Grü­ne Deutsch­pflicht

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„Die Zei­ten, in de­nen der Gast ein­ge­stie­gen ist und ge­sagt hat: ,Du fah­ren, ich sa­ge‘, die sind vor­bei“, sagt Gök­han Kes­kin von der Wie­ner Ta­xi­in­nung zur Be­grün­dung ei­ner Deutsch­pflicht für Ta­xi- und Uber-Fah­rer. Ta­xi­fah­ren sei kein rei­ner Chauf­feur­dienst: „In­for­ma­tio­nen über die Fahrt­stre­cke, Ver­kehrs­la­ge und Se­hens­wür­dig­kei­ten auf Deutsch ge­hö­ren zur Di­enst­leis­tung da­zu.“Echt? Wir dach­ten, das mit dem „Du fah­ren, ich sa­ge“(ei­gent­lich um­ge­kehrt) wä­re einst ei­ne ras­sis­ti­sche Be­haup­tung über „aus­län­di­sche“Ta­xi­fah­rer ge­we­sen? Und zu ei­ner rich­ti­gen Alt­wie­ner Ta­xi­fahrt ge­hör­te un­ver­lang­tes Po­li­ti­sie­ren, Schimp­fen über Rad­fah­rer oder Strei­ten mit dem Fahr­gast über die rich­ti­ge Rou­te?

Die Deutsch­pflicht für Ta­xi­und Uber-Fah­rer dürf­te ei­ne (wei­te­re) Ak­ti­on der Ta­xilob­by ge­gen Uber & Co sein. Die set­zen näm­lich öf­ter Neu­zu­züg­ler mit schlech­te­ren Deutsch­kennt­nis­sen ein. Die fah­ren halt nach dem Na­vi und nei­gen (auch we­gen der Be­wer­tungs­funk­ti­on) we­ni­ger zu Dis­kus­sio­nen mit dem Kun­den. Und dass aus­ge­rech­net das „grü­ne“In­fra­struk­tur­mi­nis­te­ri­um die Deutsch­pflicht für Chauf­feu­re ver­langt, ist ein Witz. Wä­ren die Grü­nen noch in Op­po­si­ti­on, hät­ten sie laut „Dis­kri­mi­nie­rung“und „Ras­sis­mus“ge­schrien. Es ist ein Chauf­feur­dienst, und für den braucht man kei­ne Se­hens­wür­dig­kei­ten er­klä­ren („In die­sem Ge­bäu­de fand der his­to­ri­sche Rück­tritt von Ul­ri­ke Lu­n­acek statt“).

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