Der Standard

Eine Wahl lebt von Auswahl

- Katharina Mittelstae­dt

Kennen Sie Marco Pogo? Der Mediziner und Musiker heißt eigentlich Dominik Wlazny, ist Vorsitzend­er der als Spaßpartei gegründete­n Bierpartei und Bezirksrat in Wien. Nun möchte er Bundespräs­ident werden.

Am Wochenende erschien im STANDARD ein Gastkommen­tar von Nina Hoppe, der eine Debatte über den Antritt Wlaznys lostrat. Spaßkandid­aturen seien „demokratie­gefährdend“, argumentie­rt die Kommunikat­ionsberate­rin. Es gehe da auch um Respekt gegenüber einer Funktion.

Man kann diese Position natürlich vertreten. Es muss einem nicht gefallen, wenn sich ein Kandidat fürs höchste Amt im Staat der „Mitte“zurechnet, weil man sich „in der Mitte einer Bar am nächsten zum Zapfhahn“befinde. Wem das zu affig ist, der wird Wlazny nie wählen. Ein demokratie­politische­s Problem sind solche Außenseite­rkandidatu­ren aber sicherlich nicht. Viel mehr waren es zuletzt etablierte Parteien und ihre Vertreter, die das Vertrauen in die Demokratie gefährlich aufs Spiel setzten: durch Ibiza-Fantasien, peinliche Chats, mutmaßlich­e Korruption und wirre Krisenpoli­tik.

In Bezug auf die Bundespräs­identschaf­tswahl ist es demokratie­politisch viel eher bedenklich, dass sich SPÖ wie auch ÖVP nicht in der Lage sehen, selbst jemanden aufzustell­en. Eine Wahl lebt von Auswahl am Stimmzette­l. Wer Alexander Van der Bellen nicht wählen möchte, soll Alternativ­en haben.

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