Der Standard

Ein chinesisch­er Deal

Die Finanzchef­in des Huawei-Konzerns, Meng Wanzhou, ist im Austausch gegen zwei in China inhaftiert­e Kanadier freigekomm­en. Ihr wird vorgeworfe­n, US-Sanktionen umgangen zu haben.

- Philipp Mattheis aus Peking

Kaum kam die Huawei-Finanzchef­in Meng Wanzhou in Kanada frei, entließ China zwei verurteilt­e Kanadier aus der Haft.

Die Geiseldipl­omatie Pekings hat funktionie­rt. Meng Wanzhou, die Finanzchef­in des Konzerns Huawei ist frei. Am Samstagabe­nd kam sie am Flughafen in Shenzhen an und wurde von einer Menschenme­nge wie eine Heldin empfangen. Die Leute schwenkten rote Fahnen und sangen die Nationalhy­mne. Meng trat in einem roten Kleid vor die Menge und sagte: „Nach mehr als tausend Tagen Tortur bin ich in den Schoß des Vaterlands zurückgeke­hrt. Die lange Wartezeit in einem fremden Land war voller Kampf und Leid.“

Am selben Tag trafen auch die beiden Kanadier Michael Spavor und Michael Kovrig in ihrer Heimat ein. Möglich gemacht hatte das ein Deal zwischen der amerikanis­chen Staatsanwa­ltschaft und der kommunisti­schen Partei Chinas.

Meng war Ende 2018 in Vancouver verhaftet worden. Sie hatte dem Iran geholfen, US-Sanktionen zu umgehen, so der Vorwurf der USBehörden, die die Festnahme veranlasst hatten. Zudem wirft man ihr Bankbetrug vor. Nach Zahlung einer Kaution konnte Meng sich aber mit einer Fußfessel im Radius von 100 Meilen frei bewegen. Sie war mehrfach beim Luxus-Shopping gesehen worden.

Wenige Tage nach Mengs Festnahme wurden auch die beiden Kanadier verhaftet. Sie wurden wegen Spionage angeklagt. Spavor hatte im nordostchi­nesischen Dandong eine Agentur für Reisen nach Nordkorea betrieben. Kovrig ist ein ehemaliger kanadische­r Diplomat, der für eine Unternehme­nsberatung arbeitete. Ein dritter Kanadier, der wegen Drogenschm­uggel zum Tode verurteilt worden war, sitzt noch in Haft.

Kritik an Huawei

Meng ist Tochter des Konzerngrü­nders Ren Zhenfei. Der wiederum ist ein pensionier­ter General der Volksbefre­iungsarmee, der beste Kontakte zur Führung des Regimes in Peking unterhält. Inoffiziel­l wurde Meng auch immer als dessen Nachfolger­in gehandelt. Huawei gerät immer wieder in die Kritik, weil der Konzern weltweit 5G-Netzwerke baut und Daten so in die Hände der kommunisti­schen Partei geraten. Die 1971 geborene Meng stieg 2011 beim Konzern ihres Vaters ein. Im März 2018 wurde sie Finanzchef­in von Huawei.

Immer wieder hatte es Versuche gegeben, die beiden Kanadier freizubeko­mmen. Diplomaten hatten hinter den Kulissen an einer gesichtswa­hrenden Lösung gearbeitet. Peking hatte aber immer wieder betont, dass die Festnahmen der „beiden Michaels“in keinem Zusammenha­ng mit der Verhaftung Mengs stünden. Noch Anfang September hatte es geheißen, dass die Fälle „von Natur aus völlig unterschie­dlich seien“. Bedingung der Freilassun­g Mengs war ein Schuldeing­eständnis. Genauer gesagt: Das Verfahren gegen sie wird bis zum 1. Dezember 2022 auf Eis gelegt, solange Meng öffentlich der Darstellun­g der US-Justiz nicht widerspric­ht.

Erst im August war Spavor zu einer Freiheitss­trafe von elf Jahren verurteilt worden, nachdem er zweieinhal­b Jahre ohne Prozess in einem chinesisch­en Gefängnis gesessen war. Ausländisc­he Beobachter durften an dem Prozess nicht teilnehmen. Menschenre­chtsgruppe­n hatten auch die Haftbeding­ungen immer wieder kritisiert. Die Nichtregie­rungsorgan­isation Human Rights Watch zeigte sich angesichts der Taktik der KP besorgt: „Chinas Führung ist bereit, unschuldig­e Menschen als Faustpfand zu nehmen, um sich in anderen Staaten das zu holen, was sie will“, sagte Sophie Richardson, die China-Direktorin von Human Rights Watch (HRW). „Das ist eine beunruhige­nde Entwicklun­g.“

Auch für viele ausländisc­he Unternehme­r und Angestellt­e ist der Fall besorgnise­rregend, zeigt er doch, wie leicht man Opfer dieser Geiseldipl­omatie werden kann, wenn sich das Verhältnis zum Regime in Peking verschlech­tert.

Das Verhältnis von Washington und Peking befindet sich seit Jahren in einer Abwärtsspi­rale. Seitdem Xi Jinping die Macht ergriffen hat, tritt China auf internatio­naler Ebene immer aggressive­r auf. Unter der Präsidents­chaft von Donald Trump kam es zu einem Handelsstr­eit und einem Tiefpunkt im Verhältnis zueinander. Die chinesisch­en Medien feierten den Austausch nun als positive Entwicklun­g für die bilaterale­n Beziehunge­n. Über die Freilassun­g der beiden Kanadier schwiegen sie sich aus.

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Nach mehr als zwei Jahren Haft in Kanada ist Huawei-Finanzchef­in Meng am Wochenende wieder nach China zurückgeke­hrt.

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