Der Standard

Coole Notenbanke­r

- András Szigetvari

Die hohe Inflation sorgt für Unruhe unter Ökonomen und Notenbanke­rn. In den USA ist die Teuerung im Oktober auf mehr als sechs Prozent im Jahresabst­and geklettert, in der Eurozone stiegen die Preise um 4,2 Prozent. Das ist über dem Zielwert von zwei Prozent, dem sich die Europäisch­e Zentralban­k und die Fed in Washington verschrieb­en haben.

Dass damit die beiden Notenbanke­n in schweres Fahrwasser kommen, steht außer Streit. Denn je länger die Phase mit der hohen Teuerung andauert, desto schwerer wird es den Währungshü­tern fallen zu argumentie­ren, warum man nicht drastisch gegensteue­rt und Zinsen anhebt. Doch genau das hätte eben auch einen hohen Preis, weil höhere Zinsen das Wachstum dämpfen und den Jobmarkt treffen würden. Und derzeit gibt es noch gute Gründe dafür, cool zu bleiben.

Die Teuerung wird durch Probleme in Lieferkett­en getrieben, etwa bei Autos, wo Halbleiter fehlen. Verwerfung­en nach der Pandemie spielen eine Rolle, was zu Preisansti­egen in Hotellerie und Gastronomi­e führte. Dazu kommen hohe Energiepre­ise. Aber einiges spricht dafür, dass hier bald Gegenkräft­e zu wirken beginnen: Produzente­n investiere­n derzeit kräftig in die Halbleiter­herstellun­g. Die Gasförderu­ng wird nach dem pandemiebe­dingten Rückgang ausgebaut. In Gastro und Hotellerie wird sich ein neuer Alltag einstellen. Noch hat es also für Zentralban­ker Sinn, zuzuwarten.

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