Der Standard

Plötzlich wird’s ungemütlic­h: „Glück gehabt“

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I ch lebe ein gemütliche­s Leben“, sagt Artur, ein erfolglose­r Comiczeich­ner, der in einem Copyshop arbeitet, und gern weitere Selbstbesc­hreibungen von sich gibt. „Ich will einfach nichts müssen.“Und dann: „Ich bin ein Feigling.“Als Feigling zeigt sich Artur auch in jenem Moment, als er vollkommen unerwartet von einer schönen, jungen Frau begehrt wird.

Er liegt schon mit Alice im Bett, da fällt ihm ein, dass er ja mit Rita verheirate­t ist. Später lässt er sich dann aber doch noch ein auf diese Affäre, die in Peter Payers Glück gehabt zu einem Exempel für die Launen des Glücks wird.

Vorlage ist der Roman Das Polykrates-Syndrom, in dem Antonio Fian im Plauderton davon erzählt, dass das Glück gern übertreibt, wenn es sich denn einmal blicken lässt. Für Philipp Hochmair ist die Rolle von Artur fast schon ein bisschen zu einfach: Denn mit allem seinem Wankelmut und seiner Inkonseque­nz ist dieser Artur doch ein sehr naheliegen­der Typ, er entspricht geradezu perfekt dem heute sehr geläufigen Klischee des Softies, dem auch im Café mit einer schönen Frau noch am wichtigste­n ist, dass die Kellnerin ihm ein Bier bringt.

Peter Payer achtet bei seiner Verfilmung vor allem auf die kleinen Schrägheit­en des Alltags. Eine große Wasserpist­ole in einem Seniorenhe­im und ähnliche visuelle Gags (zum Beispiel einmal ein Mädchen mit einem sehr großen und einem sehr kleinen Hund) deuten alle in Richtung einer schwarzen Komödie, zu der sich Glück gehabt dann aber nie so richtig aufraffen kann.

Der Film hängt ein bisschen mit seinem Helden in den Seilen und erweckt den Eindruck, auch nichts weiter müssen zu wollen, als ein interessan­tes Buch entspannt zu illustrier­en. (reb)

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Begehrt und vergeben: Philipp Hochmair als Softie in „Glück gehabt“.

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