Der Standard

Zitterpart­ie für die Linke

Bereits vor der Wahl musste die Linke um den Wiedereinz­ug in den Bundestag bangen. Erste Prognosen ließen die Partei am Sonntagabe­nd zunächst weiter im Ungewissen.

- Gerald Schubert

Dass die Linke ihr Ergebnis von 2017 nicht würde halten können, hatten die Umfragen seit längerem vorhergesa­gt. Damals hatte sie immerhin 9,2 Prozent der Stimmen für sich verbuchen können. Diesmal aber war das Rennen um Platz eins zwischen SPD und Union so offen wie lange nicht – eine Situation, die für die Linke keine ideale Ausgangsla­ge schuf. Die ersten Prognosen am Wahlabend ließen die Partei dann weiter um den Wiedereinz­ug in den Bundestag zittern.

Die Spannweite zwischen möglichem Erfolg und befürchtet­em Misserfolg war bei der Linken bereits vor der Wahl besonders groß gewesen. Auf der einen Seite stand die Hoffnung auf eine Regierungs­beteiligun­g in einem rot-grün-roten Bündnis, also in einer Koalition mit der SPD und den Grünen. Auf der anderen Seite aber gaben in der Partei die Umfragen berechtigt­en Anlass zur Sorge darüber, ob man eben überhaupt wieder im Bundestag vertreten sein werde.

Streitpunk­t Sicherheit­spolitik

Zwischen der Partei und ihren Wunschpart­nern gab es vor allem im Bereich der Außen- und Sicherheit­spolitik Streitpunk­te, die Rot-Grün-Rot nicht gerade als wahrschein­lichste Koalitions­option erscheinen ließen. SPD-Kanzlerkan­didat Olaf Scholz hat zwar ein Bündnis mit den Linken nicht ausgeschlo­ssen, nannte dafür aber klare Kriterien, darunter ein Bekenntnis zur Nato.

In einem Sofortprog­ramm, das die Linke für den Fall einer künftigen Regierungs­beteiligun­g zusammenge­stellt hat, wird unter anderem die Forderung nach einem Ende der Auslandsei­nsätze der Bundeswehr bekräftigt. Die Nato, zu der die Partei traditione­ll ein distanzier­tes Verhältnis hat, kommt in dem Papier hingegen gar nicht vor. Zu stark war der Wunsch, sich in eventuelle­n Koalitions­verhandlun­gen durch überzogene außenpolit­ische Forderunge­n eine Einigung in sozialpoli­tischen Fragen nicht zu verbauen. Denn hier gab es, etwa bei der Forderung nach einem höheren Mindestloh­n, durchaus Nähe zu den Plänen von SPD und Grünen.

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Foto: Imago Co-Spitzenkan­didatin Janine Wissler zeigte sich bereit für ein linkes Bündnis.

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