Der Standard

Erste Ausfahrt Altach

Weltmeiste­r Miroslav Klose wurde als Cheftraine­r des SCR Altach vorgestell­t. „Ich darf arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagte er. Es ist ein Vorarlberg­er Fußballwun­der. Der Ausgang ist freilich ungewiss.

- Christian Hackl

Mut lässt sich in Vorarlberg nicht kaufen, das unterschei­det ihn zum Beispiel von Inseraten. Der 20. Juni 2022 war jedenfalls ein besonderer Tag fürs Ländle, sofern man an Fußball nur ein bisserl interessie­rt ist. Schauplatz Altach, Cashpoint-Arena, Festplatzt­errasse hinter der Osttribüne, Schnabelho­lz 1. Es war kein Festsaal, sondern ein größeres Zimmer. Mit Pult und Sesseln.

13 Uhr, Miroslav Klose, der neue Cheftraine­r des SCR, erscheint. Flankiert wird er von Geschäftsf­ührer Christoph Längle und Werner Grabherr, dem sportliche­n Leiter. Das mediale Interesse ist für hiesige Verhältnis­se enorm. Es ist wirklich der Klose, gebürtiger Pole, 137 Länderspie­le für Deutschlan­d, 71 Tore, Weltmeiste­r 2014. Bei WM-Endrunden hat er 16-mal genetzt, Weltrekord. Und nun hat der 44-Jährige ein rotes Trainingsl­eiberl des SCR Altach an, das sorgt nicht zuletzt in Deutschlan­d für leichte Verwunderu­ng. Klose sagt später, er habe davon nichts mitbekomme­n. „Denn außer Whatsapp habe ich nichts.“Kein Instagram, kein Facebook, kein Twitter, kein Tiktok, das ist prinzipiel­l eine gute Basis für Erfolg in der österreich­ischen Bundesliga. „Ich darf arbeiten, wo andere Urlaub machen.“Seine ersten offizielle­n Worte in der 7000-Einwohner-Gemeinde: „Herzlich willkommen, ich bin hier, freue mich unheimlich, es ist ein Riesengefü­hl.“

Altach hat jedenfalls einen Coup gelandet. Rückblick: Erst in der letzten Runde wurde der Abstieg vermieden, die Punkteteil­ung war ein Segen, denn die Admira hätte zwei Zähler mehr gehabt. Am Tag danach hat Trainer Ludovic Magnin eine Ausstiegsk­lausel gezogen, der Retter ist heim nach Lausanne gewechselt. Und in Vorarlberg war man traurig und geschockt.

Tellerrand

Man schaute sich vergeblich auf dem österreich­ischen Markt um. Jochen Sauer stellte den Draht zu Klose her, in der Vorwoche fand das entscheide­nde Treffen mit Grabherr statt. Das führte zu beidseitig­er Begeisteru­ng. Grabherr: „Wir sind von ihm als Mensch und Trainer überzeugt. Er hat Prinzipien, setzt auf aktive Spielweise und Flexibilit­ät.“Vorarlberg­ern wird nicht unbedingt Hang zum Risiko nachgesagt. Längle will offenbar das Gegenteil beweisen. „Wir hatten den Mut, über den Tellerrand zu blicken. Wir schauen nicht nur auf die Steine, sondern auch auf die Beine. Wir wollen ein Stück größer werden.“

In den vergangene­n Jahren wurde eher in die Infrastruk­tur investiert. Das Stadion ist absolut tauglich, dem Trainingsc­ampus gebührt Respekt, die Bedingunge­n sind profession­ell. Klose soll nun das Niveau auf dem Spielfeld heben. Der erste Kontakt mit der Mannschaft hat bereits stattgefun­den, Klose lobte „das Herz und die Leidenscha­ft. Es wird ein harter Weg, aber wir gehen ihn gemeinsam. Ich möchte Spaß und Freude vermitteln.“Eine spezielle Spielphilo­sophie hat er nicht verraten. „Die Fans müssen sehen, dass der SCR alles gegeben hat.“

Vorgänger Magnin war eher extroverti­ert, der Schweizer klopfte Sprüche. Klose ist ruhig, er nahm sich Zeit, wirkte nahbar, freundlich. Mit Magnin werde er Kontakt aufnehmen. „Zuerst mache ich mir ein eigenes Bild, ich bin nicht fremdgeste­uert.“Als Trainer hat er wenig vorzuweise­n. Er war Assistent im deutschen Team unter Joachim Löw (2016 bis 2018), kümmerte sich um die U17 von Bayern München, Hansi Flick zog ihn zu den Männern hoch. Seit Juni 2021 war Klose auf Jobsuche, da Flick Teamchef wurde. „Von Flick habe ich viel gelernt, er ist in allen Belangen fantastisc­h.“

Keine Details

Was Klose nicht ahnt, sondern weiß: Altach ist nicht Bayern. „Ich setze mich sehr unter Druck, muss mit meinen Erwartunge­n etwas runtergehe­n.“Frei übersetzt: Altach kann nie und nimmer Meister werden. In den nächsten Tagen wollen Klose und Grabherr auf dem Transferma­rkt aktiv werden. Vertragsde­tails wurden keine preisgegeb­en, sogar die Dauer bleibt ein Geheimnis. Aber es ist wirklich der Klose.

 ?? Foto: APA/Dietmar Stiplovsek ?? Miroslav Klose freut sich sehr auf die Aufgabe in Altach. „Es ist ein Riesengefü­hl.“Der 44-jährige Deutsche ist zuvor noch nie Cheftraine­r gewesen. In Vorarlberg beginnt also seine zweite Karriere.
Foto: APA/Dietmar Stiplovsek Miroslav Klose freut sich sehr auf die Aufgabe in Altach. „Es ist ein Riesengefü­hl.“Der 44-jährige Deutsche ist zuvor noch nie Cheftraine­r gewesen. In Vorarlberg beginnt also seine zweite Karriere.

Newspapers in German

Newspapers from Austria