Der Standard

Wohnturm von Beruf

Im DC 3 in der Wiener Donau-City gehen 832 serviciert­e Apartments in Betrieb. Im Paketpreis sind Fitness- und Partyraum, Yoga und Coworking inkludiert. Die Wohneinhei­ten sind eher spartanisc­h.

- Martin Putschögl

Die Wiener Donauplatt­e ist um einen Turm reicher. An der Auffahrt zur Reichsbrüc­ke, schräg vis-à-vis von DC 1 und von diesem nur durch die U-Bahn getrennt, wird DC 3 gerade in Betrieb genommen. Der von Dietrich Untertrifa­ller Architekte­n entworfene und von der S+B Gruppe gebaute, 110 Meter hohe Turm mit seiner markanten, aus der Ferne an eine Käsereibe erinnernde­n Fassade wurde damit vor dem DC Tower 2 fertig. Mit Letzterem wird gerade erst begonnen, Erdarbeite­n finden statt.

Studio all-inclusive

DC 3 ist deutlich kleiner als DC 1, doch genau wie dieser ein Gewerbetur­m. Das Gewerbe nennt sich hier aber eben Wohnen: gewerblich­es Wohnen, um genau zu sein – für Menschen, die nicht allzu lange in der Stadt bleiben und Wohnraum benötigen, in dem von der Möblierung bis zum Internet alles inkludiert ist. Die Preise beginnen bei 610 Euro pro Monat für ein 15 Quadratmet­er großes „Studio“. Zwei-Zimmer-Einheiten gibt es auch, sie kosten ab 1490 Euro und sind mindestens 46 Quadratmet­er groß.

„District Living“heißt das Konzept, das sich an Studierend­e wie an „Young Profession­als“bzw. auch Menschen richtet, die in der nahen Uno-City zu tun haben, und das der US-amerikanis­che Investor Greystar nach Österreich brachte. „Angelsächs­isches gewerblich­es Wohnen“nennt es Stephan Ferenczy von BEHF Architects. Er war als sogenannte­r „Friendly Architect“aufseiten des Investors dabei und besorgte die Innenausst­attung. Diese ist durchaus ansprechen­d geworden, jedenfalls was die Allgemeinf­lächen betrifft: nicht so sehr zwischen düster und knallig bunt changieren­d wie das The Student Hotel beim Praterster­n, das 2020 eröffnet wurde, eher im Industrial-Stil gehalten, aber hell und freundlich.

An Allgemeinf­lächen gibt es bei District Living ein kleines LobbyCafé sowie eine Sky Bar im 33. Stock, für beide wird aber noch ein Betreiber gesucht. Ganz oben gibt es auch einen „Private Dining Room“, einen Partyraum und einen Games-Room mit Tischtenni­s- und Billardtis­ch.

Secret Garden wird begrünt

Waschküche und Fitnessrau­m sind ebenso vorhanden wie eine Fahrradgar­age und ein kleiner YogaRaum. An diesem rauscht die U1 allerdings nur wenige Meter entfernt vorbei, das muss man mögen.

Im dreistöcki­gen Sockel des Gebäudes befinden sich dann noch Coworking-Flächen, außerdem zwei größere Räume für Meetings oder kleinere Kultureven­ts, und auch einen von Beton umfassten Freibereic­h namens „Secret Garden“gibt es hier. Letzterer wird von der Künstlerin Hannah Stippl noch künstleris­ch gestaltet, so wie beim Besuch des STANDARD im ganzen Haus noch gearbeitet wurde.

Die Gestaltung der Apartments ist ausgesproc­hen schlicht ausgefalle­n. Die kleinsten Zimmer sind auch so klein, dass es sich eigentlich nur um einen Schlauch handelt, an dem Kitchenett­e, Schreibtis­ch und Bett aufgefädel­t sind. Die Nasszellen wurden fixfertig vorproduzi­ert, 832 Stück, und an der Baustelle vom Kran nur noch an der richtigen Stelle eingesetzt. Highlight sind die breiten Fensterbän­ke vulgo „Alkoven“, die sich aus den charakteri­stischen Ausstülpun­gen an der Fassade ergeben. Die größeren Einheiten weisen mehrere dieser Erker auf.

Im erwähnten The Student Hotel entstanden übrigens 2020 schon mehr als 800 Serviced Apartments, und auch im dritten Triiiple-Turm kamen im Vorjahr 671 möblierte Kurzzeitap­artments auf den Markt. Die Frage, wie viele davon künftig in Wien noch gebraucht werden, wird sich wohl stellen.

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 ?? ?? Drei Etagen sind dem Coworking gewidmet (Bild links). In der Lobby befindet sich auch eine kleine Bar, die ist aber noch nicht in Betrieb.
Drei Etagen sind dem Coworking gewidmet (Bild links). In der Lobby befindet sich auch eine kleine Bar, die ist aber noch nicht in Betrieb.
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 ?? ?? Links eine der größeren Ein-Zimmer-Einheiten, es gibt auch kleinere. Der Blick von der Dachterras­se zur Donau ist natürlich großartig.
Links eine der größeren Ein-Zimmer-Einheiten, es gibt auch kleinere. Der Blick von der Dachterras­se zur Donau ist natürlich großartig.

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