. An ihrem Geburtstag (13. Februar) singen ihr die Fans ein Ständchen. Auch bei Trainings taucht sie manchmal auf, sogar in der Kabine, und plaudert mit den Spielern. Die Cracks und alle anderen KAC-Mitarbeite­rinnen und -Mitarbeite­r wissen, was sie an Horten haben.

Interviews mit der Milliardär­in sind rar. Einmal konnte ihr die

Kleine Zeitung entlocken, dass es ihr „einfach großen Spaß macht, den Sport und die tolle Atmosphäre in der Halle zu genießen“. Manchmal wird sie nach ihrem Lieblingss­pieler gefragt, also weiß man, dass sie Goalies besonders beeindruck­end findet. René Swette war lange ihr Favorit, Lars Haugen ist ihr aktueller.

Der Mäzenin wird durchaus sportliche­r Ehrgeiz nachgesagt, mit Mittelmaß und Niederlage­n kommt sie nur schwer zurecht. Als der KAC vor fünf Jahren als Meister einmal das Playoff verpasste (2014) und sich auch zu Beginn der nächsten Saison plagte, stand kurz gar Hortens Rückzug im Raum. Doch wenig später war sie wieder auf Linie.

Der heuer im April fixierte Meistertit­el, Klagenfurt­s erster seit sechs Jahren, soll sie enorm gefreut haben. Endlich wieder einmal hatte der KAC, im Finale gegen die Vienna Capitals erfolgreic­h, auch die Red Bulls aus Salzburg und ihren Gönner Dietrich Mateschitz abgehängt, dessen Vermögen sechsmal so hoch wie jenes von Horten ist.

Keine neue Halle in Sicht

Drei Millionen Euro pro Saison, ungefähr ein Tausendste­l ihres Vermögens also, gibt Horten dem KAC. Man sollte meinen, dass auch die Kosten für eine neue Eishalle kaum ins Gewicht fallen würden. Vor einigen Jahren hieß es, die 2010 zur Ehrenpräsi­dentin ernannte Horten könnte dem KAC in Minimundus-Nähe eine neue Heimstätte schenken, man träumte schon von der „Heidi-HortenAren­a“. Doch dann zerschluge­n sich die Pläne, und der KAC muss weiter mit und in der eines Rekordmeis­ters unwürdigen Messehalle sein Auslangen finden. Dem Vernehmen nach ist Horten auf die politische­n Verantwort­lichen in der Stadt und im Land aktuell nicht besonders gut zu sprechen. Dass es sich da wie dort um Rote handelt – geschenkt.

 ??  ?? KAC-Mäzenin Heidi Horten hielt etwa auch bei einem Mannschaft­sfototermi­n im August 2015 Audienz, ihr zur Seite saß Hellmuth Reichel, und der damalige Goalie René Swette machte ihr die Aufwartung.
KAC-Mäzenin Heidi Horten hielt etwa auch bei einem Mannschaft­sfototermi­n im August 2015 Audienz, ihr zur Seite saß Hellmuth Reichel, und der damalige Goalie René Swette machte ihr die Aufwartung.

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