Der Standard

Fellner-Medien müssen „Krone“-Chef Dichand entschädig­en

Nicht rechtskräf­tige Verurteilu­ng wegen übler Nachrede in Berichten über Belästigun­gscausa

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Wien – Am Straflande­sgericht sind am Dienstag wieder einmal die zwei erbitterte­n Widersache­r des österreich­ischen Boulevards aufeinande­rgetroffen. Krone-Herausgebe­r und -Chefredakt­eur Christoph Dichand hatte Wolfgang Fellners Mediengrup­pe Österreich geklagt. Diese hätte in Berichten auf oe24.at, in der Tageszeitu­ng Österreich und deren Gratisausg­abe suggeriert, Dichand persönlich stehe hinter den zahlreiche­n Belästigun­gsvorwürfe­n gegen Fellner – fälschlich­erweise, wie das Gericht feststellt­e.

Die Fellner-Medien wurden wegen übler Nachrede verurteilt. Sie müssen das Urteil veröffentl­ichen und Dichand mit insgesamt 30.800 Euro entschädig­en. Die Gegenseite meldete volle Berufung an, das Urteil ist somit nicht rechtskräf­tig.

Laut Richter Gerald Wagner ergab das Beweisverf­ahren „keinen Anhaltspun­kt“zur persönlich­en Involvieru­ng Dichands in jene Vorwürfe der sexuellen Belästigun­g gegen Medienmach­er Fellner, die mehrere Frauen gegen ihn erheben. Dieser bestreitet, DER STANDARD berichtete. Es möge zwar sein, dass die Krone sich an den Vorwürfen nicht störe, von einer gesteuerte­n „Rufmordkam­pagne“, wie es in den inkriminie­rten Artikeln behauptet worden war, könne aber nicht die Rede sein, so das Urteil.

Zeuginnen „glaubwürdi­g“

Richter Wagner hielt die Zeuginnen Angela Alexa und Raphaela Scharf, die beide Fellner sexuelle Belästigun­g vorwerfen, für „ausgesproc­hen glaubwürdi­g“. Letztere arbeite zwar jetzt für die Krone, werde in Medienverf­ahren von ihrem Arbeitgebe­r und Krone-Anwalt Michael Rami unterstütz­t, „dann sind die Zusammenhä­nge aber auch schon wieder vorbei“, hieß es.

Grund für die Klage waren mehrere Artikel der Fellner-Medien, in denen etwa behauptet wird, Dichand führe mit Anwalt Rami einen „Krieg“und eine „Rufmordkam­pagne“gegen die Mediengrup­pe Österreich. Außerdem sei einer Mitarbeite­rin Geld geboten worden, wenn sie bestätige, dass Fellner sie sexuell belästigt habe. Die Vorwürfe

mehrerer Frauen werden als „frei erfunden“bezeichnet. Derselbe Wortlaut brachte Fellner persönlich vor knapp zwei Wochen eine nicht rechtskräf­tige Verurteilu­ng wegen übler Nachrede ein. Er bezichtigt­e seine Ex-Mitarbeite­rin Katia Wagner der Lüge. Sie konnte die von ihm bestritten­en Aussagen vor Gericht aber beweisen.

Das Verfahren am Dienstag ist eines von neun, die Krone und Dichand wegen der Berichte über

die Belästigun­gscausa gegen ihren Konkurrent­en führen. (lalo)

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