Der Standard

Wirtschaft steht laut IHS vor kräftigem Wachstum

Bis 2025 wird das BIP in Österreich laut IHS im Schnitt um 2,5 Prozent pro Jahr zunehmen. Die Arbeitslos­igkeit soll nur langsam sinken, ein Sparpaket zur Budgetkons­olidierung sei nicht nötig.

- Alexander Hahn

Wien – Für Österreich­s Wirtschaft ist die Corona-Krise weitgehend abgehakt. Besonders heuer und 2022 soll es wegen Aufholeffe­kten beim Konsum und hohen Investitio­nen zu einem Wachstumss­chub kommen, prognostiz­iert das Institut für Höhere Studien (IHS). Danach sollte das BIP bis 2025 langsamer, aber immer noch auf Vorkrisenn­iveau zulegen.

Bis dahin erwarten die IHS-Ökonomen im Durchschni­tt 2,5 Prozent Wachstum pro Jahr. Auch der Jobmarkt fasst wieder Tritt, wenngleich langsamer. Zwar soll die Arbeitslos­enquote heuer auf 8,4 Prozent sinken, das Vorkrisenn­iveau von etwa 7,5 Prozent werde erst 2025 erreicht. (red)

Unterm Strich hat die österreich­ische Wirtschaft den Corona-Schock des Vorjahrs gut verdaut und befindet sich wieder auf Wachstumsk­urs. Das geht aus der mittelfris­tigen Konjunktur­prognose des Instituts für höhere Studien (IHS) hervor. Demnach soll nach zwei Jahren mit kräftigem Wachstum, getrieben durch Nachholeff­ekte, sich die Lage wieder auf Vorkrisenn­iveau einpendeln. Im Durchschni­tt soll das heimische BIP von heuer bis 2025 um 2,5 Prozent pro Jahr wachsen.

Nach dem massiven Einbruch im Vorjahr von minus 6,3 Prozent wegen der Corona-Pandemie ist die Konjunktur heuer wieder in Schwung gekommen. Diese soll in einer kräftigen Erholung in den Jahren 2021 (3,4 Prozent) und 2022 (4,5 Prozent) münden. Treiber ist die Binnenkonj­unktur: Der private Konsum soll heuer und im nächsten Jahr zwischen vier und fünf Prozent zulegen, nachdem er im Vorjahr durch die Lockdowns schwere Einbrüche erlitten hatte. Die Folge war eine hochgeschn­ellte Sparquote, die sich heuer wieder auf einem üblichen Niveau von 7,5 bis acht Prozent einpendeln sollte. Auch die Einkommens­situation der Haushalte sei relativ solide. „Dann können sie auch wieder mehr konsumiere­n“, folgert der Konjunktur­experte des IHS, Helmut Hofer.

Zudem soll auch die hohe Investitio­nstätigkei­t die Konjunktur heuer und 2022 unterstütz­en. Keine wesentlich­en Wachstumsi­mpulse werde der Außenhande­l liefern, wo Im- und Exporte im Gleichschr­itt zulegen sollen.

„Normales Wachstum“2023

Die Aufholeffe­kte werden laut Hofer die Wirtschaft bis zum nächsten Jahr prägen, danach werde Österreich wieder auf normales Wachstum wie vor der Krise von etwa 1,5 Prozent zurückkehr­en. Die hohen Inflations­raten sind Hofer zufolge nur vorübergeh­end und sollen sich bei knapp über zwei Prozent einpendeln. Auch die hohen Rohstoffpr­eise und die Lieferverz­ögerungen in der globalen Warenwirts­chaft seien nur kurzfristi­ger Natur.

Anders der Jobmarkt, der erst gegen Ende des fünfjährig­en Prognoseze­itraums wieder das Vorkrisenn­iveau mit einer Arbeitslos­enquote von etwa 7,5 Prozent erreichen soll. Aber schon heuer ist ein deutlicher Rückgang von 9,9 Prozent auf 8,4 Prozent zu erwarten. Ein zunehmende­s Problem werden Hofer zufolge jedoch der Fachkräfte­mangel und die sogenannte MissmatchA­rbeitslosi­gkeit zunehmen. Dies ist der Fall, wenn Unternehme­n Arbeitskrä­fte mit anderen Qualifikat­ionen suchen, als diese aufweisen. „Dieser Trend könnte sich noch verstärken“, sagt Hofer. Die zusätzlich­en Mittel für aktive Arbeitsmar­ktpolitik würden diesem Problem aber entgegenwi­rken.

„Man braucht kein großes Konsolidie­rungsprogr­amm, um wieder auf einen nachhaltig­en Budgetkurs zu kommen“, sagt Hofer, stellt aber im Nachsatz klar: „Man muss wieder zu einer normalen Budgetieru­ng zurückkehr­en.“In der Krise habe Österreich von seiner guten budgetären Ausgangspo­sition profitiert, erinnert Hofer, dorthin sollte man auch wieder zurückkehr­en.

Nach einem Defizit von 7,4 Prozent des BIP im laufenden Jahr sollte sich das Minus bis 2025 auf 1,2 Prozent des BIP verringern. In dieser Vorschau sei die von der Regierung angekündig­te ökosoziale Steuerrefo­rm und die geplante Senkung der Besteuerun­g des Faktors Arbeit nicht berücksich­tigt. „Das muss natürlich finanziert werden“, gibt Hofer zu bedenken.

Ausgabense­itig gelte es, die Staatsausg­aben in produktion­serhöhende Bereiche wie Forschung und Entwicklun­g zu lenken sowie Sparpotenz­iale zu nutzen. Mit Blick auf die demografis­che Entwicklun­g fügt Hofer hinzu, dass man eine Reform im Pensionsbe­reich brauchen werde.

Atypische Krise

Welche Risiken die Prognose des IHS gefährden könnten? Hofer nennt ein weiteres Aufflammen der Pandemie mit neuerliche­n Einschränk­ungen. Zudem sieht er in den staatliche­n Hilfen mögliche Problemque­llen: Werden diese zu schnell zurückgefa­hren, bestehe das Risiko einer Pleitewell­e. Zu lange Hilfen, etwa bei der Kurzarbeit, können zu Strukturve­rkrustunge­n führen, die Wachstum dämpfen.

Rückblicke­nd habe sich die Corona-Krise als „atypische Wirtschaft­skrise“erwiesen, da diesmal der private Konsum eingebroch­en sei, der sonst Stütze in Krisenzeit­en sei. Dafür hätten sich die Sachgüterp­roduktion und die Industrie Hofer zufolge schnell auf die Krise eingestell­t und diese gut überdauert.

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