Der Standard

DA MUSS MAN DURCH

Ein großer Brauner im Bett von Johnny. Späte Nachbetrac­htung zum „Ehedrama“Heard/Depp

- Die Krisenkolu­mne von Christoph Winder

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, aber die Beziehungs­kiste Amber Heard / Johnny Depp rumort immer noch in meinem Oberstübch­en herum. Dabei habe ich mich davor gehütet, auch nur fünf Minuten von diesem jämmerlich­en Gerichtssa­aldrama anzuschaue­n, schließlic­h habe ich meine Zeit nicht gestohlen. Und, Hand aufs Herz: Warum, um Christi Himmels willen, sollte ich mich um das Eheglück von zwei mir persönlich vollkommen unbekannte­n Hollywoodf­iguren sorgen?

Leider bin ich aber ein Konsument von „sozialen“und sonstigen Medien. Ein Kollateral­schaden dieser Tätigkeit besteht darin, dass man ungewollt jede Menge Informatio­n aus der Rubrik Schmutz und Schund mitbekommt, die man nie und nimmer wissen wollte, auch vom Ehedrama Heard/ Depp, soll heißen. Meine bescheiden­e Meinung dazu: Wenn man mit Depps öffentlich geäußerten Vergewalti­gungsfanta­sien über seine Ehefrau konfrontie­rt wird, weiß man, wie zutreffend die lateinisch­e Sentenz „nomen est omen“doch ist.

Frau Heard ist aber auch kein Lercherl. Ich bin keineswegs prinzipiel­l johnnyphil und amberophob, aber im Bett des Ehegatten einen großen Braunen zu deponieren, ist ungustiös, bestenfall­s Resultat eines sehr bizarren Humors und schlechtes­tenfalls Resultat einer ausgesproc­henen Bösartigke­it. Man stelle sich vor, solche Sitten rissen in der Koalitions­ehe von Volksparte­i und Grünen ein! Jeden Abend Krapfenala­rm bei Nehammer und Kogler!

Bei meinen Recherchen zum Thema „Hollywoode­hen“bin ich auch auf jene von Michelle Phillips (eine der beiden Sängerinne­n von The Mamas and the Papas) mit Dennis Hopper gestoßen. Sie hat genau acht Tage gedauert, also ziemlich lange. Ich kann nämlich gut verstehen, warum sich dieses Paar getrennt hat. Wäre ich kein reuelos bekennende­r Cis-HeteroBeid­l, sondern homosexuel­l, hätte ich lieber Jair Bolsonaro oder Donald Trump geheiratet als Dennis Hopper. Der hat mir in seiner Rolle als Frank Booth in Blue Velvet solche Angst gemacht, dass ich heute noch glaube, Hopper war einfach ein naturböser Typ.

Ich schließe mit zwei Zitaten aus der Literatur. „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“, schrieb Schiller, und er hat ebenso recht wie Shakespear­e, dem wir diese Einsicht verdanken: „Gut gehängt ist besser als schlecht verheirate­t.“

 ?? ??

Newspapers in German

Newspapers from Austria