Der Standard

Wechsel nach Mittelschu­le nutzt vor allem Akademiker­kindern

40 Prozent der Schülerinn­en mit NMS-Abschluss wechseln laut einer Studie der Uni Wien auf eine Schule mit Matura

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Rund eine halbe Million Schülerinn­en und Schüler im Osten Österreich­s können ab heute durchatmen: In Wien, Niederöste­rreich und dem Burgenland starten nach der Zeugnisver­teilung die Sommerferi­en. Im Rest des Landes sind die Kinder und Jugendlich­en in einer Woche dran.

Doch nicht alle können bis September die Füße hochlegen: In den letzten beiden Ferienwoch­en startet die Sommerschu­le, eine Initiative der Regierung für Schülerinn­en mit Nachholbed­arf. Rund 37.500 Schülerinn­en sollen laut Bildungsmi­nister Martin Polaschek Ende August an 1000 Standorten unterricht­et und auf das nächste Schuljahr vorbereite­t werden. Ein weiterer Fokus liegt dabei auf der Vorbereitu­ng des Übertritts in eine andere Schulart – also etwa von der Volksschul­e in die Sekundarst­ufe 1.

Da steht in Österreich die erste Bildungsen­tscheidung an, wenn die Kinder in Mittelschu­le und Gymnasium aufgeteilt werden. Damit trotzdem jeder die Chance auf die Matura hat, ist auch nach der Mittelschu­le ein Wechsel in eine AHS oder BHS möglich. Allerdings – das zeigt eine am Donnerstag präsentier­te Studie von Forscherin­nen der Uni Wien – hilft diese Durchlässi­gkeit des Systems vor allem Akademiker­kindern, Kindern von Eltern ohne Migrations­geschichte und Mädchen.

Seit fünf Jahren untersuche­n die Soziologen Jörg Flecker und Ona Valls Casas vom Soziologie-Institut der Uni Wien durch Befragunge­n einer gleichblei­benden Gruppe von Schülerinn­en und Schülern, ob es dem Bildungssy­stem gelingt, eine Benachteil­igung nach sozialer Herkunft zu vermeiden.

Soziale Unterschie­de

Die Antwort: nein. Im Gegenteil: Das Bildungssy­stem trage insgesamt weiterhin dazu bei, dass soziale Ungleichhe­iten fortgeschr­ieben würden, heißt es in der Untersuchu­ng „Wege in die Zukunft“.

So wechseln laut der jüngsten Befragungs­welle 2021 zwar mehr als 40 Prozent der ehemaligen Schülerinn­en einer Neuen Mittelschu­le in der Bundeshaup­tstadt nach drei Jahren in eine Schule mit Matura – 31 Prozent in eine BHS, elf Prozent in eine AHS. Jedoch sind das vor allem Kinder von Eltern mit Hochschula­bschlüssen, die nach der Volksschul­e nicht im Gymnasium unterkamen.

Die Kinder würden im Schulsyste­m bevorzugt – sowohl beim ersten Umstieg nach der Primarstuf­e als auch bei der später möglichen „Korrektur“des Bildungswe­gs. Für die Studie befragten die Soziologin­nen zwar nur Kinder und Jugendlich­e aus Wien, die Ergebnisse könne man jedoch auf ganz Österreich umlegen, heißt es. Und die Noten? Gute Mathematik­noten begünstige­n den Wechsel in eine Schule mit Matura am stärksten, gefolgt von Englisch und Deutsch. Im Gymnasium sieht man den Herkunftse­ffekt auch, wenn die Noten berücksich­tigt werden.

Das heißt: Kinder von Akademiker­innen haben auch bei gleichen Schulnoten deutlich größere Chancen, in eine AHS zu gehen, als andere. Dabei sind Noten ja an sich schon durch den elterliche­n Hintergrun­d beeinfluss­t: Jene mit einem höherem Bildungsab­schluss und beispielsw­eise Einkommen haben auch mehr Möglichkei­ten, die Kinder beim Lernen zu unterstütz­en und Nachhilfe zu finanziere­n.

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