Star­ker An­stieg bei An­zei­gen we­gen Kin­der­por­nos

Das Bundeskrim­inalamt hat sei­nen heu­ri­gen Cy­ber­cri­me-Be­richt vor­ge­stellt. Er­neut ist die Kri­mi­na­li­tät im Netz ge­stie­gen, vor al­lem in den Be­rei­chen des In­ter­net­be­trugs und der Kin­der­por­no­gra­fie.

Der Standard - - CHRONIK - Mu­zay­en Al-Yous­sef

Die Ge­set­zes­bre­cher ver­la­gern ih­re Ak­ti­vi­tä­ten zu­se­hends von der Stra­ße in den di­gi­ta­len Raum. Wie aus dem heu­ri­gen Cy­ber­cri­me-Be­richt des Bun­des­kri­mi­nal­amts her­vor­geht, gab es 2018 rund 20.000 An­zei­gen we­gen In­ter­net­kri­mi­na­li­tät, im Vor­jahr wa­ren es noch cir­ca 17.000. Ein Zu­wachs lässt sich vor al­lem im Be­reich des Be­trugs be­ob­ach­ten: So gab es mit 13.328 An­zei­gen ein Plus von 13,3 Pro­zent. Da­bei ver­su­chen Kri­mi­nel­le an­hand von un­ter­schied­lichs­ten Me­tho­den ih­re Op­fer in die Ir­re zu füh­ren.

■ Be­stell­be­trug Ein gro­ßes The­ma

ist der Be­stell­be­trug. Mit ge­fälsch­ten E-Mail-Adres­sen und mit­tels Zah­lung auf Rech­nung be­stel­len Tä­ter im In­ter­net im Na­men frem­der Per­so­nen. Die­se be­mer­ken das oft erst viel spä­ter, et­wa auf­grund ei­ner Mah­nung des je­wei­li­gen Händ­lers. In ei­ner ge­mein­sa­men Ak­ti­on mit 23 Eu­ro­pol-Mit­glieds­staa­ten gab es 95 Fest­nah­men, vier da­von in Ös­ter­reich. Durch Er­mitt­lun­gen er­kann­te man über 20.000 be­trü­ge­ri­sche Be­stel­lun­gen, da­von über 2700 in Ös­ter­reich. Der Ge­samt­wert liegt bei cir­ca ei­ner Mil­li­on Eu­ro.

■ Fin­gier­te Mails Ei­ne po­pu­lä­re

Me­tho­de, über die in der Ver­gan­gen­heit häu­fig be­rich­tet wur­de: Be­trü­ger sen­den Pass­wör­ter bei­spiels­wei­se per Mail mit, die tat­säch­lich ein­mal im Ein­satz wa­ren oder so­gar noch sind, um Nut­zer zu ver­un­si­chern, zu er­pres­sen und Lö­se­geld in Form von Bit­co­ins zu ver­lan­gen. Meis­tens han­delt es sich bei den Kenn­wör­tern um al­te Da­ten­lecks. Im­mer wie­der kom­men Ha­cker an Nut­zer­da­ten, weil Da­ten­ban­ken von Web­sei­ten schlecht ab­ge­si­chert und die Pass­wör­ter un­ver­schlüs­selt oder mit ver­al­te­ter Ver­schlüs­se­lung ge­spei­chert sind. Die­se Leaks sind oft auch Qu­el­le für die E-Mail­nel­le Adres­se, über die Op­fer kon­tak­tiert wer­den.

■ Fa­ke-Sup­port und An­la­gen Das

Bundeskrim­inalamt ver­steht Cy­ber­cri­me im „wei­te­ren Sinn“auch als Straf­ta­ten, bei de­nen In­for­ma­ti­ons­tech­ni­ken zur Durch­füh­rung her­kömm­li­cher Straf­ta­ten – wie eben Er­pres­sung – ver­wen­det wer­den. Im en­ge­ren Sinn sei­en hin­ge­gen An­grif­fe auf Da­ten- oder Com­pu­ter­sys­te­me ge­meint. Wei­te­re po­pu­lä­re Be­trugs­ver­su­che: der „Mi­cro­soft-Be­trug“, bei dem sich Kri­mi

am Te­le­fon als Sup­port-Mit­ar­bei­ter von Mi­cro­soft aus­ge­ben. Oder aber der An­la­ge­be­trug, bei dem Nut­zer da­zu über­re­det wer­den, ver­meint­lich Geld in Form von Kryp­towäh­run­gen an­zu­le­gen. Über­haupt wer­de ge­ra­de im – für den Nor­mal­nut­zer „un­sicht­ba­ren“– Dar­knet fast im­mer mit Bit­co­ins ge­zahlt, wo­bei im­mer öf­ter an­de­re Kryp­towäh­run­gen zum Ein­satz kom­men.

■ Kin­der­por­no­gra­fie Ei­ne wei­te­re

Kern­auf­ga­be der Cy­ber­cri­me-Er­mitt­ler

ist der Kampf ge­gen Kin­des­miss­brauch zur Er­stel­lung por­no­gra­fi­scher In­hal­te. Im Jah­res­ver­gleich von 2017 und 2018 kam es zu ei­nem mas­si­ven An­stieg der An­zei­gen: So gab es 2018 58,4 Pro­zent mehr als im Jahr da­vor. Der Grund da­für liegt laut Bundeskrim­inalamt da­rin, dass die gro­ßen so­zia­len Me­di­en aus den USA das The­ma erns­ter neh­men und Vor­fäl­le auch an Be­hör­den mel­den. Ein gro­ßes Pro­blem, das sich ge­zeigt ha­be: oft jun­ge Nut­zer, die ver­meint­li­che „Spaß­vi­de­os“, die kin­der­por­no­gra­fi­sche In­hal­te zei­gen – bei­spiels­wei­se Min­der­jäh­ri­ge, die mit Tie­ren ver­keh­ren –, wei­ter­lei­ten und li­ken. Auch das ist straf­bar.

■ Sucht­gift­han­del Ein wei­te­rer

Fak­tor ist der Sucht­gift­han­del im Dar­knet. So wer­den seit Sep­tem­ber 2016 im in­ter­na­tio­na­len Brief­zen­trum Frank­furt am Main Schwer­punkt­kon­trol­len bei Brief­sen­dun­gen durch­ge­führt. Bei 10.132 Sen­dun­gen mit il­le­ga­len Sub­stan­zen hät­ten 1562 nach Ös­ter­reich ge­hen sol­len – da­mit liegt das Al­pen­land nach den USA hier auf Platz zwei. Von Jän­ner 2016 bis De­zem­ber 2018 wur­den in Ös­ter­reich au­ßer­dem 4620 Brief­sen­dun­gen mit rund 112 Ki­lo­gramm Dro­gen be­schlag­nahmt.

Kei­ne Whois-Ab­fra­ge mehr

Als ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung sieht das Bundeskrim­inalamt die Ab­schaf­fung von so­ge­nann­ten Whois-Ab­fra­gen. Seit dem Ein­tre­ten der Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung wur­de der Zu­griff auf Da­ten über re­gis­trier­te Do­mä­nen näm­lich ein­ge­schränkt – in der Ver­gan­gen­heit reich­te ei­ne sim­ple Su­che aus, um her­aus­zu­fin­den, wer der In­ha­ber oder die tech­ni­sche Kon­takt­per­son ei­ner Web­sei­te ist. Die­ser Weg­fall stel­le „die Si­cher­heits­be­hör­den vor er­heb­li­chen Er­mitt­lungs­hür­den“, be­fin­det das In­nen­mi­nis­te­ri­um.

Kri­mi­nel­le ver­su­chen, an­hand ver­schie­dens­ter Me­tho­den im Netz Nut­zer zu be­trü­gen. Bei­spiels­wei­se ge­ben sie sich als Sup­port-Mit­ar­bei­ter aus oder be­stel­len un­ter fal­schem Na­men on­line Pro­duk­te.

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