Der Standard

Tiroler Bergromant­ik

Zu den aktuellen Angebotssc­hwerpunkte­n der Klassische­n Moderne gehören bei „im Kinsky“Werke Tiroler Künstler sowie von Künstlerin­nen, die einst Seite an Seite mit Henri Matisse oder Gustav Klimt reüssierte­n.

- Olga Kronsteine­r

Eine Schmuggler­geschichte, die in den Dolomiten im Grenzgebie­t zu Italien spielt, gehört eher nicht zu den Motiven, die man spontan mit Alfons Walde assoziiere­n würde. Duell in den Bergen hieß nicht nur der Kriminal- und Bergfilm aus dem Jahr 1950, bei dem Luis Trenker Regie führte, sondern auch sein im Jahr darauf erschienen­e gleichnami­ger Roman.

Walde, der Trenker schon aus der Schulzeit und vom Studium an der Technische­n Hochschule in Wien kannte, gestaltete einige Buchumschl­äge für ihn. Die Vorlage für Duell in den Bergen ist eines von zwölf Werken Waldes, die im Rahmen der Sommeraukt­ion bei „im Kinsky“in der Sparte Klassische Moderne zum Aufruf gelangen. Darunter solche Sujets, für die er weit über die Grenzen Österreich­s hinaus bekannt wurden: bäuerliche Szenen mit Kirchgänge­rn, Schneeland­schaften aus der Kitzbühele­r Bergwelt und das von Walde eingeführt­e Genre der Winterspor­tbilder. Seltener schuf er Sommerbild­er wie den mehrfach variierten Bergweiler, von dem eine Fassung aus dem Jahr 1947 mit Originalra­hmen einen neuen Besitzer sucht.

Abseits der Bergromant­ik, zu der in der aktuellen Auswahl auch eine

Bergkapell­e (1930) sowie ein Bildstock (1927) von Oskar Mulley zu zählen sind, warten zudem zwei Beiträge von Albin Egger-Lienz, der als einer der bedeutends­ten Tiroler Maler des 20. Jahrhunder­ts gilt: ein Bauerngehö­ft (um 1902) sowie die Studie zu einer Scheune, auf der sich rückseiode­r tig auch eine Figurenstu­die befindet. Ob diese beiden Arbeiten in der Freilichtw­erkstatt des Künstlers entstanden, ist nicht erwiesen, aber wahrschein­lich.

Zu den weiteren Highlights der frühen Moderne gehören eine erotische Zeichnung von Gustav Klimt auch die Kohlezeich­nung Männlicher Akt (1908) von Egon Schiele, für die einst Rudolf Leopold ein Gutachten verfasste. Erwähnensw­ert sind auch die Werke renommiert­er Künstlerin­nen wie Norbertine Bresslern-Roth, die mit einem großformat­igen Schneeleop­ard (1939) vertreten ist, oder Broncia Koller-Pinell und Helene Funke. Letztere war aus Chemnitz gebürtig, studierte an der Münchener Akademie und lebte einige Jahre in Paris, zeitweise im selben Haus, in dem Gertrud Stein ihren berühmten Künstlersa­lon führte.

Steigende Nachfrage

Funkes Werke wurden in Paris Seite an Seite neben solchen von Matisse, Derain und Vlaminck gezeigt, und auch in Wien gehörte sie in den 1920er-Jahren zu den meistausge­stellten Künstlerin­nen der Stadt. Einer ersten musealen Retrospekt­ive im Lentos (Linz) 2007 folgte eine umfangreic­he Werkschau in Chemnitz, die zu steigender Nachfrage unter Sammlern führte: Bei „im Kinsky“stehen zwei Gemälde zur Wahl, Haus am Wasser (1905/06) und ein Mädchenpor­trät aus den 1920er-Jahren.

Von Broncia Koller-Pinell, die zum engeren Kreis um Gustav Klimt und die Secessioni­sten zählte und Egon Schiele förderte, warten zwei Landschaft­en, ein Blumenstil­lleben und zwei Porträts mit biografisc­hen Bezügen im Angebot: das ihrer Schwester Etka sowie das von ihrem zweijährig­en Sohn Rupert, der später Dirigent wurde.

 ?? ?? Bei Alfons Walde machte sich der Sommer, wie hier beim Bergweiler (1947), motivisch vergleichs­weise rar. Neben bäuerliche­n Szenen dominierte­n verschneit­e Bergwelten und das von ihm begründete Genre der Winterspor­tbilder sein Schaffen.
Bei Alfons Walde machte sich der Sommer, wie hier beim Bergweiler (1947), motivisch vergleichs­weise rar. Neben bäuerliche­n Szenen dominierte­n verschneit­e Bergwelten und das von ihm begründete Genre der Winterspor­tbilder sein Schaffen.

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