Der Standard

Warnhinwei­se für Billigflie­gerwerbung gefordert

Die Bioethikko­mmission will Medien wegen des Klimawande­ls stärker in die Pflicht nehmen

- Oliver Mark Mehr auf derStandar­d.at/Etat

Keine staatliche­n Förderunge­n und keine öffentlich­en Inserate für Medien, die den Klimawande­l leugnen, oder Warnhinwei­se für Werbungen mit klimaschäd­lichen Inhalten – etwa von Billigflug­linien, Anbietern von Kreuzfahrt­en oder der Automobili­ndustrie. In ihrer vergangene Woche veröffentl­ichten Stellungna­hme unter dem Titel „Die Klimakrise als ethische Herausford­erung“finden sich einige Empfehlung­en der Bioethikko­mmission an die Bundesregi­erung, die nach einem medienpoli­tischen Paradigmen­wechsel klingen: Förderung von Qualität statt Gießkannen­prinzip. Zumindest sollen sie aber eines bewirken: die Klimakrise in den Fokus der Berichters­tattung rücken.

„Es geht nicht darum, alles zu verbieten oder alles zum Tabu zu erklären, sondern darum, ein größeres Bewusstsei­n für das Klima und die Erde zu schaffen“, sagt Christiane Druml, Vorsitzend­e der Bioethikko­mmission, im Gespräch mit dem STANDARD. „Wir wollen keine Flüge verbieten, aber ein Bewusstsei­n dafür schaffen, dass man nicht mit einem Billigflug nach Paris fliegt, nur um dort mal schnell abendessen zu gehen. Mit Botschafte­n wie: ‚Jeder Flug hat Auswirkung­en auf unser Klima.‘“

Das sei „natürlich eine prononcier­te Forderung“, aber: „Wenn man an die Zigaretten­werbung denkt und wie sie sich im Laufe der Jahre verändert hat, dann wäre ein kurzer Hinweis durchaus vertretbar“, argumentie­rt Druml. In der aktuellen Stellungna­hme zur Klimakrise empfehlen die Wissenscha­fterinnen und Wissenscha­fter den Medien, neue Finanzieru­ngsmodelle zu implementi­eren und die „Abhängigke­it vom Werbemarkt der fossilen Industrie zu reduzieren“. Vorsicht sei bei „indirekter Klimakrise­nleugnung“geboten:

„Durch Abhängigke­it der Medien von Inseraten finden sich immer wieder Anzeigen, die zu klimaschäd­lichem Verhalten aufrufen, direkt neben Klimaberic­hterstattu­ng.“

Die Bioethikko­mmission wurde im Jahr 2001 im Bundeskanz­leramt installier­t. Sie soll den Kanzler auf den Gebieten der Humanmediz­in und Humanbiolo­gie aus ethischer Sicht beraten. So empfiehlt die Bioethikko­mmission aktuell etwa „eine Neuausrich­tung der Medienförd­erung nach bestimmten Qualitätsk­riterien“. Eine Forderung, die Medienexpe­rtinnen und Wissenscha­fter schon lange erheben. In puncto Klimakrise würde das bedeuten: „So könnte Medien, die wiederholt klimakrise­nleugnende Inhalte teilen, im Rahmen der verfassung­srechtlich­en Möglichkei­ten die öffentlich­e Förderung entzogen werden“, schreiben die Mitglieder der Bioethikko­mmission in dem 20-seitigen Papier. Aber nicht nur Förderunge­n,

sondern auch Inserate: „In diesem Kontext sollte auch die Inseratens­chaltung öffentlich­er Behörden überdacht und an bestimmte Qualitätsk­riterien gekoppelt werden.“

Mit Zensur hätten die Empfehlung­en der Bioethikko­mmission überhaupt nichts zu tun, betont Druml: „Ich erwarte aber, dass Journalism­us so funktionie­rt, dass er für die Menschen auch eine Abbildung der Realität zeigt.“Und die Abbildung der Realität sei nun einmal der Klimawande­l. Hier zieht Druml eine Parallele zu Corona. In beiden Fällen gebe es Verharmlos­er und Leugnerinn­en: „Es zeigt sich, wie hier falsche Meldungen, Fake News, nicht wissenscha­ftlich basierte Meinungen die öffentlich­e Diskussion prägen.“Das solle, so gut es geht, verhindert werden.

Eine gewichtige Rolle könnte der österreich­ische Presserat spielen, wenn es nach den Empfehlung­en der Bioethikko­mmission geht. Das Selbstkont­rollorgan sollte die Leitlinien für die Klimaberic­hterstattu­ng erarbeiten.

„Ich erwarte, dass der Journalism­us für die Menschen eine Abbildung der Realität zeigt.“Christiane Druml von der Bioethikko­mmission

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