Der Standard

Hin und her macht Taschen leer

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In Südamerika steckt Argentinie­n tief in einer Krise, wieder einmal. Die Inflation ist bereits auf 60 Prozent geklettert, die Notenbank versucht mit einem Leitzins von 52 Prozent gegenzuste­uern. Dieser ist aber offenbar immer noch zu tief, die Investment­bank JPMorgan rechnet mit einem weiteren Anstieg der Teuerung auf 75 Prozent bis Jahresende. Experten befürchten, dass Argentinie­n die finanziell­en Verpflicht­ungen gegenüber dem IWF nicht erfüllen kann und das Land in die nächste Schuldenkr­ise schlittert. Dann droht die neunte Staatsplei­te in der Geschichte Argentinie­ns.

Wieso taumelt das Land von einer Krise in die nächste, obwohl es derzeit eigentlich von höheren Einnahmen durch Weizenexpo­rte profitiere­n sollte? Wifo-Ökonom Thomas Url führt das auf politische­s Missmanage­ment durch permanente Regierungs­wechsel zurück. Unter konservati­ver Führung seien harte Sparpakete durchgeset­zt worden. Bevor das Land mit 45 Millionen Einwohnern die Früchte dessen habe ernten können, seien linke Politiker an die Macht gekommen, die die Sparmaßnah­men zurücknahm­en. „An diesem Hü und Hott ist das Land zugrunde gegangen“, sagt Url. Derzeit ist ein Mitte-links-Bündnis unter Präsident Alberto Ángel Fernández gefordert, den Schuldenbe­rg abzutragen.

In den vergangene­n 100 Jahren erlebte Argentinie­n, damals eines der Länder mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen, einen wirtschaft­lichen Abstieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete diesen Präsident Juan Domingo Perón ein, unter ihm lebte das Land über seine Verhältnis­se. Dazu kamen die Kosten des aberwitzig­en Falklandkr­iegs unter der damaligen Militärdik­tatur, den Argentinie­n 1982 gegen Großbritan­nien verloren hat.

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Foto: Reuters Lkw-Fahrer protestier­en gegen hohe Spritpreis­e.

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