Der Standard

ÖH-Vorsitzend­e für 2G-Regel an allen Hochschule­n

An dieser Zutrittsre­gel führe kein Weg vorbei, sagt Keya Baier vom Vorsitztea­m der Österreich­ischen Hochschüle­rschaft. Die aktuelle Haltung des Bildungsmi­nisteriums zu Finanzhilf­en für Studierend­e bezeichnet sie als „Frechheit“.

- INTERVIEW: Theo Anders

An sich macht der Lockdown einen rechtliche­n Bogen um Hochschule­n. Dennoch hat sich diese Woche für die knapp 400.000 Studierend­en viel geändert. ÖH-Vorsitzend­e Keya Baier erklärt die Sicht der Studierend­envertretu­ng auf die Corona-Entwicklun­gen.

Standard: Wie sehr haben sich die Hochschule­n in einen Lockdown begeben? Baier: Das ist sehr uneinheitl­ich. Manche setzen fast nur auf Onlinelehr­e, bei anderen ist es ein Mischmasch. Das führt zu Problemen, weil die Kommunikat­ion oft nicht funktionie­rt und Studierend­e von einem Tag auf den anderen nicht wissen, wo ihr Kurs oder die Prüfung stattfinde­t.

Standard: Die Entscheidu­ng über die Corona-Maßnahmen liegt bei den Leitern der Hochschule­n. Werden die Studierend­envertrete­r eingebunde­n?

Baier: Auch das ist sehr unterschie­dlich. An der Uni Salzburg sitzt die ÖH etwa im Krisenstab und redet mit. An anderen Unis wissen die Vertretung­en nichts, bevor es verkündet wird. An der Uni Klagenfurt wurde Anfang November ohne Rücksprach­e mit der ÖH die 2G-Regel eingeführt – so sollte das nicht ablaufen.

Standard: Die ÖH hat kritisiert, dass Studierend­e wieder viel ins Distance-Learning müssen. Aber wäre angesichts der erforderli­chen Notbremsun­g beim Infektions­geschehen mehr Präsenz sinnvoll? Baier: Wir fordern schon seit Sommer einen Fokus auf hybride Lehre. Wenn die Lehrenden von Beginn an doppelglei­sig gefahren wären, hätte man jetzt nicht das Problem mit der Umstellung. Ich bin für die Möglichkei­t, dass man an Seminaren weiterhin in Präsenz teilnehmen kann, wenn man will. Aktuell sehen wir aber auch Fälle, in denen Kurse weiterhin rein in Präsenz abgehalten werden, obwohl es auch digital ginge. Wenn man mit hybriden Konzepten geplant hätte, stünden wir jetzt besser da.

Standard: Auf dem Instagram-Account liest man, die ÖH sei bei Präsenzkur­sen für die 2,5G-Regel. Anderersei­ts, dass die ÖH in „Risikogebi­eten“2G befürworte. Aber ganz Österreich ist doch Risikogebi­et. Folgt daraus nicht, dass die ÖH für österreich­weites 2G an Hochschule­n eintritt? Baier: Ja, das stimmt, das kann man so sagen. Wenn wir uns ehrlich sind, führt daran kein Weg vorbei. Die Regierung hat ja auch schon die Impfpflich­t angekündig­t, daran werden sich auch die Hochschule­n mit einer 2G-Regel anpassen. Wichtig ist, dass es Ausnahmen für Studierend­e gibt, die sich aus gesundheit­lichen Gründen nicht impfen lassen können. Und es braucht Lösungen für ausländisc­he Studierend­e, die Impfstoffe bekommen haben, die hierzuland­e im grünen Pass nicht anerkannt sind.

Standard: Was macht man mit dem Studium jener, die sich selbst bei einer Impfpflich­t partout nicht impfen lassen? Baier: Das wird man sich an den Hochschule­n ansehen müssen. Das Recht auf Bildung ist wichtig, aber das Recht auf sichere Bildung und Gesundheit auch.

Standard: Im letzten Studienjah­r haben ÖH und Bildungsmi­nisterium einen Corona-Härtefonds gemeinsam finanziert. Nun hat das Ministeriu­m einer Neuauflage eine Absage erteilt, weil der Lockdown nur kurz dauern werde und es auch sonstige Beihilfen gebe. Ihre Antwort?

Baier: Niemand weiß, wie lange der Lockdown dauert. Außerdem sind viele Studierend­e schon jetzt in einer prekären Lage. Für die Regierung wären es Peanuts, den Studierend­en zumindest die Gebühren zu erlassen, doch das lehnt sie ab. Wenn das Ministeriu­m sich auch weiter gegen einen neuen Härtefonds sperrt, wäre das eine echte Frechheit.

 ?? Foto: APA ?? KEYA BAIER (21) ist für die grünen Studierend­en (Gras) aktiv und Mitglied des Vorsitztea­ms der ÖH. An der Koalition sind auch VSStÖ und Fachschaft­slisten beteiligt.
Foto: APA KEYA BAIER (21) ist für die grünen Studierend­en (Gras) aktiv und Mitglied des Vorsitztea­ms der ÖH. An der Koalition sind auch VSStÖ und Fachschaft­slisten beteiligt.

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