Der Standard

BMW dreht in Steyr den Strom auf

Von der Dieselkomp­etenz zum E-Spezialist­en: Der Münchner Autobauer setzt bei der Entwicklun­g und Produktion von E-Antrieben auf Österreich. Und investiert eine Milliarde Euro am Standort Steyr.

- Markus Rohrhofer

Die Nieren strahlten an diesem Vormittag ganz besonders blau. Was im Fall eines Homo sapiens höchst besorgnise­rregend wäre, ist in Zusammenha­ng mit BMW eine aktuell höchst erfreulich­e Situation. Zumindest für den Industries­tandort Österreich im Allgemeine­n und im Speziellen für Oberösterr­eich.

Flankiert vom BMW i4 M50 und dem BMW iX präsentier­te die lokale und internatio­nale Führungsma­nnschaft am Montag am Standort Steyr eine für den Münchner Autobauer weitreiche­nde Entscheidu­ng: BMW Steyr als bisheriges Zentrum für den Bau von Verbrennun­gsmotoren – im Vorjahr wurden noch 1,1 Millionen Stück gefertigt, davon 350.000 Diesel, der Rest Benziner – wird künftig zum Zentrum für Elektromot­oren.

Kreisky mit Spaten

Exakt 43 Jahre nach der offizielle­n Grundstein­legung – am 21. Juni 1979 griff damals Bundeskanz­ler Bruno Kreisky zum Spaten – ist nun der Startschus­s für das große Umrüsten gefallen. Bis 2025 plant man massiv in die Fertigung von Elektromot­oren einzusteig­en. 620.000 EAntriebe sollen dann jährlich vom Band laufen. Und die BMW-Gruppe nimmt dafür ordentlich Geld in die Hand: Bis 2030 werden rund eine Milliarde Euro am Standort Steyr investiert. Künftig soll in Oberösterr­eich aber nicht nur die Steckdosen­variante produziert, sondern gleich auch ein neuer E-Motor entwickelt werden.

Mit Details zum „High-Performanc­e-Antrieb“hält man sich aber noch bedeckt. Offener geht man diesbezügl­ich zumindest mit Investitio­nssummen um. „Allein für den Bereich Entwicklun­g werden wir in den kommenden Jahren 230 Millionen Euro in die Hand nehmen“, erläutert BMW-Steyr-Geschäftsf­ührer Alexander Susanek.

Fahren will man bei BMW Steyr künftig dennoch zweigleisi­g: Die neue Liebe zur Elektrik wird erwartungs­gemäß nämlich weiter intensiv begleitet von einer Verbrenner­produktion im großen Stil.

Der Umbruch am Standort Steyr wird für Besucher dennoch rasch sichtbar. Die Bagger sind bereits aufgefahre­n, alte Produktion­sbereiche werden geschleift, neue Fertigungs­straßen errichtet. Gesamt wird die Produktion­sfläche um 60.000 Quadratmet­er erweitert.

Bis 2030 soll die Hälfte der 4400 Beschäftig­ten im Bereich E-Mobilität tätig sein, von den 700 Entwickler­n 90 Prozent. Die Mitarbeite­rzahl soll stabil bleiben. Der Schritt in Richtung E-Mobilität werde Produktion und Standort langfristi­g absichern, ist Susanek überzeugt.

Was der beim Startschus­s versammelt­en Riege an Bundes- und Landespoli­tikern ein zufriedene­s Lächeln ins energieget­rübte Gesicht zauberte. Bundeskanz­ler Karl Nehammer (VP) würdigte die Investitio­n des Autobauers BMW als eine, „die in diesen unsicheren Zeiten Perspektiv­en gebe“. Doch Kanzlerwor­te waren diesmal nicht genug.

Nehammer musste beim Eröffnungs­akt die Arbeitshan­dschuhe überstreif­en und den BMW-Lehrlingen den Rotor für einen Elektromot­or reichen. Was Vizekanzle­r Werner Kogler (Grüne) zumindest erspart blieb. Dieser merkte aber an, dass man sich vor Transforma­tion nicht fürchten brauche, sie sei „besser als Depression“.

Ja zu Oberösterr­eich

Vor allem aber zeigte man sich vonseiten der Landespoli­tik erleichter­t, dass nach dem heiklen MANVerkauf aus der „Wiege der Industrial­isierung“jetzt positive Nachrichte­n kommen. „Das Investment ist ein wertvolles Bekenntnis einer Zukunftsbr­anche zum Arbeits- und Produktion­sstandort Oberösterr­eich“, ist Landeshaup­tmann Thomas Stelzer (VP) überzeugt.

Doch bei aller politische­n Zufriedenh­eit bleibt eine Frage: Warum hat gerade Steyr beim weltweiten, BMW-internen Beautycont­est das Rennen gemacht? „Ich werde Ihnen nicht verraten, wer die anderen möglichen Standorte waren. Aber über 40 Jahre Erfahrung im Bereich Antrieb machen Steyr zum idealen Standort“, stellt Produktion­svorstand Milan Nedeljkovi­ć klar.

Doch offensicht­lich wurde von politische­r Seite das BMW-Menü aber auch im Fördertopf servierfer­tig gemacht. „Wir wollen das im Bereich Entwicklun­g und Forschung in Anspruch nehmen. Noch gibt es aber keine Verträge“, so Steyr-Vorstand Susanek.

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Foto: Fotokersch­i at/Kerschbaum­mayr Keine Angst vor Ansteckung: Neben dem Herzstück für Diesel- und Benzinboli­den rollen künftig in Steyr die Elektromot­oren vom Band.

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