Kir­che gibt Grund­stü­cke für neue Alt­stadt­ga­ra­ge in Stadt Salz­burg frei

Die um­strit­te­ne Er­wei­te­rung der Salz­bur­ger Alt­stadt­ga­ra­gen rückt ei­nen Schritt nä­her: Die Erz­diö­ze­se Salz­burg hat als Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin ei­ne Zu­stim­mungs­er­klä­rung ab­ge­ge­ben.

Der Standard - - ERSTE SEITE - Tho­mas Neu­hold

Salz­burg – Mit ei­ner Zu­stim­mungs­er­klä­rung eb­net die Erz­diö­ze­se Salz­burg den Weg für den um­strit­te­nen Aus­bau der Alt­stadt­ga­ra­ge im Mönchs­berg. Die Zu­stim­mung der Grund­stücks­eig­ner ist Vor­aus­set­zung für die na­tur­schutz­recht­li­che Be­wil­li­gung. Mit dem rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren Pro­jekt will die im Ei­gen­tum von Stadt und Land ste­hen­de Ga­ra­gen­ge­sell­schaft die Ka­pa­zi­tät von 1350 auf rund 2000 Stell­plät­ze auf­sto­cken. Mit ei­nem auf 99 Jah­re ab­ge­schlos­se­nen Ser­vi­tuts­ver­trag dürf­te die Erz­diö­ze­se ih­re Kel­ler­rech­te für ku­mu­liert fünf Mil­lio­nen Eu­ro ab­tre­ten. Ga­ra­gen­geg­ner spre­chen ob des De­als von Dop­pel­mo­ral, da die Kir­che gleich­zei­tig das „Au­to­fas­ten“pre­di­ge. (red)

Wäh­rend der­zeit die gan­ze Re­pu­blik nach au­ßen hin in ei­ner vi­rus­be­ding­ten Schock­star­re ver­harrt, wer­den hin­ter den Ku­lis­sen Ent­schei­dun­gen ge­fällt, die weit in die Zu­kunft rei­chen. In Salz­burg bei­spiels­wei­se rund um die ge­plan­te Er­wei­te­rung der Alt­stadt­ga­ra­gen im Mönchs­berg von der­zeit rund 1350 auf knapp 2000 Stell­plät­ze. Ge­schätz­te Kos­ten des Ga­ra­gen­aus­baus im Stadt­zen­trum: rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro.

Mit Schrei­ben vom 20. März die­ses Jah­res an die Na­tur­schutz­be­hör­de der Stadt Salz­burg hat die Fi­nanz­kam­mer der Erz­diö­ze­se Salz­burg ei­ne „Zu­stim­mungs­er­klä­rung“zur von der Salz­bur­ger Park­ga­ra­gen­ge­sell­schaft ge­plan­ten Er­wei­te­rung der Alt­stadt­ga­ra­gen ab­ge­ge­ben. In­halt­lich geht es da­bei um so­ge­nann­te Kel­ler­rech­te, da Tei­le der Ga­ra­ge be­zie­hungs­wei­se des Baustol­lens un­ter Grund­stü­cken ver­lau­fen sol­len, die der Diö­ze­se ge­hö­ren.

Die Zu­stim­mungs­er­klä­rung der Erz­diö­ze­se trägt die Un­ter­schrift von Or­di­na­ri­ats­kanz­le­rin Eli­sa­beth Kand­ler-Mayr und von Ge­ne­ral­vi­kar Ro­land Ras­ser. Die Er­klä­rung ist ei­ne der recht­lich zwin­gen­den Vor­aus­set­zun­gen für die na­tur­schutz­recht­li­che Be­wil­li­gung des Ga­ra­gen­aus­baus.

Un­ter der ei­gent­li­chen Zu­stim­mungs­er­klä­rung fin­den sich „er­gän­zen­de Fest­le­gun­gen“: In die­sen wird fest­ge­hal­ten, dass über die Nut­zung der Grund­stü­cke ei­ne zi­vil­recht­li­che Ver­ein­ba­rung zwi­schen Erz­diö­ze­se und Ga­ra­gen­ge­sell­schaft ab­zu­schlie­ßen ist.

Da­mit ist ein Ser­vi­tuts­ver­trag zwi­schen Kir­che und der im Ei­gen­tum von Stadt und Land ste­hen­den Ga­ra­gen­ge­sell­schaft ge­meint, der auf 99 Jah­re ab­ge­schlos­sen wer­den soll. Ku­mu­liert dürf­te die Erz­diö­ze­se rund fünf Mil­lio­nen Eu­ro er­hal­ten, heißt es in Kir­chen­krei­sen. Dar­über hin­aus wer­de sich die Kir­che auch noch ei­ne be­acht­li­che An­zahl von Park­plät­zen im Berg si­chern.

An­ga­ben, die Ge­ne­ral­vi­kar Ras­ser auf An­fra­ge des STANDARD zwar nicht be­stä­ti­gen, aber auch nicht de­men­tie­ren will. Dass der De­al aus­ge­rech­net in der Zeit der Co­ro­na-Kri­se aus­ge­han­delt wor­den sei, be­grün­det er mit der Angst vor Scha­dens­er­satz­kla­gen durch die Ga­ra­gen­ge­sell­schaft.

Sein Vor­gän­ger im Amt, Hans­jörg Ho­fer, ha­be be­reits 2016 ei­ne der­ar­ti­ge Ver­ein­ba­rung ab­ge­schlos­sen, die­se sei aber von der Be­hör­de aus for­ma­len Grün­den nicht ak­zep­tiert wor­den.

„Au­to­fas­ten“und Ga­ra­gen­bau

Die Bür­ger­initia­ti­ve, die seit Be­ginn der Pla­nun­gen im Jahr 2014 ge­gen die Ga­ra­gen­er­wei­te­rung an­rennt, ist über das Ver­hal­ten der Kir­che höchst em­pört. Es ha­be die Zu­sa­ge ge­ge­ben, dass man we­nigs­ten bis zur Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs war­te, sagt Initia­ti­ven­spre­cher Ro­land

Hu­ber. Beim Ver­wal­tungs­ge­richts­hof ist der­zeit ei­ne Be­schwer­de ge­gen ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des an­hän­gig, nach wel­cher für die Groß­ga­ra­ge kei­ne Um­welt­ver­träg­lich­keits­prü­fung er­for­der­lich ist.

Hu­ber spricht von „Dop­pel­mo­ral“: Auf der ei­ne Sei­te be­wer­be die Kir­che ak­tu­ell das „Au­to­fas­ten“, gleich­zei­tig un­ter­zeich­ne man aber ei­nen De­al für ei­ne Ga­ra­gen­er­wei­te­rung. Und er fra­ge sich, ob so, wie einst Ju­das für 30 Sil­ber­lin­ge Je­sus am Öl­berg ver­kauft ha­be, nun die Erz­diö­ze­se für fünf Mil­lio­nen Eu­ro die „Schöp­fung“in Salz­burg ver­kau­fe.

Die ge­plan­te Er­wei­te­rung der Salz­bur­ger Alt­stadt­ga­ra­ge wird seit Jah­ren von Pro­tes­ten be­glei­tet. Zu­letzt blo­ckier­ten Ak­ti­vis­ten von Fri­days for Fu­ture im Herbst 2019 die Ein­fahrt in den Mönchs­berg.

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