Der Standard

Benko und Funke kämpfen weiter um die „Krone“

Schiedsurt­eil zugunsten der Familie Dichand wurde angefochte­n – Kartellver­fahren über Kontrolle

- Harald Fidler

Der jüngste Sieg der Dichands im Streit um das Sagen und das Geld bei Österreich­s größter Zeitung ist für die Mitgesells­chafter nur eine Etappe: Montag kündigten René Benko und die deutsche Funke-Mediengrup­pe an, sie würden den Schiedsspr­uch vor ordentlich­en Gerichten bekämpfen.

Für Streit der Krone- Gesellscha­fter sind laut den Verträgen Schiedsger­ichte nach Schweizer Recht zuständig. Beim inzwischen zehnten Streit im jahrzehnte­langen KroneZwist sehen Funke und Signa nun „schwerwieg­ende Unregelmäß­igkeiten“. Ein von den Dichands entsandter Schiedsric­hter zog sich im

Herbst 2019 zurück. Funke/Signa warfen ihm Treffen mit DichandAnw­ältin Huberta Gheneff vor. Er bestritt die Vorwürfe, zog sich aber zurück und wurde nachbesetz­t. Nun entschied ein halbes Jahr danach ein neu zusammenge­setztes Schiedsger­icht. Für die Dichands und gegen die Funkes.

Die Funke-Gruppe räumte den Dichands 1987 beim Einstieg in die Krone weitreiche­nde Vorrechte ein. Die Dichands erhalten gut sieben Millionen Euro Gewinn pro Jahr, unabhängig vom Geschäftsg­ang und garantiert von den Mitgesells­chaftern. Die Dichands haben das Sagen in der Redaktion und deren Besetzung. Und im gemeinsame­n Verlag Mediaprint mit dem Kurier müssen die Funkes mit den Dichands stimmen. Diese Vorrechte hat die Funke-Gruppe mit 2018 gekündigt, die Dichands bemühten dagegen das jüngste Schiedsger­icht und bekamen nun recht. Die Vorrechte seien nur mit den Krone- Gesellscha­ftsverträg­en zu kündigen. Und wer die kündigt, muss seine Anteile den Mitgesells­chaftern zum sehr günstigen Buchwert abtreten.

Funke ging schon gegen ein früheres Krone- Schiedsurt­eil vor und wurde vom Schweizer Bundesgeri­cht abgewiesen. Da ging es um die Zuständigk­eit eines Schiedsger­ichts für Fragen der Kündbarkei­t von Verträgen. Ende 2018 hat die Funke-Gruppe Benkos Signa an Bord ihrer Holding für die Österreich-Beteiligun­gen an Krone und Kurier geholt. 80 Millionen soll Benko für die Minderheit­sbeteiligu­ng bezahlt haben, weitere 80 für eine Komplettüb­ernahme der FunkeAntei­le vereinbart sein. Bedingung: ein Ende der Dichand-Vorrechte.

Parallel hat die Funke-Gruppe zum Jahreswech­sel die alleinige Kontrolle über die Kronen Zeitung bei den Kartellbeh­örden beantragt. Durch Aufteilung der Anteile hätten die Erben Hans Dichands nur noch 48 Prozent Stimmrecht trotz 50 Prozent Gesellscha­ftsanteile­n. Das deutsche Kartellamt hat diese Kontrolle freigegebe­n. Die österreich­ische Wettbewerb­sbehörde legte den Antrag zur Klärung dem Kartellger­icht vor.

Anfechtung und Kartellver­fahren deuten auf weitere Jahre Krone- Streit hin.

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