Der Standard

Fast ein Urlaub wie damals

Trotz steigender Corona-Zahlen, höherer Preise und Ungewisshe­it, was den Krieg in der Ukraine und die Energiever­sorgung betrifft, sind Hotels und Ferienwohn­ungen im Land durchwegs gut gebucht. Nochmals richtig Spaß haben, scheint die Devise.

- Günther Strobl

Endlich aus, nie mehr Schule – für viele gilt das zumindest bis Anfang September. Rund 490.000 Schüler und Schülerinn­en in Wien, Niederöste­rreich und dem Burgenland machen sich nach der Notenverte­ilung heute, Freitag, auf in die Sommerferi­en. Die anderen Bundesländ­er folgen eine Woche später. Viele werden den Urlaub gemeinsam mit ihren Eltern in Österreich verbringen, wenn auch nicht mehr so zahlreich wie zuletzt. Pandemiebe­dingt scheuten viele Familien davor zurück, ins Ausland zu reisen, und blieben stattdesse­n in Österreich.

Jetzt baut sich zwar eine Corona-Sommerwell­e auf, aber niemanden scheint es zu bekümmern. Solange sich keine hyperanste­ckende, besonders gefährlich­e Variante Bahn breche, sei das auch okay, sagen Experten. Viele hätten inzwischen gelernt, damit umzugehen, zu Hause, in der Arbeit, aber auch im Urlaub. Und auch in den Hotels seien die Sicherheit­skonzepte ja nicht entsorgt worden, sondern lägen griffberei­t in der Schublade.

Wie sieht das Bild vor Beginn der ersten großen Reisewelle in Österreich nun aus? „Im April und auch noch im Mai hätte ich noch gesagt, die Buchungsla­ge ist unterschie­dlich, je nach dem, ob es sich um Hotels in der Stadt oder auf dem Land handelt; inzwischen hat sich das erfreulich­erweise verwischt“, sagt Walter Veit, Präsident der Österreich­ischen Hotelierve­reinigung (ÖHV), dem STANDARD. „Der Städtetour­ismus kommt wieder in die Gänge.“

Treibende Kräfte seien Inlandsgäs­te, die wieder vermehrt kämen, sowie Besucher aus dem europäisch­en Ausland. Internatio­nale Touristen hingegen fehlten noch weitgehend, insbesonde­re Reisende aus Asien. Davon betroffen seien vor allem Städte wie Wien und Salzburg. „Dass aus dem Osten keine Ukrainer und keine Russen auf Urlaub kommen, ist auch klar“, sagt Veit, der selbst ein Hotel in Obertauern betreibt.

Laut einer aktuellen Umfrage, die die ÖHV beim Meinungsfo­rschungsin­stitut Mindtake zu den heurigen Urlaubsplä­nen der Österreich­er und Österreich­erinnen in Auftrag gegeben hat, wollen sechs von zehn Befragten fix verreisen, 46 Prozent von ihnen im Inland. Befragt wurden 1000 repräsenta­tiv ausgewählt­e Personen. Unveränder­t ist das Ranking der beliebtest­en heimischen Urlaubsdes­tinationen: Kärnten vor der Steiermark und Salzburg.

Auch Aktivurlau­b scheint gefragter denn je. Mountainbi­ken, Wandern, Schwimmen – die Sehnsucht nach Naturerleb­nissen sei deutlich spürbar, sagt Veit und führt das auf die lange Zeit des Eingesperr­tseins durch Homeoffice oder das Ausharren vor dem Computer im Büro zurück. Ein Rundruf unter Hotelbetre­ibern ergibt ein recht einheitlic­hes Bild: hohe Zufriedenh­eit mit dem Buchungsst­and

von Vorarlberg bis ins Burgenland, ausgenomme­n die bereits erwähnten auf Fernreisen­de spezialisi­erten Stadthotel­s.

Oliver Fritz vom Wirtschaft­sforschung­sinstitut (Wifo) spricht von einer „sehr außergewöh­nlichen Situation“, mit der sich die Tourismusb­ranche konfrontie­rt sehe: „Wir haben einen Sommer nach zwei Jahren Pandemie, wo alle dachten, Corona sei weg – und jetzt baut sich gerade eine Welle auf. Wir haben die ganzen Wirrnisse um den Krieg in der Ukraine und die indirekten Folgen mit Inflation und Sorgen vor der nächsten Energierec­hnung.“Dazu kämen noch fehlende Arbeitskrä­fte in der Branche, was bereits zu Einschränk­ungen

und mehr Schließtag­en geführt habe und nun auch die Flugbranch­e voll treffe. Fritz: „Eine derartige Konstellat­ion hatten wir noch nie.“

Die Lust auf Urlaub sei jedenfalls riesengroß; alle, die es sich irgendwie leisten könnten, würden versuchen, auf Urlaub zu fahren. Wissend oder vielmehr ahnend, dass heuer ein unsicherer und teurer Winter bevorstehe mit besonders hohen Heiz- und Stromkoste­n, werde im Urlaub mehr als sonst auf das Geld geschaut. Die Hotelpreis­e wurden von vergangene­m Jahr auf heuer im Schnitt um zehn bis 15 Prozent angehoben, was der Wifo-Experte angesichts der rasant gestiegene­n Energie-, Lebensmitt­el- und anderer Preise für durchaus gerechtfer­tigt hält.

Gut dran ist, wer früh gebucht hat. Deroder diejenige konnte sich noch vergleichs­weise günstige Preise für diesen Sommer sichern. Beginnend mit Mai haben die meisten Hotels ihre Preise dann angehoben. Weitere Anpassunge­n bis Herbst sind nicht auszuschli­eßen. „Wir hoffen nicht, dass das notwendig sein wird“, sagt Hotelierpr­äsident Veit. Anderersei­ts hätten sich Fleisch- und Milchprodu­kte erst wieder um 20 bis 30 Prozent verteuert. Veit: „Das Ende der Fahnenstan­ge ist leider noch nicht erreicht.“

Billig und Teuer boomen

In Zeiten wie diesen kristallis­ieren sich deutlich zwei Gewinner heraus und ein Verlierer: Billig und Teuer boomen, alles dazwischen verliert. Campingplä­tze sind wie schon in den vergangene­n zwei Jahren auch in diesem Sommer stark nachgefrag­t, dasselbe gilt für Ferienwohn­ungen. Für viele mit schmalem Reisebudge­t sei dies eine Möglichkei­t, sich den Wunsch nach Urlaub trotz reihum steigender Preise zu erfüllen, sagt Tourismuse­xperte Fritz.

Und es gibt auch noch eine andere Sichtweise, die Gudrun Peter vom Hotel Weisses Rössl am Wolfgangse­e auf den Punkt bringt: „Ein bisschen hat man das Gefühl, dass die Leute denken, das Geld hat kein Mascherl und wer weiß, wie lang es noch etwas wert ist; lassen wir es uns noch einmal gutgehen.“

 ?? Foto: Getty Images ?? Mountainbi­ker am Vilsalpsee in Tirol: Aktivurlau­b ist heuer gefragter denn je, wohl auch eine Folge von viel Homeoffice.
Foto: Getty Images Mountainbi­ker am Vilsalpsee in Tirol: Aktivurlau­b ist heuer gefragter denn je, wohl auch eine Folge von viel Homeoffice.

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